1987 - Terminator!


By Winny - Posted on 10 Dezember 2008

Nun, wenn wir einmal in unserem Leben einen lichten Moment hatten, als wir auf den Schwingen der Weisheit getragen wurden, als uns grenzenlose Genialität durchfloss, dann war es sicherlich, als wir bei unserem ersten Auftritt beschlossen, NICHT als Phantom Lord, sondern unter dem Pseudonym "Terminator" aufzutreten.
Und Ich danke noch immer Gott, dass wir nicht unter unseren Bandnamen gespielt haben, denn es war grauenhaft!! Aber lasst uns erst mal ganz am Anfang beginnen. Der Toml und ich spielten also schon ein ganzes Weilchen mehr oder weniger sporadisch zusammen ( es war eigentlich mehr so,das wir uns ganz gepflegt einen ansoffen, und nebenher, wenn wir es mal schafften das Bierglas abzustellen, ein bisschen auf unseren Instrumenten herumhackten).

Meistens trafen wir uns in Benning in der Gantstum zur Lärmoffensive, und es waren immer ein paar Leute zum Zuhören und mitsaufen dabei, als eines schönen Tages der Daxei (in der Szene heute besser bekannt als Nathaniel von vorher Luna Aurora, jetzt Mortuus Infradaemoni) den ich, da wir ja  im selben Kaff hausen, schon von Kindesbeinen an kenne, an uns herantrat und fragte, ob wir nicht Bock hätten bei dem nächsten Auftritt seiner Band Carnage mal als Vorband zu spielen. Rotzbesoffen wie wir waren, sagten wir natürlich zu, ohne uns gross Gedanken darüber zu machen, dass wir eigentlich noch nie mit einem Schlagzeuger zusammen, oder überhaupt mal ernsthaft, so richtig..... geprobt hatten.

Aber, was soll's? Wir werden das Kind schon schaukeln, dachten wir. Und wenn der Wutzhunter nur halb so gut Schlagzeug spielt, wie er immer sagt, dann dürften wir das schon hinkriegen. Zu dem Termin war nicht mehr so lange hin, also mussten wir uns ganz schön auf die Hinterbeine stellen um bis zum Auftritt noch ein halbwegs passables Set hinzukriegen. Der Wutz hatte leider nie Zeit zum Proben, also bauten der Toml und ich uns so irgendwie zu zweit ein paar Songs zusammen die wir in der kurzen Zeit, die uns noch blieb, einigermaßen einübten.

Wie kurz die Zeit tatsächlich werden würde, darüber konnten wir uns selbst in unseren schlimmsten Albträumen keine Vorstellung machen. Der Tag X rückte immer näher, und wir hatten noch immer nicht mit einem Schlagzeug zusammen geübt. Schließlich und endlich war dann tatsächlich der Auftrittssamstag angebrochen, und wir konnten es zu unsern Freuden arrangieren, dass wir endlich!!! mit der gesamten Besetzung zusammen die Songs mal durchproben konnten. Das waren Toml, Wutzhunter, und Ich. Einen Leadgitarristen hatten wir leider immer noch nicht gefunden. Ein Bekannter von uns, der Tribus Eddy, hatte ein Schlagzeug zuhause im Keller stehen, und derselbige war auch groß genug um uns an diesem Tage als Proberaum zu dienen. Und endlich hatte auch mal der Herr Wutz die Güte, sich zum Üben einzufinden.

Das Ganze war ja nur als Routine geplant, da wir fast nur Covernummern spielen wollten, die jeder schon 1000 mal gehört hatte. Das dürfte für einen GUTEN Schlagzeuger ja eigentlich nicht das geringste Problem darstellen. Von wegen! Der gute Wutz hatte immer rumgetöhnt, was für komplizierte Figuren er auf das Drumkit zaubern könne, dass er mit jedem! Körperteil einen anderen Takt schlagen könne, und wir Ahnungslosen lauschten andächtig der Mär vom Superschlagzeuger Wutz. Ich hatte ja anfänglich schon ein bisschen Bammel ob er mit uns überhaupt weiterspielen würde, weil ich damals ja wirklich noch ein blutiger Anfänger war.

