1999 - Pause und Neuanfang 1 (Winny)


By Winny - Posted on 03 Mai 2009

Eigentlich dachte ich ja, das der Holli die Geschichte über seinen Einstieg selber schreibt, vor allem, weil ich an dem Tag so was von Sternhagelvoll war, dass ich mich nur mit Mühe erinnern kann, wie das Damals eigentlich war. Aber da sein Alkoholisierungsgrad nur unwesentlich unter dem meinem gelegen haben dürfte, und wir die Story im Proberaum schon ein paar mal erzählt haben glaube ich, aus den Fragmenten und Erinnerungsfetzen die beide noch behalten haben, eine einigermaßen komplette Erzählung Rekonstruieren zu können.

Aber jetzt fange ich erst mal mit der Vorgeschichte des ganzen an.

Der Anfang vom (vorläufigen) Ende war glaube ich das Open Air auf dem Parkplatz vom Blackout. Wir waren vor dem Auftritt eigentlich noch guter Dinge, aber in der Band gärte es schon einige Zeit. Diverse Unstimmigkeiten untereinander machten die Zusammenarbeit im Proberaum immer schwieriger. Man Blaffte sich schon wegen geringster Kleinigkeiten gegenseitig an und die Streitereien nahmen immer größere Dimensionen an.

Wir waren zu der Zeit alle kleine Zicklein, da nehme ich mich selbst auch nicht aus. Obwohl ich eigentlich noch immer so etwas wie der ruhende Pol der Band war, das lag vielleicht auch daran, dass ich auf dem Bau schon so viel Stress und Streitereien mit meinen diversen Hiwis aus aller Herren Länder hatte, das ich, wenn ich in den Übungsraum kam einfach keine Lust hatte mich mit irgendjemanden zu streiten.

Zu der Zeit ging es bei mir in der Arbeit drunter und drüber, ich hatte ein paar mal den Arbeitsplatz gewechselt, weil die Firma in der ich lange Jahre gearbeitet hatte leider Pleite gegangen war. Die Chefs bei denen ich danach anfing waren leider das was wir in Bayern landläufig als Grattler bezeichnen würden.

Der erste, das erfuhr ich aber leider erst als ich schon ein Weilchen dort arbeitete, verdiente sich sein Geld nebenbei als Kredithai, und dementsprechend war auch seine Zahlungsmoral. Die Kohle kam, wenn überhaupt meistens erst zum 20ten oder 25ten des Monats, und dann fehlten meistens noch ein paar Hundert Mark. Erst als ich ihm einmal klarlegte, dass er bei der Verspäteten und Unvollständigen Zahlung meines Gehaltes unter Umständen mit den selben Konsequenzen zu rechnen hätte wie seine säumigen Kreditnehmer, nur dass ein Hundert Kilo schwerer Dachdecker dazu nicht die Hilfe von ein Paar Schlägertypen der Russenmafia benötigt, sondern ihn mit Leichtigkeit ohne fremde Hilfe durch das geschlossene Fenster im zweiten Stock donnern kann, war das Thema pünktliche Lohnzahlung kein Problem mehr.

Das das auf die Dauer keine Basis für ein vernünftiges Arbeitsverhältnis war, dürfte eigentlich jedem klar sein.

Also verließ ich diese Arbeitsstelle bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit, und fing wieder, skeptisch zwar, bei meinem vorherigen Arbeitgeber an. Der hatte nach dem Konkurs wieder eine neue Firma gegründet, und angefragt, ob ich nicht wieder bei ihm anfangen würde. Anfangs war ich nicht sonderlich begeistert, weil ich bei dem scheiß Konkurs meinen ganzen aufgelaufenen Resturlaub und noch einiges an ausstehenden Lohnzahlungen verloren hatte. Aber nachdem er mir den entgangenen Lohn und den verlorenen Urlaub bar auf die Kralle ausgezahlt hatte fing ich doch wieder bei ihm an.

Dieser Typ war zwar noch Krimineller als der bei dem ich in der Zwischenzeit gearbeitet hatte, der war nämlich nebenbei noch Zuhälter, beschiss den Staat im großen Stil, war mal ein Jahr auf der Flucht vor der Kehlheimer Unterwelt, weil er einen Spielsalon eröffnen wollte, mitten im Gebiet das sich die örtliche Mafia aufgeteilt hatte, und glaubte die können ihm nichts ( großer Fehler, das brachte ihm einen Zweiwöchigen Krankenhausaufenthalt ein, danach lief er ein Jahr nur mit Bodyguards herum, wenn er sich überhaupt blicken lies ) und hatte schon viel Zeit in diversen JVAs verbracht, aber wenigstens habe ich dort immer mein Geld bekommen, zwar auch nicht pünktlich, ( das ist im Baugewerbe leider fast überall so, habe ich feststellen müssen ) aber zumindest vollständig.

Aber leider bekam er in München nicht mehr sonderlich viele Aufträge, was nicht verwunderlich ist denn bei seinem Konkurs haben auch viele Kunden und Zulieferer einen Haufen Geld verloren.

Also wahren die Baustellen alle weiß Gott wo. In Kehlheim, Kulmbach, Rothenburg ob der Tauber und so weiter. Da ich nicht viel Lust hatte in Zukunft in irgendwelchen billigen Absteigen zu hausen, denn Heimfahren war bei der Entfernung ja nicht, und ein anständiges Hotel konnte man sich von dem bisschen Auslöse nicht leisten, musste ich mir schnell eine andere Arbeit suchen. Vor allem hatte ich keine Lust mit den Arschgesichtern die mir als Arbeitskollegen aufs Auge gedrückt wurden, auch noch meine Freizeit zu verbringen. Stellt euch mal vor, ihr müsst euch ein Zimmer mit einem Ossi teilen, der auf die Wildegger Herzbuben steht! Okay, es ist ja egal, welchen Musikgeschmack jemand hat, aber er war auch so einfach nur ein Arschloch! Der war ja eigentlich auch Dachdeckergeselle, hatte aber von Tuten und Blasen keine Ahnung! Aber eine große Fresse. Immer das Maul auf, aber Fachlich auf dem stand eines Lehrlings im zweiten Lehrjahr, das heißt: rudimentäres Halbwissen, gepaart mit unbegrenztem Geltungsdrang und beinahe schon Phänomenalem Talent beim verursachen von Beinahekatastrophen. Dazu war er auch nach vollkommen Beratungsresistent, denn sonst hätte ich ihm wenigstens in der Zeit etwas beibringen können, was die Zusammenarbeit extrem erleichtert hätte.

Die anderen Arbeitskollegen waren auch nicht besser als mein Lieblingsossi. Nur dass sie auch noch das anscheinend Angeborene Desinteresse gegenüber von sinnvollen Arbeitsabläufen besaßen, welches anscheinend den meisten Hilfsarbeitern eigen ist, gepaart mit beinahe unglaublicher Faulheit und einer aversion gegen alles was auch nur annähernd mit Arbeit zu tun hat. Wenn man sich den ganzen Tag über solche Typen schwarz geärgert hat, und sich fragt, was zum Teufel man denn verbrochen hat, das man mit solchen stinkfaulen Idioten, die zu dumm sind einen Hammer richtig herum zu halten, gestraft ist, dann ist man normalerweise froh wenn endlich Feierabend ist, und man diese Vollpfosten endlich los ist. Aber nein, man hat sie noch den ganzen Abend auf dem Hals! Ins Zimmer verziehen ist auch nicht, denn da wartet ja der Ossi mit dem Kassettenrecorder auf dem der Wildegger Volkstumswahnsinn läuft!

