1993 - Neuer Übungsraum


By Winny - Posted on 21 Dezember 2008

Einige Zeit vor unseren Auftritt beim Monsters, meldete sich der Toml bei mir, und informierte mich darüber, dass in der Kaltenmühle ein interessanter Übungsraum frei wäre. Der war in der Zwischenzeit bei der Rosenheimer Band Nosh eingestiegen, welche die ganze Bude gemietet hatte, und den zweiten Übungsraum nicht brauchte.

Das war die Gelegenheit, denn wir hatten das Problem, dass uns erstens der Platz in meinem Keller zu klein wurde, und zweitens die Bespielbarkeit ein Problem darstellte. Damals fingen wir an, zweimal in der Woche zu Proben um endlich mit dem Kram mal ein bisschen weiter zu kommen. Denn beim Einüben und Arrangieren von Songs wie The Call of Cutulhu, kamen wir mit 3 Stunden Proben in der Woche nicht viel weiter. Das gestaltete sich ein bisschen schwierig, weil wir ja um 22.00 mit Lärmen aufhören mussten, von wegen Nachbarn und so.

Da bot sich auf einmal die Gelegenheit, in der Kaltenmühle einen Übungsraum zu ergattern. Das ist die kleine alte Bude gegenüber dem Möbel Krügel, dem jetzigen Mömax. Übrigens das älteste noch stehende Gebäude Rosenheims. Und genau danach sah der Übungsraum auch aus. Eine windschief in den Angeln hängende Tür gewährte uns Einlass in unser neues Domizil. Im Untergeschoss unseres neuen Reiches befand sich ein Eingangsbereich durch den man über eine steile, enge Holztreppe durch eine Falltür in den eigentlichen Übungsraum gelangte. Im hinteren Bereich des Untergeschosses befand sich noch ein Raum, den wir später an Luna Aurora, unsere bewährten Resteverwerter, untervermieteten.

Der eigentliche Übungsraum war dann doch eine Überraschung, denn er war für das, was wir gewohnt waren, wirklich beeindruckend groß. Er war von der Grundfläche her acht auf fünf Meter groß und da er bis zur Firstpfette hoch verschalt war über fünf Meter hoch. Bei mir im Keller hatten wir nur vier auf vier Meter, bei einer Höhe von nur zwei Meter zwanzig zur Verfügung, da war das natürlich etwas ganz anderes. Das mit der Tür, die einem mitsamt Türrahmen schon entgegenkam, wenn man sie nur anfasste, war für mich als Bauarbeiter, der vor kurzem noch ein ganzes Haus für sich selber gebaut hatte, nicht das geringste Problem. Anhänger ans Auto, Betonmaschine drauf, die ja bei mir daheim stand, Zement und Massen an Baustahl hatte ich noch zu Hause rumliegen, schnell beim Kies Kaiser eine Ladung Kies geholt, dann konnte die Operation "Sichere Eingangstür" schon beginnen.