Beim Eddy zuhause angekommen, fingen wir also erst einmal an, uns ein bisschen warmzuspielen, und wunderten uns dann doch ein bisschen, warum der Wutz denn einen so grossen Bogen um das Drumkit machte. Wir dachten aber immer noch, dass er es nicht nötig hätte, und ich probierte krampfhaft, ja sauber zu spielen um nicht als Depp dazustehen. Denn Toml hatte ja schon Banderfahrung, und spielte schon ein paar Jahre, und vom Wutz dachte ich auch, dass er einiges drauf hat. Dann bequemte sich der Herr Schlagzeuggott doch endlich, hinter der Knüppelbude Platz zu nehmen. Atemberaubende Stille. Jeder verharrte erwartungsvoll, was für ein Speedmetalschlagzeuggewitter mit halbstündigen Drumsolo uns um die Ohren fliegen würde.

Es war der absolute Wahnsinn!!! Ich schwöre Stein und Bein, dass ich noch nie zuvor, und auch danach nie mehr, auch nur Irgendjemanden so unglaublich beschissen Schlagzeug spielen gehört habe! Da war nicht ein einziger gerader Takt drin! Null! Das ganze sah eher aus wie ein Epileptiker mit einem Anfall, den ein paar Spaßvögel hinter ein Schlagzeug gebunden hatten. Rein statistisch gesehen hätte er bei seinem Gehampel wenigstens mal zufällig im Takt sein müssen. Nicht nur dass er nicht mal den Hauch von Talent hatte, der Typ hatte vom Schlagzeugspielen so viel Ahnung wie ein Deutscher Schäferhund von der Chinesischen Nationalhymne!!!  Schauderhaft! Er hatte in einem noch nicht mal gelogen, er spielte tatsächlich mit jedem Körperteil einen anderen Takt, aber nur weil er nicht die geringste Körperkoordination hatte. Da war noch nicht mal der einfachste Gustaf (das nennen wir in unserem Jargon, wenn der Schlagzeuger einen simplen Grundtakt, so bum-batsch-bum-batsch, mitschlägt ) drin. Ja Scheiße! was machen wir denn jetzt? In 5 Stunden haben wir einen Auftritt! Wir beratschlagten dann ein bisschen in der Gegend herum, und kamen auf die Idee, den Eddy zu fragen, ob er nicht Lust hätte, heute bei uns Schlagzeug zu spielen. Der war bei Carnage, soweit ich mich noch erinnern kann, nämlich dem Daxei sein Vorgänger am Schlagzeug, darum hatte er auch so ein Ding im Keller stehen. Von dem Einfall kamen wir dann aber ganz schnell wieder ab, als wir feststellen mussen, das es schon seine Gründe hatte, warum er dort nicht mehr spielte. Er war nämlich nicht viel besser als der Wutz. 

Ja, nun war guter Rat teuer. Wo kriegen wir denn jetzt noch auf die Schnelle einen Drummer her? Bis der Toml dann sagte: "Geh mal weg da hinten, ich probier das jetzt mal, so schwer kann das doch nicht sein!"  Und siehe da, nach ein bisschen probieren kam da doch tatsächlich so etwas wie ein Takt aus dem Schlagzeug. Und Ich dachte mir: Was der kann, kann ich auch. Nach einem Weilchen kriegte ich doch wirklich zumindest so eine Art  AC/DC-Grundtakt zusammen. Darauf beschlossen wir, uns einfach am Schlagzeug abzuwechseln, mal der Toml, mal ich, und dem Wutz ganz einfach den Bass in die Hand zu drücken. "so, du spielst jetzt die Töne so nach wie sie von der Gitarre kommen!" "Wie? Töne? Was?", sagte Wutz, und der Toml meinte "Nee, so wird das nix, zupf einfach nur die E-Saite leer im Takt mit, und halte dich ein bisschen im Hintergrund, dann fällt das keiner alten Sau auf."

Wir verbrachten also den Nachmittag damit, uns in einem Crashkurs selbst mal so auf die schnelle das Schlagzeugspielen beizubringen. Das da natülich gewisse Defizite blieben, dürfte jedem wohl klar sein. Do war a´Glernta ja a´Depp, wie wir in Bayern so schön sagen.

Dann war es so weit: Konzert in der Vetternwirtschaft! Das war oder ist ( ich weiß nicht, wie es heute ist, denn ich habe diese Kneipe seitdem nie wieder betreten ) die assligste, heruntergekommenste Kneipe die man sich vorstellen kann. Regel Nummer 1: Ja um Gottes willen dort nichts Essen! Und Bier nur aus der Flasche! Außer man hat Lust darauf, sich Krankheiten zu holen, die noch nicht mal der Arzt mit Namen kennt. Von der Placke im Gesicht, Magenkrämpfen, Pusteln an den Lippen und Montezumas Rache ganz zu schweigen. Ich war eigentlich noch nie der Mensch, der vor Auftritten Lampenfieber bekommt. So was kenne ich normalerweise nicht, aber bei den Vorzeichen wurde auch mir etwas flau im Magen.