Das schlimmste war aber, das es schon Anfang Dezember war und auch dementsprechend kalt. An sich ist es zwar ganz schön, wenn die Baustelle nur 800 Meter von der Absteige entfernt ist, es erst um 8.00 Uhr hell genug ist um anfangen zu können, und es dadurch vollkommen ausreicht, wenn man erst um halb Acht aufsteht. Aber es wird auch um 16.30 schon so Dunkel, das man nichts mehr sieht,und schon aufhören muss. Nicht dass ich so arbeitsgeil wäre, aber man kommt mit der Baustelle auch nicht weiter, und sitzt dementsprechend lange in dem Drecksnest fest. Und wenn man dann um 17.00 schon wieder im Hotel, oder wie immer man diese heruntergekommene Wanzenburg auch immer bezeichnen will, ist, dann wird der Abend schon lang.

Unter Normalumständen hätte ich mich dann halt erst mal 2 Stunden in die Badewanne mit einem guten Buch und was schönem zu trinken verzogen, wie ich es Zuhause normalerweise gemacht hätte, aber leider war für die ganze Etage nur ein Badezimmer da, und es wollten sich natürlich alle nach der Arbeit waschen. Das andere war, das das Badezimmer natürlich auch dem Antiken Charme des Etablissements entsprach, also Gammlige rissige Fliesen, verschimmelte Eckfugen, Wasserhähne so alt und Kalkverkrustet, das sich die Schraubhähne nur unter Einsatz von Gewalt bewegen ließen, (ich hatte immer Angst, ich würde mal so ein verrottetes Teil abreißen) und außerdem war es in dem Bad grundsätzlich immer Schweinekalt wenn wir von der Arbeit kamen, weil die Besitzer offensichtlich die Heizkosten sparen wollten. Und das war glaube ich auch der einzige Grund warum nicht Horden von Kakerlaken und anderem Getier dort herum marschierten. Ich hätte die Butze nicht im Sommer sehen wollen, da wäre man ohne eine Dose Insektenvertilgungsmittel wahrscheinlich nicht mal zur Tür rein gekommen.

Ich dachte am Anfang, bist du Schlau, lässt du erst die Anderen Duschen, dann ist es bis Du kommst schon einigermaßen Warm, aber das war auch ein großer Fehler, weil nachdem drei Mann geduscht hatten war leider kein Warmes Wasser mehr da. Der Hauptgrund der mich von einem Bade abhielt, normalerweise Dusche ich selten weil es mir zu unbequem ist, sondern lege mich lieber in die Wanne, war der Zustand der Wanne selber. Das war die Assligste, dreckigste, versiffteste Badewanne, die ich je gesehen habe. Und ich habe schon viel gesehen! So ein verkeimtes verrostetes Teil kannte ich nur aus irgendwelchen Altbausanierungen, wo schon mal so ein Teil im Hinterhof steht, um Regenwasser zum Blumengießen darin aufzufangen. Das ding war sowas von eklig da wollte man sich noch nicht mal die Füsse drin waschen, geschweige denn sich ganz hineinlegen. Der einzige Grund, warum das Ding noch dicht war, war schätzungsweise die Zentimeterdicke Kalkschicht die in dem Teil war, und wodurch die Badewanne aussah wie eine der berühmten Kalkterrassen in Pammukale/Türkei.

Also beeilte ich mich nach der Arbeit immer einer der ersten beim Duschen zu sein, und verzog mich dann schnell in die Gaststube um das Elend mit Alkohol zu ertränken.

In solchen Zeiten kann man sich durchaus in die Psyche eines Amokläufers hinein versetzen, und verstehen wie es so weit kommen kann das jemand so Ausrastet! Bei mir hätte es auch nicht mehr lange gedauert. Gott sie dank haben wir im Hinterzimmer der Kaschemme einen Dartautomaten entdeckt, so war wenigstens für ein bisschen Kurzweil gesorgt, und ich konnte ihnen aus Strafe für mein von ihrer Unfähigkeit schon sehr ramponiertes Nervenkostüm wenigstens ihren kargen Helferlohn beim Darten abziehen. Nicht dass ich jetzt beim Darten sonderlich gut währe, aber erstens vertrug ich um Welten mehr Bier als diese Trauergestalten, zweitens treffe ich bei steigendem Alkoholpegel eher besser als nüchtern, während sie nach dem 4. Bier und dem 6.Rüscherl meistens schon froh waren wenn sie noch den Automaten trafen, und drittens war es mir scheißegal ob ich gewinne oder nicht. Denn es gibt nichts schlimmeres, als ein Saufspiel zu spielen, wenn man es sich Finanziell eigentlich nicht leisten kann zu verlieren, vollkommen egal ob man jetzt Darts wirft oder Würfelt. Wenn man ständig daran denkt: Scheiße, ich muss gewinnen, ich hab keine Kohle mehr, dann hat man schon verloren.

Also verbrachten wir unsere Abende mit dem Darten um Rüscherl oder wenn die Meute schon zu Breit für das Zeug war, um Bier. Da in dem Hinterzimmer außer uns keiner war, brachte ich auch meinen Gettoblaster mit und lies schön Metal laufen. Ob den anderen das gefiel oder nicht, war mir natürlich herzlich egal, sagen konnten sie auch nicht viel, schließlich war ich ja der Capo, und Beschwerden über die Musik hätte derjenige am nächsten Tag bei der Arbeit bitter bereut. Und so lies die gefällige Beschallung (gefällig zumindest für mich ) meine Laune und auch meine Trefferquote schön ansteigen, so dass ich meistens nicht mehr als 15 oder 20 Mark für den ganzen Abend hinlegen musste.

Das einzig Gute war, das sie alle Spielgeil waren, und andernfalls sowieso ihre Kröten in irgendeinen Geldspielautomaten geworfen hätten, ich meine ein normaler Mensch hätte spätestens nach dem zweiten oder dritten Abend mit dem Unsinn aufgehört wenn er ständig verliert. Ich habe natürlich dafür gesorgt, dass ich auch ein oder zweimal am Abend verliere, aber bei 1.50 DM für ein Rüscherl war das nun wirklich kein Problem, und die Halbe Bier kostete dort auch nur 1.90 DM da blieb mir nach den 20DM pro Nacht fürs Zimmer sogar noch was von der Auslöse übrig, denn Gegessen haben wir in der Imbissbude, dort war es um Welten besser als in der Kneipe, und ein Jägerschnitzel mit Pommes kostete dort nur 3.50 DM das war das einzig gute, Kulmbach ist nicht München, vor allem nicht von den Preisen her.

Nun bin ich aber wirklich weit abgeschweift, kommen wir mal wieder zu Thema zurück.

