1992 - Super Rock Mannheim


By Winny - Posted on 26 Dezember 2008

Eine Geschichte die auch der Erwähnung wert ist, obwohl sie mit Phantom Lord an sich nicht so viel zu tun hat, (nein wir haben dort nicht gespielt, da hatten wir den Arsch noch zu weit unten) war unser Gemeinsamer Besuch auf dem Super Rock Festival in Mannheim. Mit Bands wie: Slayer, Testament, Helloween Black Sabbath, Headliner Iron Maiden, ich glaube noch W.A.S.P. und anderen, die ich Heute nicht mehr weiß.

Wir trafen uns also Freitagmittag beim Michi zuhause, wir, das waren: Michi, Toml, Zwei Arbeitskollegen vom Michi, und ich natürlich. Den Rest der Truppe würden wir auf dem Konzert treffen, da fast alle Mitglieder der Metallischen Gemeinde Rosenheims auf dieses Festival hochgefahren sind. Gut gelaunt und voller Vorfreude, und noch mehr Durst packten wir unser Gerümpel in meinen Kleinen Toyota Corolla GT und fuhren erst mal ins Interspar zum Getränkevorrat Bunkern. Und so füllten wir alle zwischen und Hohlräume die wir zwischen dem Gepäck und im Fahrzeuginneren noch finden konnten mit Trinkbarem auf. Das waren beim Michi und mir eine Palette Jim Beam - Cola Dosen von denen wir dachten, sie würden für die Fahrt nach Mannheim, für die ich ausgehend von meinem Fahrstil und der Motorisierung meiner Karre, ca. 4-5 Stunden geplant hatte, für zwei Mann leicht reichen. Mit Zichten waren wir auch ausreichend versorgt, dann Tankten wir noch voll, Denn dort war auch die Billigste Tankstelle Rosenheims, und schon pesten wir los in Richtung Autobahn.

Mit der Blitzerei war es Damals auf der A8 bei weitem noch nicht so schlimm wie Heute, und die meisten der heutigen Geschwindigkeitsbegrenzungen gab es auch noch nicht, und wenn dann währen sie mir auch ziemlich schnuppe gewesen, also gab ich Stoff was die Kiste hergab. Meist wurde mein zugegeben etwas Rüder Fahrstil von meinen Mitfahrern nicht besonders geschätzt, aber auf der Autobahn störte es offenbar keinen der Insassen. Und so kamen wir eigentlich recht flott mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von gut um die 200 kmh vorwärts. Das Problem war nur der Sprit. Nein, nicht der fürs Auto sondern der für uns. Trotz recht ordentlicher Reisegeschwindigkeit schrumpfte unser Dosenvorrat beängstigend schnell. Als wir München passierten war die Menge an Jimmy- Cola schon um die Hälfte dezimiert. Aber bei der guten Laune, strahlender Sommersonne, der Beschallung mit Amtlichen Sound verbunden mit lautstarken mitgrölen, wurde der Durst natürlich nicht geringer. Bis Nürnberg reichte der Dosenvorrat, dann war auch schon ende mit Jimmi - Cola. Also steuerten wir eine Tanke an um uns mit weiteren Vorräten zu versorgen, und machten erst mal Fahrertausch. Währe ja auch Blödsinn gewesen, mit 12 Dosen Whiskey-Cola im Gesicht weiterzufahren, während der Toml fast noch stocknüchtern war. Zumindest im Gegensatz zu uns. Nicht das ich von der für mich geringfügigen menge schon prall gewesen währe, damals war ich ja wirklich geeicht, aber in eine Alkoholkontrolle hätte ich nicht mehr geraten dürfen. Unsere Grünen Freunde und Fallensteller haben da eine etwas andere Auffassung über Alkohol am Steuer als ich.