Wir bauten also unseren Kram in der besagten Örtlichkeit auf, machten kurz so eine Art Soundcheck und legten dann auch gleich los. Was wir alles für Songs gespielt hatten ist mir heute schon ziemlich entfallen, ich kann mich nur noch an Geschwisterliebe, Bombenhagel von Sodom, Zehn Halbe Bier und einen Weihnachtspunksong ("Lasst uns Froh und nicht mehr Nüchtern sein") erinnern. Es lief eigentlich besser als befürchtet, die Stimmung in der Hütte war ziemlich gut, und bei den bekannten Mitgröhlsongs ging eigentlich ziemlich die Post ab. Auch Zehn Halbe Bier kam super an, nur ein kleines Problem Hatten wir: Wutz! Der Typ langte auf dem Bass, obwohl er nur die E-Saite im Takt zupfen musste, dermaßen falsch hinein, das wir ihm nach dem ersten Lied einfach den Ton vom Bassverstärker abgedreht hatten, und er eigentlich nur noch Luftgitarre zu spielen hatte. Aber sogar dazu war er unfähig! Gut gelaunt, da er jetzt ja nichts mehr verkehrt machen konnte fing der Depp auf einmal an, ein mords Stageactig zu machen, ( schade, das wir das nicht auf Video haben, das währe was für Uups, die Pannenshow gewesen ) so dass es natürlich bald jedem auffiel, dass er nur so tat als ob. Und wie nicht anders zu Erwarten, fingen bald einige aus dem Publikum an zu rufen: "Bassolo, Bassolo". Es dauerte nicht lange, bis das gesamte Publikum unter Johlen und Hohngelächter den Wutz aufforderte, doch mal was zu Zeigen. Jaha, da ging dem Onkel Großmaul aber mal ganz schön die Düse! Kreidebleich und zitternd vor Aufregung flüsterte er kleinlaut zum Toml: "Hilf mir doch, was soll ich denn jetzt machen?" Und Toml ging breit Grinsend zu ihm rüber, sagte nur: "Gib mal her das Ding!", riß den Bassverstärker auf, was das Ding hergab, und knallte den Leuten ein Bassolo um die Ohren, dass Ihnen Hören und Sehen verging. Wir spielten dann noch ein paar Nummern, der Wutz verkroch sich geknickt in irgend ein dunkles Eck auf der Bühne, und verzichtete ab sofort auch auf seine Basspantomime, denn die nahm ihm ja doch keiner mehr ab.

Ja, so war das damals beim ersten Auftritt. Nicht schön, aber lustig! Unnötig zu Bemerken, dass wir uns natülich danach Besoffen haben bis das Mittagessen nicht mehr sitzen bleiben wollte. Nach diesem Auftritt heuerte ich so nebenbei für ein Weilchen bei Carnage als Gitarrist an, was den Vorteil hatte, dass wir mit unserer Band auch im Carnage-Übungsraum proben konnten. Aber das ist eine andere Geschichte.
 

Bild von Toml

Hi Winny,
wie geil ist das denn! Sehr gut, das Ganze. Ich hark noch ein par zu große Buchstaben raus, dann ist es perfekt. Eine kleine Korrektur: Das letzte Proben fand statt im Probenkeller vom Max, neben dem McDonalds in der Kufsteiner Straße. Damals war noch eine Videothek drin. Aber eigentlich ist's wurst.

Bild von Holli

Wie geil!!! Der Scheiß liest sich (trotz Schraibpheler) super!! Auch wenn man den Inhalt schon 'zig Mal von diversen Leuten mündlich vorgetragen bekommen hat, könnt ich vor lachen kotzen!!! Super!!!                                                   Don't forget your Roots and stay Metal !!!

Bild von Michi

Da haßde recht, ich lach mir auch grade aus der Figur. Hoffentlich kommen bald die Walterstorys, da freu ich mich jetzt schon drauf.
 
Stay Blackspidering

Bild von RoofDamage

Neben der Tatsache, dass der Text wirklich köstlich ist und nicht mal mich deshalb noch Rechtschreibfehler stören (...Bassolo? Basssolo?! ), ist die Vetternwirtschaft immer noch so asslig wie damals..

tja, manche dinge ändern sich eben nie..