Wir hatten also dieses Open Air zu Spielen, und welche Bands dort noch auftraten ist mir auch komplett entfallen. Ich weiß nur noch, das wir so ziemlich in der Mitte des Billings positioniert waren und nur unsere Verstärker mitbringen mussten.

Es war ein Bilderbuchsommertag und dementsprechend Heiß war es auch. Wir schleppten also unsere Sachen auf den Parkplatz, und warteten, dass wir mit dem Soundcheck dran waren. Wenn man mit schwarzen Lederklamotten in der prallen Sonne sitzt, wird es natürlich sehr schnell sehr warm, und man bekommt auch schnell Durst. Statt uns ein Radler oder so was ähnliches zu besorgen, kam irgendwer auf die glorreiche Idee, sich ein Desperados in den Ralf zu kippen, worauf natürlich jeder von uns auch sofort so ein Gesöff haben musste. Um Zwei Uhr Nachmittags schon mit dem ersten Desperados anzufangen, wenn man erst um ca. 21.00 zum spielen anfangen muss ist natürlich eine ziemlich bescheuerte Idee. Wir dachten, naja, trinken wir halt eins oder zwei, dann steigen wir wieder auf Wasser oder Spezi um. Das tat natürlich außer dem Toml glaube ich keiner, und so waren wir schon beim Soundcheck ziemlich gut drauf. Und da war es glaube ich erst mal so 5 Uhr nachmittags.

Wie es den anderen ging habe ich keine Ahnung, aber ich war, als es dann endlich soweit war dass wir Auftreten sollten voll wie ein Haus! Ich glaube ich bin noch nie so Rotzbesoffen auf einer Bühne gestanden. Alkohol beflügelt den Künstler, zumindest in Maßen genossen, kann er erstens die Laune verbessern, hilft zweitens gegen Lampenfieber, und bei Sängern entspannt er die Stimmbänder und verbessert somit die Performance!

Nur sollte man sich nicht so zu saufen, dass man nicht mehr weiß wie herum man die Gitarre umhängen muss. Und genau so Hacke voll war ich, das muss ich zu meiner Schande zugeben. Dass ich mal ein bisschen von meinem Text vergesse, oder mich unterm Singen an der Gitarre verklampfe, kann schon mal vorkommen, aber meist ist es so geringfügig das außer mir und vielleicht dem Toml keiner was davon mitkriegt. An diesem Tag waren die Defizite aber nicht mehr zu verbergen. Nun das währe jetzt nicht das große Problem gewesen, denn im Publikum kannte mich fast jeder, und die waren auch alle nicht mehr ganz Nüchtern. Aber auch bei den anderen lief es alles andere als rund.

Alles in allem waren wir meiner Meinung nach gar nicht mal so schlecht, und konnten mit den anderen Bans ganz gut mithalten, aber die anderen Bandmitglieder sahen das ganz anders und waren nach dem Gig ziemlich angefressen.

Es ist eigentlich vollkommen klar, das wir nach dem Auftritt erst richtig zum Saufen angefangen haben und nach ein paar Geiselein war der Gig eigentlich schon wieder vergessen dachte ich zumindest, und wir hatten doch noch unseren Spaß bis tief in die Nacht.

Dann kam der Blödsinn den wir, also Toml, Michi, und ich nicht gerade als Ruhmesblatt für uns verbuchen können, als wir auf die dumme Idee kamen, das wir einen anderen Schlagzeuger bräuchten.Aber das gehört auch zur Geschichte, also will ich es nicht verschweigen.

Wie das ganze eigentlich genau gelaufen ist darüber zerbreche ich mir heute noch den Kopf, aber ich denke es ging nicht nur um den Wolfi, wir hatten eigentlich alle zu dem Zeitpukt nicht mehr so richtig Bock, und es ist eigentlich schade gewesen das der Unmut ausgerechnet ihn traf, weil er zu diesem Zeitpunkt glaube ich der einzige war der noch mit Freude dabei war.

Wie es genau gelaufen ist will ich hier jetzt nicht im Detail ausführen, das währe eine Sache die der Wolfi am besten von seiner warte aus beschreiben sollte, und er hat auch das Recht darauf es zu tun, und wir haben von dieser Seite jede Kritik zu schlucken, denn es war eine scheißaktion für die ich mich heute noch schäme.

Nun es war mal wieder so weit, ein neuer Schlagzeuger musste her, und ich dachte mir, da schauen wir doch einmal, dass wir einen richtigen Profi hinter die Schießbude setzen. Ich meine, wir waren ja nun wirklich keine Anfänger mehr, wir hatten schon eine CD, wir hatten schon mit Sodom gespielt, und waren wirklich schon lange genug im Geschäft, dass wir schon ein bisschen anspruchsvoll sein konnten. Dann kamen der Michi und der Toml ( oder wars nur der Michi? Ich weiß es nicht mehr) mit dem Vorschlag den Great ans Schlagzeug zu setzen. Der hatte nachdem er mit dem Singen aufgehört hatte, (von wegen Stimmbandschaden oder so ) mit dem Schlagzeugspielen angefangen. Ich war schon ein bisschen Skeptisch, Okay er ist ein netter Kerl, und ich mag ihn wirklich sehr gern, aber ob er in der kurzen Zeit die er mit der Knüppelbude übt, schon in der Lage ist unsere Songs zu spielen, die Technisch auch einem guten Schlagzeuger ziemlich was abverlangen, von wegen ständige Tempiwechsel, Doublebassattacken, triolen auf der bassdrum usw. 13 minütige songs mit 15 verschiedenen riffs, die auch noch ständig anders gespielt werden, da glaubte ich nicht, das er das schon auf die Reihe kriegt.

Und ich sollte recht behalten! Es war ein Desaster. Natürlich war er Technisch und auch konditionell meilenweit entfernt von dem was wir gebraucht hätten. Die ersten takte musste ihm der Toml zeigen, und der konnte mehr am Schlagzeug als er. Tut mir leid Great, ist nicht persönlich gemeint.War ja eigentlich nicht verwunderlich, denn sonst währe ja jeder Drummer bescheuert der Jahrelang wie besessen übt und dann auch erst mal kleine Brötchen bäckt. Ich würde ja auch niemals auf die Idee kommen und mich als Leadgitarrist bei irgendeiner Band bewerben.Und ich spielte damals sehr viel besser Gitarre als der Great Schlagzeug.Von der Geschwindigkeit und vom Songaufbau ist unser Zeug nicht einfacher zu spielen als Songs von Metallica oder Blind Guardian, wenn wir auch natürlich musikalisch nicht an diese Vollprofis heranreichen aber der Schlagzeuger ist bei uns sehr gefordert.

Da hätten wir ja wieder bei Null anfangen müssen, das wollte dann auch keiner, und so ließen wir es dann nach zwei oder dreimal Proben auch sein. Der Toml ist damals an die Uni nach Regensburg gegangen und hatte dann auch keine Zeit mehr und der Michi stieg dann auch aus, weil er mal eine Auszeit brauchte.

Und damit ruhte die Band Phantom Lord mal wieder alleine auf meinen Schultern!