Als erstes rissen wir den ganzen Kram, der nur noch entfernt an eine Tür erinnerte, heraus und begutachteten mit einer Flasche Bier in der Hand erst mal den Türsturz, oder besser, das was davon noch übrig war. Ich hatte beim ersten Hinsehen schon vermutet, dass wir die ganze Türlaibung neu herstellen müssten, und hatte mich schon entsprechend vorbereitet. Schalungsmaterial war genügend vorhanden um eine Autobahnbrücke zu bauen, und beim Zementbestellen hatte ich damals beim Hausbau auch ein bisschen übertrieben, so dass wir damit auch nicht sparen mussten. Zuerst erweiterten wir mal die Türöffnung, dazu brauchte man nicht mal einen Hammer, weil das Mauerwerk schon so marode war. Der einzige Grund warum die Bude noch nicht von selbst eingestürzt ist, war die schiere Dicke des Mauerwerks, die fast 80 Zentimeter betrug. Ja, damals im 11 Jahrhundert hat man noch solide gebaut. Nachdem wir genügend Platz für eine anständige Bewehrung geschaffen hatten, brachten wir eine gescheite Betonschalung und so viel Baustahl an, dass man damals beim Bau des Führerbunkers neidisch geworden währe. Den maroden Türrahmen stellten wir aus 50er Bohlen wieder her, und verbanden ihn mit der Bewehrung, so dass der Rahmen eine untrennbare Einheit mit dem Beton bilden würde. Jetzt dürfte auch der Letzte festgestellt haben, dass ich nicht gerne halbe Sachen mache. Dann warfen wir die Betonmaschine an und machten eine Mischung erster Güte. Wie gesagt, am Zement mussten wir nicht sparen. Ich hatte mir auf der Baustelle von den Maurern auch noch eine Rüttelflasche besorgt, das ist, zur Erklärung für alle Nichtbauarbeiter, ein Gerät das wie ein Monsterdildo mit Netzanschluss aussieht und nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert, nur mit 100000 mal so viel Power, und das eventuelle Lufteinschlüsse, die beim Betongießen auftreten, aus dem noch flüssigen Beton rausschüttelt. Das gewährleist eine optimale Qualität des Betons. Und wenn die Butze eines Tages mal in sich zusammenfallen sollte, dann bekommen die den Türrahmen nur weg, wenn sie ihn sprengen!

Während der Beton Zeit hatte, soweit abzubinden, dass wir die Zwingen entfernen konnten, widmeten wir uns der Rekonstruktion der Tür. Die sah auch nicht mehr sonderlich Vertrauen erweckend aus, so dass wir hinter das nicht mehr so stabile Türblatt eine 40 mm Multiplexplatte schraubten, aber nicht mit Spax, sondern mit M14 Schlossschrauben die komplett durchgingen, und innen mit Beilagscheiben, Sicherheitsmuttern und Stahlbändern, an denen auch die Angeln befestigt waren, verschraubt wurden. Das ganze schaute danach wie eine Tresortür aus, und wog auch soviel. Jetzt werden manche sagen: "Die übertreiben doch ein bisschen!", nur darf man nicht vergessen, dass dieses Gebäude damals ziemlich allein dastand und immerhin um gut 30000 Mark Equipment von uns drinnen stand. Und wir wären nicht die Ersten, denen man den Proberaum geknackt und die komplette Anlage geklaut hätte. Wir haben dann noch ein fettes Sicherheitsschloss eingebaut, und dann war das gut.