Frohgelaunt und mit frischem Gehirn-EX versorgt, fuhren wir wieder weiter in Richtung Mannheim. Bis so ca. 20 Kilometer vor erreichen des Festivalgeländes ging es eigentlich flott und Staufrei dahin, so dass wir innerhalb kürzester Zeit schon kurz vor Mannheim waren. Aber dann: Megastau! Eingekeilt zwischen Tausenden von Langhaarigen Metal-Fans waren viele Urlauber mit Wohnwagen, und dem Auto voller Kinder, die Ängstlich zusammengeduckt und mit hochgekurbelten Scheiben und verriegelten Türen das ausgelassene Treiben der Leder und Nietenbewehrten , in ihren Augen gemeingefährlichen, Satansanbetenden, und Haustierschlachtenden Metalgemeinde verfolgten, und sich in ihren Autos bei über 30 Grad im Schatten mit Sicherheit einen Hitzschlag holten, weil zu der Zeit die wenigsten Autos schon eine Klimaanlage hatten.

Wir ließen das Auto einfach mit heruntergekurbelten Fenstern, offenen Türen und auf Anschlag aufgedrehten Autoradio stehen, wie alle anderen Metaler auch, und liefen mit einer Halbe Bier in der Hand (der Jim Beam Cola war nun endgültig alle) einfach mal so in der Gegend herum und schauten, was so geboten war. Polizei war auch Überreichlich vorhanden, griff in das Lustige Treiben aber nicht ein, weil es sehr friedlich war, und es noch! zu keinerlei Sachbeschädigungen gekommen war. Einem Lustlos und heftig in seiner Dienstkleidung schwitzend herumstehenden Polizisten boten wir dann noch eine kalte Halbe Bier an die er dann nach einem kurzen Blick nach Links und Rechts, ob nicht irgendein Kollege zuschaute, gierig in drei Zügen leerte. Wenn es dann wirklich mal ein paar Meter weiterging, fuhr einfach irgendeiner, der gerade neben dem Auto stand die Karre ein stück vorwärts. Es war mit Abstand der Lustigste Stau, in den ich jemals geraten war. Tausende von gut gelaunten Metalheads verwandelten die Autobahn in eine einzige ausgelassene Party mit allem drum und dran. Manche hatten Soundanlagen von beeindruckender Leistung in ihren Karren verbaut, und so wurde die Autobahn schnell in einen Gigantischen Moshpit verwandelt. Und wer nicht gerade die Rübe schüttelte, stand mit einem Getränk in der Hand Arm in Arm mit irgendwelchen wildfremden Typen zwischen oder auf den Autos und Grölte Lauthals den Song mit der gerade in seiner Umgebung am Lautesten zu Hören war. Die Stimmung war jetzt schon kaum mehr steigerungsfähig, und dabei war es gerade erst mal 4 Uhr Nachmittag.

Irgendwann landete ich in einem VW Bus bei irgendwelchen Typen, die einen beeindruckenden Weinvorrat dabei hatten. Sofort starteten wir eine Weinprobe, sie hatten mehrere Sorten, die musste man natürlich durchtesten, die in ein wüstes Besäufnis ausartete. Ich glaube mich Erinnern zu können, das es Fränkische Weinbauern gewesen waren, die sich zuhause bei Papi einfach mal so ein paar verschiedene 50 Literfässer Wein in die Karre geladen hatten. Als es endlich mit der Fahrerei wieder vorwärts ging, mussten mich die anderen erst mal suchen, und der Toml fand mich glaube ich beim Kartenspielen und Weinsaufen in dem VW Bus sitzend.

Endlich angekommen suchten wir uns erst mal einen guten Park- und Lagerplatz, sichteten und sortierten unsere doch schon etwas geschrumpften Alkoholvorräte, Relaxten erst mal ein bisschen, und Verschafften uns dann bei einem kleinen Rundgang bei dem wir uns an der Frittenbude erst mal was zu Futtern zwischen die Kiemen schoben, einen Überblick über das Mannheimer Maimarktgelände, und kundschafteten erst mal alle Freß und Saufstände aus, wobei wir vor allem das zweitere einer genauen Begutachtung unterzogen, bis es dann langsam Dunkel wurde.