Zwei oder drei Monate tat ich auch mal nichts, aber dann merkte ich, dass es mich langsam wieder in den Keller zu meiner Gitarre zog. Eigentlich wollte ich schon wieder Musik machen, denn so war es ja auch todlangweilig! Also fing ich so langsam mal wieder an mich in der Musikerszene umzuhören, wer denn lust hätte mit mir was zu machen. Aber die Leute mit denen man etwas anfangen hätte können, oder besser gesagt die gut genug gewesen währen, das ich sie in der Band gebrauchen hätte können spielten entweder schon in einer Band, oder hatten keine Lust. Oder sagten zu und kreuzten dann nicht auf, was mich noch mehr ärgerte.

Irgendwann so um 2000 herum kam ich dann wieder mit dem Wolfi zusammen. Wir trafen uns beim Fortgehen, ich weiß nicht mehr 100 pro ob es noch im Brooklin war aber ich denke schon. Wir quatschten uns bei ein paar Geiselein mal richtig aus, und erzählten, was wir so alles in der Zeit getrieben hatten, und beschlossen dann doch wieder zusammen zu spielen.

Nun waren wir wenigstens schon mal wieder zu zweit! Die Suche nach einem Gitarristen indes gestaltete sich doch ein bisschen schwieriger, als ich am Anfang gedacht hatte. Gitarristen gibt es normalerweise ja wie Sand am Meer, aber die meisten an die ich geriet waren entweder Scheiße, oder Arrogant, oder Arschlöcher, oder Arrogante Arschlöcher die auch noch Scheiße spielen, aber sich trotzdem für den Allmächtigen Heiland zu halten schienen, oder sie hatten schon einen Platz in einer Band.

Da kamen wir mit einem Alten Kumpel, der auch immer im Brooklin herumhing zusammen. Dem Wick. Der heißt eigentlich Erik, davon kommt auch der Spitznahme Wikinger kurz Wick. Der war damals ja derjenige, der uns die Kohle für die erste CD geliehen hat, und wir kannten uns schon seit Pernloher Keller Zeiten. Er spielte auch schon einige Zeit Gitarre, und war als alter Fan der Band natürlich sofort Feuer und Flamme den Vakanten Job als Leadgitarrist anzunehmen.

Er war zwar ein bisschen leicht reizbar, und ziemlich schnell eingeschnappt, wenn ihm jemand das falsche sagte, aber das war ich ja gewohnt, das ist bei Leadgitarristen anscheinend so ( gell, Michi und Holli? Hihihihihi ) und ich dachte mir das krieg ich schon in den Griff, der streitet sich dann ja sowieso mit dem Wolfi, der auch Stur wie ein Maulesel sein kann, wenn er der Meinung ist er wäre im Recht. Auch wenn er nicht recht hat, lenkt er erst ein, wenn ihm einer mit Brief und Siegel, am besten noch von zwei Notaren mit Unterschrift amtlich beglaubigt, bestätigen kann dass er falsch liegt. Wenn es leichtgläubige Menschen gibt, dann liegt der Wolfi garantiert am anderen Ende der Skala. Ich erinnere mich noch lebhaft an die Wortgefechte zwischen Michi und Wolfi, die es fertigbrachten sich wegen Kleinigkeiten stundenlang in der Wolle zu haben die ich nicht mal der Erwähnung für wert gefunden hätte, während der Toml und ich Kopfschüttelnd im Eck standen und uns das Spektakel beim Genuss einer Geiß in Ruhe anschauten, und die bei einer wirklich konstruktiven Diskussion bei der der eine dem anderen auch tatsächlich zuhört, innerhalb von zwei Minuten erledigt gewesen wären. Das ist heutzutage schon um Welten besser geworden, vielleicht ist das ja auch die Weisheit des Alters, möglich wäre das schon, obwohl....Satz zu ende!

Am Anfang war es ja eigentlich noch ganz locker, der Wick mühte sich redlich seine Parts einzustudieren, und musste dann aber zu seinem Entsetzen feststellen, das Michi´s riffs und Läufe doch etwas anspruchsvoller waren, als er sich das anfangs vorgestellt hatte. Von den Solos ganz zu schweigen. Und schön langsam fing der gute Erik dann doch an ein bissen Zickig zu werden, wenn es einfach nicht klappen wollte: „ konn I do net was anders Spuin, des gfallt ma a so net“ meine Antwort: „Naa! des gheart so und des bleibt wia´s is basta! Und dann kamen noch so glorreiche Ideen wie: „de Band braucht doch jetz wo i dabei bin an andarn Nama do bast doch Phantom Lord nimma“ worauf von mir nur ein lapidares „I glaab das dia da Huad brennt?“ als Antwort kam. Irgendwann kam er dann offensichtlich zu dem Schluss das er nicht mehr mit uns Weiterspielen wollte, denn eines Tages nahm er seinen Verstärker mit der Begründung, das er zuhause seinen Sound einstellen müsse mit nach Hause, und ward seitdem im Übungsraum nicht mehr gesehen.

Einerseits eigentlich schade, das es so sang und klanglos auseinander ging, andererseits war der gute Wick aber dann doch ein bisschen Anstrengend bei der Zusammenarbeit in einer Band. So gern ich ihn als Kumpel mag, aber wenn ich einem nicht sagen kann wenn er mal was falsch macht, oder anders machen soll, ohne das er gleich wie ein HB Männchen an die Decke geht oder total beleidigt ist, dann nervt das dann doch mit der Zeit. Wenn ich jemand Kritisiere, dann nur als konstuktiven Vorschlag der die Gesamtperformance der Band verbessern soll, und nicht weil ich mich wichtig machen will, und dann habe ich mir den Einwand lang und sorgfältig überlegt, da kann es schon mal vorkommen, dass wir einen Part schon 10 mal gespielt haben, bis ich mir wirklich sicher bin das das so nicht passt. Und dann verlange ich von meinem Gegenüber, das er zumindest den neuen Vorschlag Probiert, bevor er sich zu einem 2 Stündigen Streitgespräch genötigt sieht, während das simple ausprobieren des Vorschlags höchstens 10 Minuten in Anspruch genommen hätte. Das ist etwas wo ich dann Sauer werde, und zwar so Sauer, das das mit ein bisschen Zickigkeit nichts mehr zu tun hat. Bei mir dauert das zwar lange, aber wenn ich anfange laut zu werden bin ich meistens schon kurz vorm Kochen, und dann muss derjenige feststellen das mein Wortschatz beim Dumm daher reden fast unerschöpflich ist. Denn die ewige Frage wer denn jetzt recht hat macht das bauen von Songs dann wirklich zu einem sehr ermüdenden Prozess. Mir persönlich ist es Scheißegal wer recht hat oder kriegt, Hauptsache das Endprodukt, also das Lied hört sich gut an! Darum, und nur darum sollte es in einer Band gehen. Alles andere ist nur füttern des Egos auf kosten der Band.

Also wieder mal einen Gitarristen verschlissen! In Sachen Bandmitglieder haben wir doch einen ganz schönen Verbrauch, das muss man uns schon lassen.