Einige Zeit später hat die Polizei, die nach Restbeständen eines unserer Vormieter gesucht hatte, irgend so ein Antikmöbelschacherer, der die Hütte als Lager genutzt hatte, und der anscheinend bei Gott und der Welt Schulden hatte, und offensichtlich auch beim Finanzamt, was die Staatsbüttel ja nicht so gerne sehen, versucht in die Bude reinzukommen. Ich währe ja an sich des Spaßes wegen gern dabei gewesen, und hätte gemütlich auf einem Gartenstuhl mit ein paar Bierchen und einer Tüte Chips, zugesehen wie sie sich plagen, denn wir fanden als wir Tags darauf zum Proberaum kamen ziemlich viele kaputte Stahlbohrer, blau verglüht, manche abgebrochen, und die anderen total verbogen, und ein paar feinste Bohrspäne, die vor dem Türschloss lagen. Was stand da gleich wieder auf der Verpackung des sündteuren Sicherheitsschlosses, als wir es im Baumarkt aussuchten? : "Absolut einbruchssicher!!! Mit dem Kauf dieses vom TÜV und der Stiftung Wahrentest als 'Sehr Gut' empfohlenen Sicherheitsschlosses der neusten Generation haben sie sich für eins der besten Produkte auf dem Markt entschieden. Der Zylinder besteht aus gehärtetem Spezialstahl, der jedem Versuch, ihn aufzubohren unter Garantie! widersteht. ( Aha! ) Das Schloss ist auch so konfiguriert, dass es nur mit den dazugehörigen Spezialschlüsseln geöffnet werden kann, und den Einsatz von Dietrichen praktisch unmöglich macht. ( Soso! ) Das neue Türblatt und der verstärkte Rahmen hatte ihren Anstrengungen offenbar auch erfolgreich Widerstand geleistet, wie an den Brecheisenspuren zwischen Tür und Rahmen unschwer zu erkennen war. Da hätte ich die Türknackspezialisten von der Steuerfahndung gerne Fluchen und Schwitzen gesehen. Mit allzu roher Gewalt konnten sie an diesem Denkmalgeschützten Gebäude auch nicht vorgehen, also blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich der überlegenen Technik aus dem Baumarkt zum ehrlichen Kampf zu stellen. Wir haben an der Tür nur einen Zettel mit Polizeiwappen, und der lapidaren Mitteilung gefunden, dass sie ein neues Schloss eingebaut hätten, (hoffentlich genauso gut wie das andere) und wir uns den Schlüssel bei der Polizei Rosenheim abholen könnten. Haben die Bullen uns doch tatsächlich die Bude geknackt! Ich konnte es nicht fassen. Ich meine wir waren zu der Zeit ja schon gut zwei Jahre in der Hütte am Proben, und ein simpler Anruf beim Vermieter hätte diese Aktion unnötig gemacht, aber da sieht man mal wieder wie da Steuergelder für vollkommen hirnrissige Aktionen rausgeschmissen werden. Da wundert es wirklich keinen, wenn die beim Kampf gegen das organisierte Verbrechen mit ihren unorganisierten Methoden kein Bein auf den Boden kriegen.

Aber eins der Abenteuerlichsten Dinge an der Bude war die Beschaffenheit der Elektrischen Leitungen. Welcher Möchtegernhobbyelektriker die verlegt hat das würde mich wirklich mal interessieren. Ich bin wirklich kein Experte in Sachen Elektrik, nur die Verkabelung der Bude sah aus, wie wenn Tim Allen persönlich angefangen hätte sie zu verlegen, und mitten unter der Arbeit plötzlich keine Lust mehr gehabt hätte. Da hingen die Kabel fröhlich in der Gegend herum, wie Luftschlangen bei einer Faschingsdekoration, und die Steckdosen baumelten teils von der Wand, wie wenn sie nicht hingehören würden. Wir kauften uns erst mal ein paar Kabelhalter, und befestigten die Krassesten Leitungen zumindest mal so, dass man sich beim Herumlaufen nicht mehr selbst strangulierte. Somit stand dem Proben nichts mehr im Wege.

Der Sound, der bei mir im Keller ja immer schon ein kleines Problem war, weil so viel Verstärkermaterial auf 16 Quadratmeter natürlich einen ziemlichen Soundbrei ergibt, war dort draußen schon gigantisch. So ein Gitarrenverstärker hat eigentlich erst 2 bis 3 Meter vor den Boxen einen optimalen Klang, und da hatten wir erstmals richtig Platz, so dass das Üben richtig Spaß machte. Es war zwar das Problem, dass man sich im Winter den Arsch abfror, weil der hohe und große Raum nicht mal mit Gasstrahlern zu Beheizen war, und im Sommer bekam man einen Hitzschlag, weil sich unter dem Dach natürlich die ganze Hitze staute. Aber wir waren jung, und meist besoffen, da hält man das schon aus. Das tollste an der Sache war allerdings, dass wir jederzeit zum Üben rein konnten, auch mitten in der Nacht. Denn wie gesagt stand die Bude damals noch ziemlich alleine da. Die jetzt angrenzenden Gebäude sind alle jüngeren Datums.