Dabei kamen wir auch auf die Abfahrt, die von der Autobahn aus direkt auf das Festivalgelände führte. Dort standen die ganze Abfahrt entlang, alle 4-5 Meter Stangen mit roten Schildern und einem Blinklicht darauf. Ausgelassen wie wir waren, nahmen wir eins dieser Teile einfach mit, und schleppten es über das Gelände. Nachdem wir einige Zeit mit dem stoisch vor sich hinblinkendem Ding auf der Schulter umhergelaufen waren, sahen wir auf einmal weitere Blinklichter, die sich auf dem Zeltplatz umherbewegten. Wir hatten offenbar einige Nachahmer gefunden. Immer mehr der Lichter tummelten sich fröhlich in der Menge, und offensichtlich hatte die Ausgelassene Meute mittlerweile schon die gesamte Autobahnauf- und Abfahrt geplündert. Also zogen wir mit unserem Blinklicht auf die nächste Fußgängerbrücke die über die Autobahn hinwegführte und schauten neugierig ob noch solche Leuchtbaken in den Abfahrten Standen. Sie waren tatsächlich alle weg! Wir lachten uns einen Ast. Sämtliche Blinklichter, die eigentlich die Einfahrten für das Gelände kennzeichnen sollten drehten nun ihre kreise auf dem Zeltplatz. Ein Anblick, der uns schon wieder die Lachtränen in die Augen trieb. Da ich von der ganzen Sauferei erst mal Pissen musste, dachte ich mir dass es vielleicht lustig sein könnte von der Brücke auf die Autobahn zu Strullen. Die anderen folgten sofort Feixend meinem Beispiel, und so bekamen die Autos, die relativ Zahlreich unter der Brücke durchfuhren eine schöne Gelbe Dusche verpasst, die uns zu solchen Gelächter veranlasste, dass, wenn wir nicht ohnehin schon beim Pinkeln gewesen währen, wir uns vor Lachen sicher die Unterbuxen vollgepullert hätten. Andere die genauso wie wir auf der Brücke rumlungerten, folgten sofort begeistert unserem Beispiel, und offensichtlich sprach sich diese Idee sehr schnell herum, so dass der Verkehr bald durch einen komplett geschlossenen Gelben Pissvorhang hindurch fuhr. Immer mehr Leute drängten sich auf der Brücke, um ihrem Harndrang auf diese Weise noch eine lustige Komponente zu verleihen. Vereinzelt vorbeifahrende Motorradfahrer dürften das durchqueren des so entstandnen Urinfalls glaube ich nicht so Lustig gefunden haben, zumindest deuteten unmissverständliche Handzeichen von ihnen darauf hin, dass sie dieser Art von Zweitkonservierung ihrer Lederkombi nicht sonderlich Aufgeschlossen gegenüberstanden. Überzeugt von der Tatsache, dass wir an dieser Stelle nicht mehr Schaden anrichten konnten, zumindest nicht ohne Kolateralschäden an der Gesundheit von Menschen, was wir dann doch vermeiden wollten, denn da hört der Spaß sofort auf, zogen wir von dannen, um uns einen neuen Unsinn auszudenken. Der Toml und ich sind schon schlimm, wenn es um das ersinnen von Blödsinn geht, aber mit dem Michi zusammen und genügend Alkohol zur Unterstützung der Kreativität, sind wir fast wie Drei der Vier Apokalyptischen Reiter die ausziehen um die Menschheit zu peinigen.

Wir gingen also von der Brücke herunter, um uns wieder mit Trinkbarem zu versorgen, da unsere Bierdosen langsam zur Neige gingen. Als der Michi oder der Toml, ich weiß nicht mehr wer, plötzlich fragte: "was bassiert eigentlich wenn ma des Liacht obischmeißt?" worauf wir Schulterzuckend das Teil den nächsten Abhang hinabwarfen, so dass sich das Ding in seine Einzelteile auflöste, und jemand lakonisch erklärte: "dann geht’s aus".
Worauf wir wieder in unserer Alkohollaune in Schallendes Gelächter ausbrachen.