Dann Jammten wir halt mal wieder zu zweit ein bisschen rum, und die Gitarristensuche musste von neuem beginnen.Eines schönen Tages, es war mal wieder Wiesenzeit ging ich mit meiner Gattin ins Flözingerzelt zwecks Pressbetankung mit Märzenbier. Gaoßnmass währe mir zwar lieber gewesen, die gibt’s auf der Wiesn aber leider nicht. Das Gute daran war, dass ihre Firma Tische reserviert hatte, da entfiel die lästige Suche nach einem Platz.

Das ist auch so etwas über das ich mich furchtbar aufregen muss, und zwar jedes Jahr wieder. Alle, wirklich alle Tische in den Bierzelten sind reserviert, man hat als Normalmensch fast gar keine chance mal schnell auf eine Mass in ein Zelt zu gehen, denn obwohl oft das halbe Zelt leer ist und an jedem Biertisch nur drei oder vier gestalten sitzen, glaubst du du würdest einen Platz kriegen? Null nada niente! Und ohne Sitzplatz bekommst man auch kein Bier. Auch wenn man Biermarken hat, also sein Bier quasi schon bezahlt hat wird, die Aushändigung der bezahlten Ware verweigert! Das währe doch mal was für einen findigen Juristen, denn streng gesehen ist die Nichtaushändigung von bereits bezahltem Gut ja eigentlich nichts anderes als Diebstahl, oder zumindest Betrug!

Also pflanzten wir uns an den Tisch an dem schon Evi's Arbeitskollegen fröhlich eine Mass nach der anderen in sich rein kippten, und ich beeilte mich so schnell wie möglich den Anschluss zu kriegen um im Vergleich mit den anderen nicht Unterbier zu haben. Neben mir hockte ein ziemlich langer, damals auch noch, zumindest in meinen Augen dürrer Jüngling und stellte mir die berühmte Frage:“ Is des da dei Schwester? Ich antwortete belustigt: Spinnst du? Des is mei Oide i bin da Winny und Prost. Er stellte sich als Holli vor, und so kamen wir dann damals ins Gespräch über Musik und so weiter, und wie nervig die Blechmusi auf dem Podest ist und wie lustig es währe da jetzt mit ein paar Gitarrenverstärkern mal richtig durchzublasen, so das es das ganze Friedhofsgemüse das in dem Zelt herumlungerte und vor sich hin verweste nach draußen getrieben hätte und wieder Platz für ein paar anständige Leute gewesen währe, an denen die Brauerei auch was verdient hätte. Und irgendwie kamen wir dann darauf, dass er auch Gitarre spielte, worauf ich entgegnete, das trifft sich gut, ich bin gerade auf der Suche nach einem Gitarristen für meine Band, vielleicht schaust´mal vorbei und spielst was vor, dann schau ma mal ob ma zammabassn.

Dann kam noch irgend so ein Kasperkopf, der offensichtlich kein Bier vertrug, und schon an den Nebentischen unangenehm aufgefallen war an unseren Tisch und fing an herumzukrakeelen und Stunk anzufangen. Der Typ war so um die Fünfzig,und so ein richtiger Wichtigtuer, der sich mit ein paar Bier intus offensichtlich für Hulk Hogan persönlich hielt, und einem jeden gleich Schläge androhte.

Ich ignorierte in anfangs weil mich solche Typen grundsätzlich langweilen, und ich von dem ganzen Schlägerkram nicht allzuviel halte, aber dann fing er an den neben mit sitzenden Holli blöd anzumachen, von wegen er hätte ihm Bier drübergeschüttet, und gleich setzts was und so weiter. Mir wurde es jetzt dann doch langsam zu bunt, und ich Blaffte ihn an das er sich jetzt dann langsam verpissen und mit seiner herumstresserei aufhören soll, sonst kann er es ja gerne mal mit mir probieren.

Dann machte er einen ganz ganz großen Fehler, er fasste mir mit der Hand ins Gesicht, ich weiss nicht, hätte das eine Ohrfeige sein sollen oder wollte er mich nur weg schieben, aber das war dann doch zu viel! Niemand schlägt oder fasst mir bei einem Streit ungestraft ins Gesicht! Der Typ war zwar gut 10 bis 15 Kilo schwerer als ich, aber das war nur Fett und wenn nicht wäre es mir auch egal gewesen. Wie von der Tarantel gestochen sprang ich auf , umrundete die Tischreihen im Laufschritt, und spurtete vor Wut kochend auf ihn zu, und bevor er überhaupt registrierte was mit ihm geschah, bekam er schon aus vollem Lauf meinen Ellbogen in die Fresse, und als er zusammensackte gleich noch drei, vier kurze linke Haken aufs Maul, die zwar nicht viel Wirkung haben wenn sie nur aus der Schulter geschlagen werden, aber dafür extrem Schmerzhaft sind. Der Ganze Angriff hat nur zwei Sekunden gedauert, dann war er schon wieder vorbei. Ich zog ihn an der Gurgel hoch und grunzte ihn mit der Tiefsten, Bösesten Satansstimme zu der ich fähig bin an: das war jetzt noch nicht einmal halbe Kraft, und wenn ich deine blöde Fresse heute noch einmal sehe, dann kannst du gerne herausfinden wozu ich wirklich fähig bin.

Regel Nummer eins in solchen Situationen: Taktische Abschreckung! Der war für den Abend, und noch lange Zeit danach geheilt von seiner Streitsucherei! Ich bin nun wirklich kein Schlägertyp, aber auch nicht so naiv um nicht zu wissen das der friedlichste Mensch nicht in Ruhe leben kann wenn es Leute gibt denen nach dem Fünften Bier das Fell juckt. Und auf diese Eventualität sollte man dann doch vorbereitet sein, wenn man plötzlich vor der Situation steht sich, seine Familie, oder Freunde verteidigen zu müssen.
Nun das Problem war beseitigt, mein Zorn verraucht, und der Typ entschuldigte sich dann noch tausendmal, nachdem mein freundliches anklopfen an seinem Schädel offensichtlich seine Gehirnzellen reaktiviert hatte, und der Abend versprach noch sehr lustig und feucht zu werden.

Nachdem es dann langsam auf Elf Uhr Abends zu ging und die Bedienung mit dem herbeischaffen der Getränke auch nicht mehr nachkam, beschlossen wir ins Brooklin überzuwechseln um bei anständiger Musik erst mal eine schöne kalte Goaßnmaß zu trinken. Der Holli kannte die Kneipe noch gar nicht, und wurde kurzerhand mitgeschleift, da fragten wir gar nicht erst ob er wollte oder nicht. Also fielen wir Frohgemut in die Kneipe ein und der Sound der dort gespielt wurde gefiel dem Holli offensichtlich! Und nachdem wir noch etliche Geiseleinteile in unsere Figur gestellt hatten, und viele lustige Lieder mitgegröhlt hatten und es langsam Zeit wurde uns zu verpinkeln, weil wir sonst unseren Bus nach Hause nicht mehr erwischen würden, kam ich auf die glorreiche Idee das der Holli doch einfach mit uns mitfahren sollte weil unser Pegel bei weitem noch nicht erreicht war, und ich überhaupt keine Lust hatte den lustigen Abend so früh schon zu beenden. Und Material zum Goaßnmischen hatte ich zur genüge daheim, daran sollte es nicht scheitern.