Vom Partyfaktor her war die Hütte natürlich nicht zu überbieten. Wir sind oft, oder sogar meistens nach dem Ausgehen, oder wenn es in der Kneipe oder Disco mal wieder Fade war schon eher, noch in den Übungsraum gefahren zum Jammen oder einfach nur zum zusammensitzen und Saufen. An die Gesangsanlage ein Kassettendeck, und später auch einen CD Player rangehängt, und schon hatten wir eine Mette in der Bude, dass man es bis zum 500 Meter entfernten Peppermint hin hören konnte. Und das war damals ja bekanntlich die lauteste und angesagteste Rock-Disco Rosenheims. Es sind oft noch Typen vom Pepper bei uns aufgekreuzt, um zu schauen was hier denn los sei. Wir haben dort draußen natürlich legendäre Partys gefeiert, denn die Butze war natürlich allein von der Größe dafür wie geschaffen. Gefährlich wurde nur bei fortschreitender Alkoholisierung die Anfangs schon erwähnte steile und enge Holztreppe nebst Falltür, die einigen Gästen - und auch Bandmitgliedern - Gratisfreiflüge inklusive anschließender Bruchlandung zwischen den gesammelten leeren Flaschen der letzten zwei Jahre, im Untergeschoß bescherte. Am gefährlichsten war, wenn jemand im Obergeschoß ohne zu schauen die Falltür runterknallte und jemand gerade auf der Treppe auf dem Weg nach oben war. Das hatten wir einige Male, und es hörte sich fast immer gleich lustig an. Man hörte den Aufprall der gut 50 Kilo schweren Tür auf den Schädel, einen erstickten Schrei, dann ein Poltern und Rumpeln untermalt von lauten Ahs und Ohs über die massive Holztreppe runter, die anscheinend ein guter Resonanzkörper war, und dann ein Klirren und Scheppern wie beim Ausleeren eines Glascontainers, mit anschließendem Stöhnen, und Lautem herzhaftem Fluchen und Schimpfen, welches dann von unserem Gelächter, nachdem wir wussten, wer flucht, lebt noch, übertönt wurde. Das Untergeschoss war schon Lustig anzusehen. Es gab eigentlich nur noch einen 50 Zentimeter breiten Weg, der von der Tür bis zum Treppenansatz, zwischen Bergen von leeren Flaschen hindurchführte, deren Höhe von Woche zu Woche kontinuierlich wuchs.

Die Silvesterpartys wahren ein Highlight, bei dem recht lustige Anekdoten entstanden. Zum Beispiel der Holler. Unersättlich wie dieser Typ in Sachen Nahrungsvernichtung war, stellte er tatsächlich eine ganze Partytonne Chio Chips, die eigentlich für eine sehr viel größere Anzahl Leute gereicht hätte, vor sich hin und fraß das Teil unter unseren erstaunten Blicken ratzekahl leer! Ich meine, nicht dass es ihm nicht vergönnt gewesen währe, wir hatten Fresskram in solchen Mengen da, dass es für eine ganze Kompanie gereicht hätte, aber ich dachte mir, frei nach Willy Deutschmann, "glaub nicht das dass gesund ist!" Und es kam, wie es kommen musste: Nach kürzester Zeit wurde der Holler ziemlich fahl unter der Matte, hielt sich mit gequältem Gesichtsausdruck den Bauch, und meinte, irgendwie währe ihm ein bisschen schlecht. Und nach gar nicht allzu langer Zeit hing der gute Holler schon göbelnd zwischen den Büschen und entledigte sich, fröhlich kommentiert von der gesamten Zuschauerschaft, das Spektakel wollte sich natürlich keiner entgehen lassen, des klebrigen, den Gejammer und Gewürge nach zu urteilen, breiähnlich trockenen Inhalts seines Magens.