Und so Tranken und Alberten wir noch einige Zeit weiter, und lernten noch viele Lustige Leute kennen, mit denen wir noch viele Lieder sangen, und viieeel Alkohol in verschiedensten Formen tranken, während wir vergebens in der Dunkelheit nach den anderen Rosenheimern suchten, bis wir dann doch irgendwann in unsere Schlafsäcke krochen um noch eine Mütze Schlaf zu bekommen, denn Schließlich wollten wir ja am nächsten Tag bei dem Konzert nicht komplett am Boden zerstört sein,

Am Morgen erwachte ich dann so ca. um 6.00 Uhr schlotternd vor Kälte, weil ich mich in der Nacht irgendwie aus meinem Schlafsack herausgestrampelt hatte, und so bei einer Temperatur von ca. 8c nur in der Unterhose im Taunassen Gras lag. Missmutig, und mit brummender Birne vom Durcheinandersaufen am Vortag, zog ich mir erst mal etwas an, und steckte mir dann meine obligatorische Morgenzigarette an. Scheißfehler! Ein Hustenanfall der sich gewaschen und wieder abgetrocknet hatte plagte mich schon nach meinem ersten Zug an der Zichte. Gesundes Hustenblut flog aus meinem von der Grölerei des Vortages schon geschundenem Rachen, und plötzlich war meine Stimme komplett weg. Ich konnte nur noch heiser krächzen und das mitsingen beim Konzert war ja dann wohl gelaufen. Man kann sich natürlich vorstellen, dass ich damit zur Hauptzielscheibe des Spottes an diesem Morgen wurde. Schon ein bisschen angefressen dachte ich mir, ich muss erst mal jemand anderen den Morgen versauen, damit ich mich wieder besser fühle. Als ich die anderen in meinem Auto friedlich schlummern sah, kam mir die lustige Idee, die anderen erst mal unsanft zu wecken. Schon deutlich besser gelaunt schob ich leise eine Dark Angel Kassette in das Autoradio, drehte das Teil voll auf, und schaltete dann vorsichtig, um ja keinen vorher zu wecken, die Zündung ein. Brüllender Lärm aus meinen doch einigermaßen brauchbaren Boxen erfüllte das Fahrzeuginnere, und die friedlich in Morpheus Armen schlummernden Kumpels fuhren wie von der Tarantel gestochen auf um unter lautem fluchen und lamentieren verzweifelt mit ihren vom Schlaf noch halb zugeklebten Augen nach dem Ausschaltknopf des Radios zu suchen. Schon wesentlich besser gelaunt wollte ich lauthals Lachen, was natürlich wieder in einem Hustenanfall endete, bei dem ich wohl ziemlich Blau anlief. So konnte ich die Beschimpfungen und vielzähligen Beleidigungen mit den mich meine Freunde belegten leider kaum hören, weil ich zu beschäftigt war verzweifelt nach Luft zu ringen, und nicht meine Lunge auszukotzen. Also waren jetzt alle Wach.

Als erstes kochten wir mit meiner Autokaffemaschine mal einen Kaffee, damit wir die Augen ein bisschen besser auf bekamen, und etwas Wärme in den Magen, denn so ein Morgen mitte August kann schon ziemlich kalt sein, vor allem wenn man Übernächtigt vom Vortag ist. Den Vormittag verbrachten wir dann erst mal mit Relaxen und in der Sonne liegen, um für den Tag wieder fit zu werden.