Nach einer lustigen Busfahrt mit viel Gesinge oder besser gesagt gegröhle, kamen wir dann endlich in Vogtareuth an, und das war auch gut so, denn nach der ganzen Latscherei durch die Stadt zum Busbahnhof und die ewig lange Fahrt über grenzwertig schlechte Landstraßen war unser Alkoholpegel schon fast gesundheitsgefährdend tief gesunken und verlangte dringendst nach Wiederauffüllung.

Nachdem wir den Scheiß Berg, der mich jedes mal Tierisch annervt wenn ich mich angesoffen hochquälen muss hinter uns gebracht hatten, und nach der ganzen Hatscherei durch ganz Rosenheim, also von der Lorettowiese zum Brooklin, und später vom Brooklin wieder zurück in die Heilig-Geiststraße zum Bus, war mein bedarf an Fortbewegung per pedes für diesen Tag wirklich gedeckt, war ich dann wirklich froh als ich endlich in meinem Keller im Proberaum saß, mit einer schönen kalten Goaßnmaß vor mir und wusste, das einzige was ich heute noch laufe ist zum Pisspott und zurück zum Stuhl.

Dann warf ich erst mal meinen Gitarrenverstärker an, und wir klampften erst mal so vor uns hin. Der Holli spielte dann ein paar Sachen von Metallica nach und das Ganze gefiel mir ziemlich gut. Es gefiel mir so gut, dass ich ihn gleich einstellte und wir diese Tatsache auch gleich kräftig begießen mussten.

Was passiert, wenn ich jemand unbedarften mit in unseren Übungskeller nehme? Genau. Alkoholische Exzesse. Holli und ich waren breit wie die Nattern, nachdem ungefähr fünf überladene LKWs drübergemalgelt sind. Wir grölten natürlich das komplette Repertoire von Blind Guardian. Manowar. Slayer, Metallica und weiß der Teufel, was sonst noch. Egal. Holli war damals noch richtig jung. Ein richtig braves Bürschlein. Kurze Haare, keine Rhombe (so wie heute), geschliffene Aschenbecher vor der Murmel und ein kleines, dünnes Amish-Bärtchen unter dem Kinn. Damals war ich ja auch noch Bartlos. Nachdem ich mir das mit diesem Abnehmen irgendwann mal abgeschminkt hatte, dachte ich mit, ja, so ein Kinnbart verdeckt ja auch meine drei Doppelkinne. Wie sagte Michi immer? „Du hast da was am Kinn. Nein, das andere!“ Irgendwann, nachdem wir zum Spielen von Metal noch zu besoffen waren, stiegen wir dann auf die Hans-Söllner-Schiene um. Das ist wesentlich einfacher zu spielen und viel einfacher zu merken. Und so gaben wir den Rasenmäher zum Besten, und sinnierte, welche hallizugene Pflanzen der Pappa womöglich im Garten angebaut haben könnte.

Nachdem irgendwann mal das Hirn alle war, kam ich auf die lustige Idee, wir könnten doch oben meine Gattin aufwecken, welche auch unglaublich begeistert davon war. („Lasst's ma mei Ruah, es bsuffana Wagscheidl. I mecht schlaffa.“) Dann kam ich auf die glorreiche Idee, dass mir ja der Toml eine Lava-Lava-CD gebrannt hatte und uns Holli kannte das tatsächlich noch nicht. Jetzt muss man sich ein mal vorstellen: Wenn jemand, der vollkommen komplett besoffen ist und selbst den sinnlosesten Scheiß schon lustig findet, sich das erste Mal die Nikolaus-Folge von Lava-Lava ansieht, dass dann ein absolut infernalisches brüllendes Gelächter um ca. vier Uhr dreißig morgens durch meine Wohnung schallte, welches meine durch die ganze Aktion schon etwas angefressene Gattin natürlich aus dem Bett katapultierte. und sie mit verkniffenen, vom Schlaf zugeklebten Augen plötzlich vor uns stand (siehe: Die Erscheinung) und uns höflich fragte, ob es denn nicht möglich wäre, den Scheiß-Lärmpegel unter 100 Dezibel zu halten. (Oder was Frauen in dieser Situation zu sagen pflegen. Ich weiß es nicht mehr, denn ich war ja besoffen.) Wir zogen dann natürlich noch alle Folgen durch, die auf der CD waren, und vor lauter Lachen war der Würfelhusten nicht mehr fern.

Den Schlaf haben wir in dieser Nacht komplett ausgeklammert und der ganze Spaß ging bis Acht Uhr morgens, bis meine Frau der Meinung war, dass wir eigentlich, wenn wir schon nicht schlafen, auch mal Frühstück holen könnten. Ich machte uns dann erstmal ein richtig schönes Bauernfrühstück: Man nehme 300 Gramm Wammerl, 300 Gramm weißen Speck, am besten den guten geräucherten vom Buffler, der auch nach was schmeckt. Dann schneide man zwei Zwiebeln in handliche Stücke, zwei Tomaten, eine rote Paprika, vier mittelgroße Essiggurken (kleingeschnippelt), genügend Salz, frisch geschroteten Pfeffer (denn der gemahlene ist wirklich nur Niespulver), eine schöne Knolle chinesischen Knoblauch (oder wenn das Schälen nicht zu blöd ist auch Normalen, dann reichen 5-6 Zehen) und pro Person 5-8 Eier, je nach Gusto. Die Eier sollte man, bevor man sie in die Pfanne zu dem gut angerösteten Kram gibt, erstmal in einer Schüssel gut durchquirlen und etwas Luft reinschlagen (so wie wenn man ein schönes Omelett bereiten würde.) Dann gibt man das Ganze in die Pfanne, lässe es schön durchbraten, und dann hat man ein Frühstück, dass einen Toten aus dem Sarg scheuchen würde. Zirka 10.000 Kalorien später strichen wir uns über unsere gut gefüllten Bäuche und bemerkten unsere momentane Verfassung („Mann, sind wir noch breit“)

Dass wir uns am nächsten Tag noch dran erinnern konnte, war eh ein Wunder. Egal, seitdem war Holli bei Phantom Lord, und so spielten wir seitdem jeden Donnerstag im Übungsraum, bimsten Holli unsere alten Nummern in seinen Schädel und schrieben die einen oder andere neue Nummer, und Coverversionen (Nyarlathotep, Run Runaway, Fata Morgana). Das Ganze ging eigentlich ganz gut, nur leider fehlte der Bassist doch arg.

Im September 2001 klingelte plötzlich das Telefon: Der lang vermisste Toml war am Apparat. Der Job in Regensburg war zu Ende und er sagte, dass er ab Oktober wieder in München arbeiten würde. Ich meinte, er solle doch schleunigst seinen Arsch rüber schwingen, denn wir hatten uns ja fast drei Jahre nicht mehr wirklich oft gesehen. Der Typ hing halt dauernd bei den Bauern in der Oberpfalz rum und ärgerte dort kräftig seine Studenten. Nebenbei hatte er sich dort noch eine neue Alte angelacht, die allem Anschein nach so gut kochte, dass er ungefähr 50 Kilo schwerer war, als vor seiner Pause. Außerdem war er immer noch kurzhaarig. Egal, er war wieder da und wir waren fast komplett. Nur der Michi fehlte noch.