Lustig waren auch immer unsere Jam - Sessions, die wir meistens Freitag oder Samstag nachts, zur Freude der nächsten, ca. 200 Meter entfernten, Anwohner veranstaltet haben. Wenn es uns nämlich im Stingray oder im Keller zu langweilig wurde, fuhren wir meistens noch mit ein paar Leuten in den Übungsraum um weiterzusaufen, Spaß zu haben und zu jammen. Das lustige daran war, dass bei diesen Aktionen ein Jeder immer ein anderes Instrument spielte als Normal. Am besten das, von dem er die wenigste Ahnung hatte.

Und auch die mitgekommenen Gäste durften sich musikalisch betätigen, was sie auch mit viel Begeisterung und mehr oder weniger, oftmals auch gar keinem musikalischem Talent machten. Oftmals enterten diese das Schlagzeug, das sie anscheinend als das einfachste Instrument betrachteten. Nichts kann falscher sein! Denn einem Unbedarften mal schnell die Griffe für Smoke on the Water beizubringen, zumindest so weit, das es für ein bisschen zusammenspielen reicht, ist nicht sonderlich schwer. Und was das wichtigste ist, so einen Gitarrenverstärker kann man bei komplett abwesenden Talent des gitarreschindenden Gastes sehr leicht leise drehen, und dann fällt das nicht mehr so auf, wenn er spielt wie weiland der Wutzhunter himself. Bei einem Schlagzeug geht das leider nicht. Die Koordination der verschiedenen Körperteile zu einem harmonischen Ganzen ist selbst für einen Nicht-Alkoholisierten, wenn er noch nie vor einem solchen Teil gesessen hat, eine sehr schwere Aufgabe. Mit dem Pegel den man verständlicherweise nach einem fünfstündigen Aufenthalt in diversen Metalkneipen in der Birne hat, ist schon das Spielen eines simplen Grundtaktes, selbst für Jemand der eine Begabung dafür hätte, ein Ding der Unmöglichkeit. Und so rumpelten da Rhytmuskombinationen durch das altehrwürdige Gemäuer, dass es (wenn Gebäude denken könnten), schätzungsweise den Dreißigjährigen Krieg, komplett mit Trommelgerassel und Musketen und Kanonenschüssen vor dem geistigen Auge wieder aufziehen sah.

Und die Leute die sich da zum Teil ans Micro schwangen hörten sich auch so an, als ob man ihnen gerade einen Schwedentrunk verabreicht hätte. Für die, die in Geschichte immer geschlafen haben, oder den Großteil der Unterrichtsstunden auf dem Schulklo beim Rauchen oder Onanieren verbracht haben: Schwedentrunk nannte man es, wenn jemandem ein Trichter in den Mund gesteckt wurde, während er gebunden auf dem Boden lag, und durch denselbigen Gülle in den sich heftig sträubenden Gefangenen eingefüllt wurde, (was für den Nichtkaviarfan ziemlich scheiße geschmeckt haben dürfte) und danach ein Brett auf den Bauch gelegt wurde, auf dem die ganze Schwedische Kompanie fröhlich ein lustig Tänzlein aufführte, bis dem Probanden die Eingeweide beim Arsch herauskamen. (was auch nur für den Hardcore-BDSM Fan erbaulich gewesen sein mußte)

Dass die Ohren der Schwedischen Spießgesellen dabei von äußerst lautem Jammern und Wehklagen des Betreffenden malträtiert wurden, kann sich ja jeder vorstellen. Ungefähr so hörten sich die Gesangskünste einiger unserer Besucher auch an. Das in falscher Vorstellung von Priest oder Helloweenähnlichem Falsettgesang vorgetragene Gewinsel hat sich angehört wie alle armen Seelen im Höllenfeuer, wenn der Teufel zum Heizmeister sagte, "leg mal ein paar Scheite nach, ich will heute Schnaps brennen".Wie Deutschland sucht den Superstar, nur Rotzbesoffen. Aber wir hatten immer viel Spaß dabei, denn meistens waren wir ja auch schon so blau, das uns dieses disharmonische Konzert in D Moll nicht mehr störte.