Nachdem wir uns mit irgendeiner Art von Mittagessen versorgt hatten, ging es dann auf das Festivalgelände, das allein von der Größe her ziemlich viel Latscherei verlangte. die Sonne grinste schon wieder breit vom Himmel und nach kürzester Zeit waren wir Schweißgebadet. Dieser Umstand verlangte schon bald Kühlung von innen, das heißt frisches Bier. Nachdem wir uns nach einem gefühlten Fußmarsch von 10 Kilometer, (in Wirklichkeit wahren es vielleicht 200 Meter) mit diesem versorgt hatten fing das Konzert dann auch endlich an. Ich glaube The Allmighty waren die ersten die an diesem Tag spielten. Endlich fanden wir den Rest unserer Rosenheimer Blase, einschließlich dem Daxei, der natürlich schon wieder voll wie ein Haus war, und kaum mehr auf den Beinen stehen konnte. Mit den worten: "weckts mi, wenn Testament schpuit" haute er sich auf der Wiese erst mal aufs Ohr. Wir pflanzten uns zu dem Haufen dazu und warteten darauf das die erste Band endlich zu Spielen aufhörte, weil wir auch endlich Testament hören wollten, und uns der etwas eigenwillige Stil von the Allmighty nicht sonderlich gefiel. Außerdem hatten sie einen Scheiß Sound, wofür sie zwar nichts konnten weil die erste Band fast immer total scheiße abgemischt wird.

Das ist auch etwas über das ich mich seit ich auf Konzerte gehe, und auch selbst in einer Band spiele, immer schon gewundert und geärgert habe. Es will mir nicht in den Kopf gehen dass ein Tontechniker der so was von Beruf aus jeden Tag macht, nach einem Stundenlangen Soundcheck, mit einer sündteueren Top Anlage die er Jeden Tag benützt, nicht in der Lage ist der ersten Band einen halbwegs vernünftigen Sound zu mischen. Ich meine, man kann es ja verstehen, wenn ein paar Spuren zu laut oder zu leise sind, oder ein paar Frequenzen nicht passen, weil sich mit Anwesenheit des Publikums die Klangcharakteristik des Raumes oder des Geländes ändert, aber das ist doch bei jedem Livekonzert genau das selbe, und dürfte von der Einstellung her eigentlich kein Problem mehr darstellen. Selbst wir, die wir keine Tontechniker sind, und auch ziemlich Auftrittsfaul und beileibe keine Profis sind, schaffen es mit unserem Gerödel nach einem kurzen Soundcheck einen passablen Sound in die Halle zu bringen. Darum ist es nicht nachvollziehbar, dass die paar Abweichungen nicht nach zwei oder drei Minuten angeglichen werden können, und der Opener in den meisten Fällen über den ganzen Auftritt hinweg einen beschissenen Sound hat. Das ist der Band, die sich schließlich mit Supportauftritten einen Namen machen will gegenüber nicht fair, weil der Normalfan nicht denkt die waren beschissen Abgemischt, sondern er sagt die Band war Scheiße, ungeachtet der Tatsache dass die Band vielleicht gut gespielt hat, und nur durch die Inkompetenz des Mischers ein unerträglicher Soundbrei aus den Boxen schallte. Und auch gegenüber dem Zahlenden Publikum, das heutzutage für ein Livekonzert von bekannteren Gruppen eine Schweinekohle auf den Tisch legen muss, ist es gelinde gesagt eine Unverschämtheit. Es soll ja Bands geben, die ihren Vorgruppen extra einen miesen Sound mischen lassen, um selbst besser dazustehen. Ich meine, wenn jemand so etwas nötig hat, dann sollte er das mit dem Live spielen besser sein lassen und sich auf die Arbeit im Studio beschränken.

So, das musste mal gesagt werden, und jetzt weiter mit der Story.