Den rief ich kurze Zeit später mal an und erzählte ihm, das wir jetzt wieder regelmäßig proben, und der Wolfi und der Toml seien auch wieder an Bord. Das fand er ziemlich interessant und kam immer öfter beim Proben vorbei, um dem Holli dabei zuzusehen, wie er seine Solos nachspielte. Irgendwann kam dann der legendäre Spruch: „I hob zwoa Dachfenster zum Einbauen. Wennst mir die einbaust, spui i wieder mit.“ Jaja. Man merkte ihm jeden Donnerstag an, wie sehr es ihm in den Fingern juckte, seine Solos wieder selbst zu spielen und auch sonst ordentlichen Lärm, zu machen. Immer öfter nahm er dann selber die Klampfe in die Hand, um dem Holli irgendwelche Sachen zu … zeigen... Nach zwei Monaten war es dann endlich soweit. Nachdem er immer öfter wie die Katze um den heißen Brei herumschlich, holte er irgendwann seine Boxen aus dem Keller, rüstete noch mächtig auf und war wieder festes Mitglied bei Phantom Lord.

Es konnte also wieder losgehen, nur diesmal noch lauter, denn durch den Einstieg von Holli und den Re-Entry von Michi waren wir plötzlich drei Gitarristen.

 

Bild von Holli

 
Zuerst einmal: Schön geschrieben das Ganze.... liest sich wie Du erzählst: Ohne Punkt und Komma , hihi! Aber mit vielen "H's" wo keine hinsollen ; )
Und, ja, du hast richtig gedacht, eigentlich wollt ich meinen Einstieg zu Band in einem Extra-Jahr behandeln, hoffte dabei nur auf Unterstützung weil, wie du ja selbst festgestellt hast, der Abend/Nacht/Morgen was auch immer mehr nass als feuchtfröhlich war!!!
Bin mim lesen der Enzyklopedia garnicht mehr mitgekommen.... da sitzt ja schon 2 Std. vorm Rechner nur zum LESEN(!!!!) und hast noch nicht mal ne Schüssel unterm Hintern (ja ich lese gern auf dem Klo - UND??! Falls jetz blöde Bemerkungen kommen: Genau, richtig, das ist der Grund warum mein Arsch so groß ist!!!! Haha, Vorteil!)
Das Ganze soll ja schließlich chronologisch verfasst sein und da fand ich's blöd meine Story VOR die anderen Ereignisse zu setzen! Liest sich ja doof und ausserdem war's spannend zu verfolgen und zu lesen!!!! Das eine oder andere hätt ich gern miterlebt aber war halt irgendwie ned möglich... wie kommt's??!
Egal, hier ein paar Anekdoten zu besagtem Abend (lückenhaft und ausbaufähig ich weiß, Verzeihung... ich arbeite dran) :
 
Es war damals schon abzusehen welche leberschädlichen Wege meine Wenigkeit einzuschlagen versuchte... Von wegen den Kragen nicht voll kriegen wollten wir ja unbedingt noch furt geh und da kam dir die gloreiche Idee: Brooklyn!!! Nein, kannte ich wirklich NOCH nicht, war aber soundtechnisch voll mein Wetter und weil man durch den Fußmarsch (von wegen Frischluft) doch den bösen bösen Alkohol spürte und man sich darüber aufregte dass die Bedienung mal wieder nen Rausch in's Bier gemischt hat, bestellte ich mir erst mal ein Pils. Ich hasse Pils... zumindest das "gute" vom Auer... Winny kennt das wenn einem nach dem ersten Schluck das Wasser im Mund zamläuft.... aber bestimmt ned weil's sooooo gut war!!!!! *würg*
Um mir, meinem Magen UND meiner Leber etwas Gutes zu tun hielt mir Winny nun besagte und hochgelobte Goaßnmaß hin.... Staun Glotz wos is denn des??? Maßkrug.... Dunkle Flüssigkeit.... probier.... test test eins zwei eins zwei....  AUCH  HABEN WILL !! ! ! ! !!
 
Lang simmer aber nimmer im Brooklyn gesessen (glaub ich... genau weiß ich's nicht mehr... kann auch sein dass ich nach dem Pils"genuß" doch die Toilette aufsuchen musste aber kotzen war nicht... ODER??!) auf alle Fälle musstet ihr den Bus erwischen und da ich nix besseres zu tun hatte und du sowieso noch jemanden zum gröhlen saufen und Blödsinn-labern brauchtest bin ich halt einfach mit!!! Man gönnt sich ja sonst nix!!! Ich glaub ich kann mich noch an einen etwas entsetzten/genervten aber trotzdem belustigten Gesichtsausdruck deiner werten Gattin erinnern.... Ich glaub DAS hätt's ma ned zuadraut  hähähä jaja der "brave" Holli.... Vielleicht sollte man dazusagen dass ich seinerzeit als Oberministrant der Pfarrei St. Nikolaus "tätig" war (ja, "tätig" weil tun hat man nicht viel gebraucht ausser in die Kirche zu gehen und lustige, in der Regel Metallisch untermalte Gruppenstunden/Sommerfahrten oder Hüttenwochenenden) zu organisierenund manchmal lief nach dem Gottesdienst Metallica über die Kirchenboxen.... Hell yeah!!!!!!! Allein für den ganzen Scheiß bräucht ich 2 Seiten (und da sind lustige Sachen dabei - hat nur leider ned allzu viel mit der Band zu tun....obwohl ich immer noch Ministrant war als ich schon bei Phantom Lord mitspielte....).
 
Also Winny, alles Weitere könnt ich selbst schreiben... oder mach ma doch ein Extra Kapitel "Holli" auf? Könnt dir  sonst auch mal schreiben was mir so einfällt und Du baust es um/ein was auch immer!!!
Kann dich auch nachträglich verbessern aber wenn dann da 12zig Kommentare stehn, dass das ja nicht so gewesen war und überhaupt wurde gar kein Alkohol konsumiert (jaja, ganz bestimmt) quatschen wir einfach am Freitag darüber!!!
 
Im Zweifelsfall: Meine Nummer hast ja.....

Bild von Winny

Ich bin gerade dabei mir den Ganzen Kram noch mal durchzulesen, damit ich weiß, wie ich mit meinem nächsten Beitrag anfangen soll, und bin wieder über deinen Kommentar gestolpert. Am besten käme es, wenn du deinen Einstieg noch mal aus deiner Sicht erzählst, das schadet überhaupt nicht, und ist sicher ganz Lustig. Da kannst du auch ruhig ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern, was du vorher so alles getrieben hast und auch deine Ministrantenausflüge könnten ein paar lustige Geschichtelein darstellen, nur her damit, ich brauch was zum Lesen!