Eines Abends kam ich an den Übungsbunker, und sah zu meinem freudigen Erstaunen, dass der Besitzer, offensichtlich auf Kommunalen Druck hin, tatsächlich mit der Sanierung des Maroden Daches begonnen hatte. In der Bude war nämlich bei jedem noch so geringem Regen fließend Wasser vorhanden, was ja an sich nicht schlecht gewesen währe, weil die Butze ja keinen Wasseranschluss hatte, aber vielleicht nicht gerade in Form einer Sprinkleranlage über den Verstärkern. Auch die meist sehr viel Schweiß absondernden Kesselklopper, die ansonsten über eine Erfrischung sehr erfreut wahren, waren nicht so begeistert im Regen zu spielen. Das Dach über unseren Räumlichkeiten hatte ich gleich nach unserem Einzug soweit Regendicht gemacht, Ich bin ja schließlich gelernter Dachdecker. Nur in den anderen Übungsräumen, vor allem beim Hauptmieter, war da bei jedem Regenguss schneller Einsatz von bereitgelegten Plastikplanen, Kübeln und anderen Utensilien, die man zum Auffangen von eintretenden Regenwasser verwenden konnte, geboten. Was meist einen wütenden Anruf unserer Raumnachbarn beim Vermieter, der für die abgeranzte Bude ohne Toiletten, Heizung, fließendem Wasser übrigens ein Heidengeld verlangte, nach sich zog.

Ich traf also meine Innungskollegen gerade beim Feierabendmachen an, und sah, dass die Dachziegel und die darunter liegende Konterlattung bereits Abgerissen war. Was mir weniger gefiel, war die Tatsache, dass diese Wahnsinnigen die Dachfläche nur mit ein paar Planen, die diese Bezeichnung kaum mehr verdienen, weil die Dinger mehr Löcher hatten als eine Scheibe gut durchgereifter Emmentaler, abgedeckt hatten. Der Gipfel war aber die Befestigung derselben. Statt sie, wie ich es jedem meiner zahlreichen Auszubildenden schon im ersten Lehrjahr unter Androhung schwerster körperlicher Züchtigung eingebläut habe, sorgsam mit Schalungsbrettern an den Rändern, und auf der Fläche bei jedem zweiten Sparren zu sichern, und die Bretter gut festzunageln, weil wie sich selbst ein Laie unschwer vorstellen kann, der Wind, wenn man es zulässt dass er unter die Plane fahren kann, bei einer Fläche von gut 50 Quadratmetern eine Zugkraft von mehreren 100 Kilo entwickelt, hatten diese Pfuscher die Folie nur an den oberen zwei Ecken mit windigen 65er Näglein angeheftet.

Ich dachte mich trifft der Schlag! Ich schnappte mir den Capo dieser Gurkentruppe, und belegte ihn erst mal mit allen Titulierungen aus dem Tierreich und der Fäkalsprache, die mir in dieser kurzen Zeit einfielen, und fragte mit Recht, ob er seinen Gesellenbrief denn in der Baumschule beim Lehrer Ast gemacht hatte. Als er mich mit unvergleichlicher Naivität fragte, was denn dieser Aufstand soll, bei der alten Hütte währe es doch egal, musste ich mich schon schwer zurückhalten, dass ich dieser Karikatur eines Dachdeckers nicht die Wirbelsäule herausriss und in seinen dämlichen Arsch schob. Der Typ kannte mich ja noch aus der Berufsschule, er war eigentlich Älter als ich, hatte aber seine Prüfung erst beim zweiten Anlauf nur mit Ach und Krach bestanden, und wusste das in solchen Situationen mit mir nicht gut Kirschen essen ist, und verzichtete auf eine weitere Diskussion mit mir, und ging dann, unter meinem gestrengen Blick etwas kleinlaut daran, neue Planen hochzuschleppen, was wiederum in einer Welle von wüsten Beschimpfungen meinerseits und der Frage, warum er denn, wenn er Intakte Planen dabeihabe erst diesen Scheißdreck aufs Dach genagelt hatte, und die so zu befestigen, wie wir es eigentlich beide gelernt hatten. Dann nachdem meine Wut so weit abgeklungen war, dass ich mit ihm sprechen konnte, ohne ihm in die Kehle zu Beißen, erklärte ich ihm, dass unter dem Dach Drei Übungsräume mit Instrumenten und Verstärkern für geschätzt 100.000 Mark lagen und in dem Fall er als Vorarbeiter voll Haftbar gemacht worden währe, weil bei dem Scheiß den er gebaut hatte, das Keine Firmenversicherung der Welt bezahlt hätte. Und den Ärger, den er bekommen hätte, wenn es ihm den ganzen Scheiß auf die Umgehungsstraße geweht hätte, was beim kleinsten Windstoß unvermeidlich passiert währe, hätte ich nicht mal meinem schlimmsten Feind gewünscht. Ja da wurde der phlegmatische Typ dann doch etwas blass um die Nase.