Nun war also Umbaupause, und der von uns Sehnlichst erwartete Auftritt von Testament stand unmittelbar bevor. Es wurde also Zeit, wie versprochen den Daxei zu wecken, was sich als äußerst schwieriges Unterfangen erwies. Der pennte nämlich so fest, dass man eine Bombe neben ihm hätte zünden können ohne dass er auch nur mit der Wimper gezuckt hätte. Was wir auch versuchten, er war ums Verrecken nicht wach zu kriegen. Erst versuchten wir ihn anzuschreien, zu schütteln, was man normalerweise mit jemandem macht, wenn man ihn wecken will. Aber alle diese Bemühungen blieben vollkommen fruchtlos. Wir probierten alles, was uns nur einfiel, ihn vom Boden aufzuheben, mit dem kopf nach unten zu halten und zu schütteln, Zwergenwerfen, das heißt wir stellten uns im Kreis auf und warfen ihn uns gegenseitig zu, (er wog ja wie erwähnt nur 45 Kilo) draufsetzen, unter anderem auch ich mit meinem nicht unerheblichen Gewicht, Bier draufschütten, und was weiß ich noch alles für einen Scheiß uns eingefallen ist. Einer der Umstehenden die das Spektakel verfolgten, schlug sogar vor draufzupinkeln, aber das wollten wir bei einem Kumpel dann doch nicht bringen. Und so ließen wir ihn dann doch resigniert in Ruhe, weil Testament schon zu spielen angefangen hatte und wir das auch nicht verpassen wollten. Wohl wissend, dass er später ausflippen würde, weil wir ihn nicht geweckt hatten. Doch plötzlich, bei den letzten Klängen des Letzten Songs, schoss er wie von der Tarantel gestochen hoch und fing sofort zum lamentieren an: "Ihr Schweine, warum habts mi net gweckt? Was einen jeden von uns erst mal dazu veranlasste sich mit der flachen Hand vor die Stirn zu hauen und dann in Schallendes Gelächter auszubrechen. Der Daxei kommentierte diese Reaktion mit einem Rumpelstilzchenartigem Wutausbruch, fluchte wie ein Roßkutscher in der Gegend herum, und wollte sofort mit allen Streit anfangen, man kennt das ja. Mir wurde das Ganze dann irgendwann zu dumm und ich stauchte ihn erst mal zusammen, das er froh sein könne dass er nicht als Urinal benutzt wurde, und den Umstand dass es nicht passiert ist nur uns zu verdanken hätte, und dass wenn er nicht aufhöre ich ihn vor allen übers Knie legen würde. Darauf wurde er wieder etwas Handsamer, und wir konnten uns wieder dem Konzert widmen.

Von den einzelnen Auftritten weiß ich nicht mehr so viel, nur dass Helloween einen abartig beschissenen Sound hatten, und auch sonst eher lustlos ihren Kram herunterspielten. Der Weikath war wieder mal so zugekifft, dass man Angst habe musste, er würde auf der Bühne einschlafen, zum spielen hat er sich teilweise sogar schon hingesetzt. Der Schlechte Sound zog sich über fast alle Bands die an diesem Tag gespielt haben hin, auch W,A.S.P. und Black Sabbath hatten einen Grottenschlechten Sound, der einem wirklich den Spaß am zuhören verderben konnte. Dass sich Bands von ihrem Bekanntheitsgrad so etwas vom Mischer bieten lassen, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen.Die Akteure auf der Bühne bekamen die Schlechte Stimmung offensichtlich auch mit und ließen viel von der sonst gewohnten Spielfreude vermissen.

Das änderte sich erst als Slayer die Bühne betraten. Da sie offensichtlich einen eigenen Mischer dabeihatten, der von seinem Handwerk auch etwas verstand,(da sieht man mal wieder, es geht wenn man will) Brüllte Plötzlich ein Glockenklarer Sound wie ein Sturmwind über das Gelände, und weckte auch den letzten Metaller aus der mit der Zeit schon aufgekommenen Lethargie. Ein Hammerauftritt! Besonders im Gegensatz zu dem Dreckssound mit dem sich die anderen Bands herumplagen mussten, die mit Sicherheit auch redlich ihrem Handwerk nachgegangen waren, und nur von der völligen Inkompetenz der Soundcrew sabotiert wurden. Zusammen mit Iron Maiden, denn ich könnte nicht sagen wer von den beiden Bands an diesem Abend besser war, definitiv das Highlight des Tages.