Stay Schreibenanfanging

Bild von Holli

Ich bin dran, da kommt definitiv genug zum lesen.... nur erstmal die eigene "Festplatte" defragmentieren wenn du verstehst was ich meine....! Chronologische Ordnung wär schon nicht schlecht und irgendeinen Schmarrn möcht ich auch nicht schreiben, nur dass was drin steht!
 
Man sieht sich (vielleicht wenn die sch§)$("!/ Schulung nicht allzu lange dauert, wie kann man sowas nur am Freitag planen.... da steht das Programm doch schon im Namen fest: FREItag....) auf alle Fälle am Freitag!
 
Stay brainstormin'

Bild von Winny

Nach de Raechtschreipfählern such ich dann mal wenn ich fertich bin. Ich schreibe den ganzen Kram ja im Open Office, und das Rechtschreibprogramm welches das Teil drin hat ist ja wohl das anpissen nicht wert. Doch mal etwas das Microsoft besser kann.

In der Zwischenzeit hab ich schon weitergeschrieben und das will ich jetzt auch nicht mehr Löschen, aber du könntest morgen nach der Arbeit einfach mal bei mir vorbeisteuern dann machen wir das halt gemeinsam fertig, währe auch ne Moglichkeit, oder?

Und Lesen weden die meisten auf dem Klo, vor allem die, die schon Kinder zuhause haben, weil das der einzige Ort ist wo man in Ruhe ein gutes Buch genießen kann, denn woanders ist es vollkommen Illusiorisch mal für 5 Minuten die Nase zwischen die Seiten zu stecken ohne das sofort jemand ankommt, und irgendetwas von einem will.

Stay weiterschreibing

Bild von Winny

Hi Jungs

Ich hätte da noch ein paar fragen:

In welchem Jahr war das Open AIr vorm Blackout?

Wann ist der Wolfi wieder eingestiegen?

Wann ist der Wick dazugekommen?

Wann ist er wieder gegangen?

In welchem Jahr ist der Holli eingestiegen?

in welchem Jahr ist der Michi wieder eingestiegen? oder möchtest du das selbst schreiben?

Wenn Jemand was einfällt, oder was falsch ist, denn alles weiß ich auch nicht mehr so genau,  bitte Kommentar reinschreiben, ich bau es dann ein!

Gruß Winny

Bild von Michi

Servus Winny,
wieso schreibest du am Montag Morgen um 04:00Uhr nen Beitrag,
hast du Urlaub oder was?
der Blackout-Gig war am 17.07.1999
Wann Wolfi wieder eingestiegen ist, weiß ich leider nicht, da war ich nicht dabei.
Beim Wick iset dat selbe.
Holli ist eingestiegen im September 2002. (Wiesnzeit)
Ich und Toml sind im Februar 2003 wieder eingestiegen.
Hoffe, ich konnt ein bischen helfen.
 
Stay Braindead

Bild von Holli



...sach ma.... war des ned eher??!! Ich hätt schwören könne dass das eher gewesen is und ihr dann (dem entsprechend) später wieder dazu gekommen seid!
Kann mich auch täuschen... mal Muttern fragen die schreibt sich für gewöhnlich so nen Schund auf ("wer weiß für was gut is")....
 
Stay searchin'

Bild von Toml

Hi Høllivå,

ich geb Dir recht. Meine Rechnung ist so: Ich bin 1998 nach Regensburg gegangen. Im Sommer 2001 war ich aber wieder in München und konnte wieder zum Proben fahren, ohne zuvor zweieinhalb Stunden im Auto zu sitzen (Die Regensburger Stelle war ja auf 4 Jahre befristet). Ich sollte also spätestens 2002 wieder bei Phantom Lord eingestiegen sein, da warst Du ja schon ein halbes Jahr an Bord. Michi kam kurz danach mal zum Proben und wollte auch wieder.

Stay brainfiltering,

Toml

Bild von Winny

Ja, isch hab frei, aber nur heute, dafür hab ich am Samstag gearbeitet.

Das hilft mir weiter, ich bau die details gleich ein, Danke!

Es ist schon unglaublich, was man alles vergisst und sich dann mühsam wieder aus den Gehirnwindungen saugen muss. Ich habe eigentlich schon Gestern nachts um 11 angefangen, weil in der Glotze wieder mal gar nichts da war außer Schwachsinn, aber das Nachdenken, wie das denn damals gewesen sein könnte hat ein bisschen länger gedauert als ich dachte. Ehe ich mich versah, war es schon 4 Uhr in der früh.

Stay weiterschreibing!

Bild von Toml

Winny, wennst magst, ergänzen wir den Teil am Freitag, ein paar Details hab ich auch noch, aber es lohnt sich sigentlich nicht, dass ich deswegen ein eigenes Kapitel schreibe. Grad die Gschicht mit dem Wolfi (richtig: Scheißaktion) weiß ich noch ein wenig genauer, aber grundsätzlich verhält es sich schon so, wie Du schreibst: Wir waren alle ziemlich angepisst, weil nix vorwärts ging. Auf die Idee mit dem Great kam übrigens damals der Michi.

Bild von Wolfi

Ich kann´s nur sagen wie es aus meiner Sicht war, die wahren Hintergründe hab ich ja nie erfahren.
Michi sagte: Wolfi wir wollen uns musikalisch verändern und  suchen einen neuen Schlagzeuger. Worauf ich fragte in welche Richtung?
Die Antwort war : Das wissen wir noch nicht, aber es gefällt dir eh nicht.
Stur (wie ein Esel, Winni hats ja schon beschrieben) reichte mir diese präzise und aufschlußreiche Antwort und ich räumte das Feld.
 
Hab damals sogar vor lauter Wut meinen Namen aus der Getränkeliste mit einer Schere rausgeschnitten.
Damals war ich stocksauer, weil ich ( da muss ich Winny wiedersprechen) bei dem Open Air im Blackout nüchtern mit zwei Bier war und wohl als einziger (Toml hört man ja nicht so raus) meine Sache gut gemacht hatte und den Gig ohne nennenswerter Verspieler durchgezogen habe.
 
Kann mich aber noch an Michi erinnern, der sich bei Phantom Lord im langsamen Teil so verspielt hatte, das er im Stück voller Wut über alle Gitarrensaiten geschlagen hat.
 
Dann hat wohl die Freude an der Musik bei Euch ein bischen nachgelassen. Und frei nach dem Motto : warum selbst einen Arschtritt verpassen, wenn es bei einem anderen nicht so weh tut !
 
Somit war ich der Schuldige am schlechten Bootsgefühl äh öh - ich meinte Musikgefühl ( wer hätte es im nachhinein auch anderes sein sollen, Winni etwa?) Und dann stand der Weg  für "the Lackiermeister Great " frei.
 
Hab damals auch gesagt, ich hätte nach der langen Zeit in der Band wenigstens einen Grund dafür verdient, aber auf das warum standen da nur drei Männer wie Tele Tubbies vor der Quantenphysikabschlußprüfung.
 
Glaube man wollte damals einfach was ändern weil es Euch keine Lust mehr gemacht hatte.
 
Na ja, vielleicht fällt uns ja am Freitag noch mehr dazu ein
 
Stay clean in your Nose or create a President with a deep  Bugger