Wenn ich nicht zufällig vorbeigekommen währe, denn für den Tag war kein Üben ausgemacht, hätte diese Aktion in einer Katastrophe geendet. Die folgende Nacht goss es nämlich wie aus Kübeln, da hätte unser Übungsraum am nächsten Tag ausgesehen wie Sea World, nur ohne Fische.

Lustig war auch die verkeimte Botanik um das Anwesen. Da ja wie erwähnt keinerlei Toiletten in der Butze vorhanden waren, musste natürlich der umliegende Bewuchs als Ersatz herhalten. Was uns Männern relativ am Arsch vorbeiging, wir stellten uns oft genug breit wie die Nattern, zum Pissen spaßeshalber mitten auf die Schnellstraße, stellte für die Frauen so ein kleines Problem dar.

Bei einer Silvesterparty, ich weiß nicht mehr auf welcher, plagte eine Freundin von uns, die Micha, nach dem reichlichen Genuss von Alkoholika, natürlich irgendwann ein menschliches Bedürfnis. Ergeben seufzend, stiefelte sie bei ca. -15° C hinter ein Gebüsch, zog die Hosen runter, und ging in die Hocke, um ihre Notdurft zu verrichten. Wir waren auch runter gegangen um eine Stange Wasser in die Felder zu stellen, natürlich nicht im Gebüsch, denn erstes waren wir zu faul zum Laufen, bei weitem nicht so schamhaft, außerdem war es wie erwähnt saukalt draußen, und die Möglichkeit bestand, dass im dunklen Gebüsch eine Frau beim Pinkeln hockte, die über diese Art der Dusche nicht sonderlich erbaut gewesen wäre.

Plötzlich hörten wir ein Kreischen in der Botanik, und wie von der Tarantel gestochen kam die Micha mit halb hochgezogener Hose aus dem Gebüsch geschossen, und Schrie: "Mi hat irgend was in Hintern gschtocha da is irgend a Viech hintn!" Wir schafften es gerade noch abzuschütteln und einzupacken, bevor wir natürlich erst einmal einen Lachanfall bekamen und die durch den Schreck Leichenblasse Micha bemerkte, dass sie ihre Hose noch nicht ganz hochgezogen hatte, worauf ihr Gesicht erst mal von Kalkweiß zu Hochrot wechselte, und wetterte: "Lachts net so saubled, schaugts liaba moi noch, was do hindn is". "Gern", erwiderten wir grinsend, und hinter ihr Stellung beziehend: "aber dazu muast die Hosn wieda Obaziang" Mittlerweile noch etwas Röter angelaufen sagte sie: " Doch net bei mia, es Deppn, hinda dem Eck soids nachschaugn, da is irgend a Viech des beißt! Worauf wir wieder in brüllendes Gelächter ausbrachen, und ihr, nach Atem ringend erklärten, das kein Insekt der Welt, denn nur darum könnte es sich handeln, bei dieser Schweinekälte in der Lage wäre, irgend wen zu beißen oder zu stechen.