Dann kam auch Iron Maiden.
Mit gewohnter Präzision knallten sie Hit auf Hit in die Kochende Menge. Wie Schade, dass ich durch meine Heiserkeit nicht in der Lage war angemessen mitzugrölen. Dem Musikgenuss tat das jedoch keinen Abbruch, denn der Sound war Plötzlich erstklassig. Plagte sich nach dem Highlight Slayer noch Black Sabbath mit einem breiigen Sound herum, was ich nach ein paar Stunden Konzert Überhaupt nicht verstehen konnte, an der Anlage konnte es ja wohl nicht liegen. Slayer hatte ja auch einen Topsound, und selbst ein vollkommener Idiot von Tontechniker hätte sich von dem Slayer- Mischer zumindest die Grundeinstellungen merken müssen. Vielleicht haben ein paar erboste Musiker oder Manager den Soundtechniker aber auch in der Zwischenzeit Aufgeknüpft oder Gevierteilt, und den Slayer Tonmann gebeten den Rest des Abends die Regler zu übernehmen, ich weiß es nicht. Wenigsten passte der Sound jetzt wieder. Soweit gibt es auch nichts besonderes mehr zu dem Auftritt zu sagen, Maiden sind halt Maiden! Ein Song besser als der andere, und wir waren Traurig als es vorbei war aber die Nacht sollte ja erst richtig losgehen.

Nachdem wir während des Maiden Auftritts kaum dazugekommen waren, uns was zu Trinken zu besorgen, stürmten wir nun die Bierstände. Der Alkoholgehalt unseres Blutes war schon gefährlich weit gefallen, und wir mussten dringend wieder unseren Pegel erreichen. Eingedeckt mit genügen Bier das locker die ganze Nacht reichen sollte verzogen wir uns wieder in Richtung Auto um es uns gemütlich zu machen.

Die Nacht war aber inzwischen schon empfindlich kühl geworden und wir hatten leider kein Feuerholz mehr. Weit und breit war kein Holz und auch kein Baum, den wir hätten Umschneiden können. Nun war guter Rat teuer, weil zum Rumsitzen war es zu kalt, und zum Rumlaufen hatten wir keinen Bock, weil uns von der Latscherei den ganzen Tag über schon gewaltig die Füße wehtaten. Missmutig Saß ich auf meinem Stuhl und Grübelte nach, was ich denn zum Verheizen auftreiben könnte, da fiel mein Blick auf die Parkbegrenzungen, die die einzelnen Reihen voneinander trennten. Das sah doch aus wie dicke Balken, das ergäbe doch ein super Feuer. Kurz entschlossen stand ich auf, und begutachtete die Teile. Aha , kein Holz, sondern Recyclingplastik. Macht nichts, dachte ich mir, brennt besser! Und vor allem länger, dann muss ich nicht so oft aufstehen zum nachheizen. Mit verwunderten Gesichtsausdruck verfolgten meine Kumpels, wie ich begann an den Absperrungen herumzuzerren, und als das Zeug sich ein bisschen sträubte, begann meine beste Waffe einzusetzen: Rohe Gewalt! Kurz entschlossen, und ein bisschen Sauer, weil es länger dauerte als ich wollte Riss ich den ganzen Plunder einfach mitsamt den Stützen aus dem Boden. Ich schleifte den Kram einfach zwischen unsere Stühle, Kofferraum auf, Kanister raus, Benzin drüber und schon hatten wir ein schönes Gemütliches Lagerfeuer, das außerdem eine Hitze Schmiss, die wir mit irgendwelchem nassen Holz nie zusammengebracht hätten.