Worauf sie wütend erwiderte: "Ja moants es, da Heilige Geist hätt mi in Oarsch bissen?" Bei der Vorstellung brachen wir wieder vor Lachen zusammen, und es dauerte ein Weilchen, bis wir tatsächlich in der Lage waren, nachzuschauen. Denn Neugierig waren wir dann schon, was es denn gewesen sein könnte. Als wir dann nachschauten, erwies sich das ominöse Tier als simple Distel, deren ausgetrocknete und hartgefrorene Überreste noch standen. Die gute Micha hatte sich zielsicher in der Dunkelheit beim Pinkeln in eine Distel gesetzt. Was sie an diesem Abend an Verarschungen ertragen musste, kann sich jeder der uns kennt, ja mit Sicherheit vorstellen. Die Geschichte wurde zigmal hervorgezerrt, und ich prägte dann extra für diese Gelegenheit den Spruch vom Bio-Piercing am Pöter, das man als völlig neuen Trend für umweltbewusste Hardcore Ökos ganz groß herausbringen müsste.

Und so gäbe es noch dutzenderweise Geschichten und Anekdoten, die aber den Rahmen dieses Buches sprengen würden. Alles in allem hatten wir trotz aller Nachteile und Probleme eine geile Zeit in der Bude, die ich um kein Geld der Welt missen möchte.
 

Bild von Winny

der Button Textdatei einfügen wolle bei mir einfach nicht funzen.so habe ich es einfach mit Strg "V" rübergeholt, aber das sieht jetzt auch wieder Scheiße Aus. Irgendetwas mache ich da wohl immer noch falsch.
Stay Scheiß doch die Wand an mit dem drecks Windows!

Bild von Michi

Ha ha ha, is ja Geil, dat mit der Türe war schon Lustig. Die Aktion mit der Polente hatte ich schon voll vergessen. Eingezogen sind wir noch vor dem Gig beim Monsters, sieht man aufem Video, da sind wir nähmlich vor der Hütte beim einladen.
 
Stay Muhaha

Bild von Toml

Hi Winny,

2 Sachen noch:

(1) Ich komm heute Abend bei Dir vorbei und stell den Kram wieder runter. Da haben wir auch Zeit, dass ich Dir das mit dem Einfügen nochmal zeige.

(2) An den Raum seid Ihr gekommen, weil ich damals beim Nosh gespielt habe, die die Butze komplett gemietet hatten. Irgendwann suchten sie für den halben Teil einen neuen Mieter (war ihnen wohl zu teuer, das komplette Teil), da hab ich Dich gleich angerufen oder Dir beim Weggehen Bescheid gesagt.

Bis später,

Toml

Bild von Winny

Ich habe die Ergänzungen eingebaut, und die Aktion Mit den Bullen noch ein bisschen Ausführlicher geschildert. Ist ganz witzig geworden
gruß Winny

Bild von Winny

Und wieder eines fertig! Geil! Ist auch in den anderen Absätzen einiges an Blöden Sprüchen dazugekommen, für die dies schon kennen, noch mal lesen lohnt sich.

Bild von Toml

Sehr geil!! Ich habe mir gerade den Ast gelacht. Übrigens hat uns damals die Polizei beim Nosh dafür einen Strafzettel aufgebrummt, weil wir von underer Treppe auf den Parkplatz gestrullt haben. Grund: Seuchengefahr. Merke: Auf den Asphalt zu pissen, ist gefährlich. Da können Autos unsere Pest und Cholera und was wir noch so alles haben, schön über den Landkreis verteilen. Wenn wir bis in die Wiese getroffen hätten, wäre es alles kein Problem gewesen. Was natürlich ab diesem Zeitpunkt immer in üblen Weitpisswettbewerben resultierte....

Ich hab Dir den Text noch ein bisschen durchgeharkt.