Ja so lies es sich Aushalten! Ohne Lagerfeuer kommt außerdem irgendwie keine Stimmung auf, so war es schon viel besser. Auch um den Gestank des verbrennenden Plastiks mussten wir uns keine Gedanken machen, denn es war windstill, und der Schwarze, giftige Rauch stieg Kerzengerade zum Nachthimmel auf. Wir waren wieder bester Stimmung, und es dauerte nicht lange, bis der erste unserer Nachbarn fragte, wo zum Teufel wir denn das Feuerholz aufgetrieben hatten. Schallendes Gelächter brandete ihm entgegen, und ich erklärte ihm mühsam, denn ich konnte von wegen Heiserkeit immer noch nicht richtig Sprechen, wo wir das Brennmaterial aufgetrieben hatten.

Nach gar nicht all zu langer Zeit loderten in der Umgegend immer mehr Feuer auf, offensichtlich erfreute sich diese Idee wieder zahlreicher Nachahmer, und so stiegen schnell vom Ganzen Gelände immer mehr Pechschwarze Rauchsäulen in den Himmel auf und Ascheteilchen rieselten leise, vom am Himmel stehenden Mond schaurig beleuchtet, wie ein dunkler Schneeschauer, der mit der Zeit das ganze Areal in eine Art morbider Winterlandschaft verwandelte, auf uns herab. Das Ganze sah aus wie das Cover einer Apokalyptischen Black Metal Scheibe, Gothics hätten ihre helle Freude daran gehabt.

Wir hatten für den Endzeitlichen Charme dieser Szenerie natürlich kein Auge mehr, und fuhren lieber mit der Pressbetankung mit Bier fort und trällerten noch viele lustige Lieder. Das heißt, die anderen Trällerten mehr oder weniger, und ich krächzte nur leise im Hintergrund dazu, mehr ging nicht mehr mit meinen ramponierten Stimmbändern.
Und so fand ein Lustiges Festivalwochenende dann langsam seinen Ausklang, und es bewahrheitete sich wieder meine Aussage, dass das Schönste an Open Airs nicht das Konzert an sich, sondern der Spaß auf dem Campingplatz ist.

 

 

 

 

 

 

Bild von RoofDamage

das find ich definitiv am lustigsten.
schade manchmal, dass ich kein mann bin! ;)

Bild von Winny

Und wieder eins fertig. Viel spaß beim Lesen.
greez Winny

Bild von Toml

Hi Winny,
sehr gut, das Ganze. Das mit Daxei und Testament war zwar in München (die spielten sowohl in München als auch in Mannheim) und Slayer war auch erst München, ist aber egal.
Bis Dienstag,
Toml

Bild von Michi

Servus midnand,
Leider muß ich dir wiedersprechen, denn alles was Winny geschrieben hat, war wirklich so in Mannheim. Daß Monsters vergesse ich mein Leben nicht, war nähmlich saulustig.
 
Bis Dienstag

Bild von Toml

Oh, richtig. Ich hab gerade in Wikipedia geguckt. Aber mit wem war ich dann 1988 in Schweinfurt????? Mein Gehirn ist alle!

Bild von Winny

Isch wees es nischt, in Schweinfurt auf dem Monsters war ich leider nicht. Aber in München Dagelfing das du erwähnt hast, spielten  AC/DC, Metallica. Mötey Crüe usw.
Das war als wir alle einen Haufen Chilli gefressen hatten und alle Klos bis Oberkante zugeschissen waren, so das sie selbst für Barbaren nicht zumutbar gewesen währen. Und wir die Fahrt mit der U-bahn zum Fantasy kaum mehr ausgehalten haben, und bei Ankunft wortlos auf die Toiletten gestürmt sind um einen Schiss hineinzusetzen dessen Gestank das Klo für wochen Unbenutzbar machte.

Bild von Wolfi

Is ja lustig, auf dem Konzert war ich auch, schade das ich da noch nicht in der Band war, sonst hätten wir zusammen Party machen können.
Metallica als Vorband, das war wirklich ein geiler Tag