1986 - Der Plan


By Toml - Posted on 28 November 2008

1986 war ich noch in der Schule und versuchte, mir irgendwann mein Abitur zusammenzuschustern. Bis zum eigentlichen Ende meiner Schulzeit war es noch eine Weile hin, aber ich war seit kurzem mobil und konnte damit auch selbst meine Abendgestaltung planen und durchführen. Schule war zwar nicht ganz unwichtig, da würde ich jetzt lügen, aber so ganz ernst konnte ich das Ganze nicht wirklich nehmen, schließlich war der Abschluss noch eine Weile hin, das Klassenziel habe ich dank den Naturwissenschaften und trotz Latein immer ziemlich unangestrengt hingekriegt - mehr wollte ich eigentlich auch nicht. Wie sagt man so schön: Ein unauffälliger Schüler.

Mit dem Erhalt der Fahrerlaubnis änderte sich jedoch so manches. Nix mehr Dorfwirt, jetzt mal selber schön nach Rosenheim fahren und irgendwann wieder heimkommen. So richtig weggehen war ja damals bei mir nicht wirklich möglich, erstens nahmen meine Eltern das Gesetz zum Schutze der Jugend in der Öffentlichkeit sehr genau - und damals durfte man als unter 18 jähriger nur bis 10 weggehen und zweitens gibt es nichts Peinlicheres, als sich vor dem Pernloher Keller von Vati abholen zu lassen (Durchsage vom DJ: Der kleine Toml soll bitte nach draußen kommen. Der Pappi wartet.). Ich wohnte damals auf dem Lande - und zwar richtig brutal auf dem Lande, mit 2 km Fußmasch zur nächsten Bushaltestelle, von der zweimal am Tag ein Bus nach Rosenheim fuhr (natürlich nur tagsüber und niemals nachts) und 10 Meter Fußweg über den Hof bis zum Klo. (Gut, bei Letzterem übertreibe ich ein bisschen. Es waren 5 Meter.) Also besoff ich mich lieber beim Dorfwirt um die Ecke und lernte dabei so ganz nebenbei noch das eine oder andere lustige Kartenspiel.

Irgendwann um diese Zeit muss es gewesen sein, da kam mir die Idee, Ju-Jutsu zu machen. Mein Freund Holger (ebenfalls metallisch unterwegs) machte das schon seit 3 Monaten und klang eigentlich ganz zufrieden. Ich glaube, es war in der zweiten oder dritten Trainingseinheit, da lernte ich den Scholz kennen. Er gehörte damals schon zum Pernloher Keller-Stammpersonal und fuhr einen abgewarzten bonbonblauen Opel Kadet B. Damals fuhren eigentlich so ziemlich alle Manta: Der Kronest, der Bauern Charlie, der Werner (nicht unser Werner, der von der Gredi) und natürlich Winny. Die Karre bekam ihr fürchterliches Image erst einige Jahre später. Übrigens: Der heute so Mantabesessene Daxei von Mortuus Infradaemoni fuhr damals noch Mofa, und dann erst mal seinen Ford Fiesta, den Kultfiesta mit dem Death-Logo auf der Motorhaube.

Scholzei erzählte mir, dass jeden Donnerstag im Okay, dem Vorgänger-Lokal vom Stingray (gibt's inzwischen auch nicht mehr, inzwischen ist da irgendwas mit Table-Dance oder so) Metal gespielt wird und dass ich mich da gefälligst auch mal hinzubemühen habe. Okay, sowas sagt man mir nicht zweimal (zumindest damals nicht).

Naja, Metal war es zwar nicht, was da gespielt wurde, aber ganz okay. Typischer Foreigner-Bon Jovi-AOR. Die Slayer-BodenThrash-Zeiten sollten erst noch kommen - dazu aber ein anderes Mal. An unserem Tisch saßen noch ein paar andere Leute, von denen ich keinen kannte - woher auch, ich war damals nicht wirklich in Rosenheim unterwegs. Scholz stellte mir sie der Reihe nach vor, ich habe sie alle schon wieder vergessen, nur einen nicht: Das ist der Winny. Servus Winny, Toml heiße ich (ich hieß damals schon so), ja, mir auch ein Weißbier - und dann ging's los. Unsere Themen waren schnell gefunden: Metal, Slayer, Popperschweine, Metallica und Metal. So brüllten und tranken wir uns durch den Abend. Irgendwann sagte Winy den legendären Satz, den ich hier mal als die Geburtsstunde von Phantom Lord festhalten möchte:

"I ko singa wia da Dirkschneider" (Gemeint war der Sänger von Accept).

Ich drauf: "Geil. I spui Gidarr" (oder war es Schlagzeug? Ich weiß nicht mehr, jedenfalls hatte ich Gitarre, Schlagzeug und Bass zu Hause rumstehen - alles nicht sehr profesionell, mein E-Bass kam damals aus der Zone, aber zum Lärmen ging's)

Winny: "Geil, dann machen wir halt eine Band."

Tja, warum eigentlich nicht? Jeder Metal-Fan, der was auf sich hält, plant irgendwann mal die Gründung einer Band. So ganz unbeleckt war ich damals eh schon nicht. Seit 7 Jahren lernte ich damals Gitarre, was mir eigentlich nie so richtig Spaß machte. Ich musste nämlich klassische Gitarre lernen. Auf dem Land waren Metal-Lehrer zu dieser Zeit noch sehr dünn gesäht. Mit den Noten kam ich nie so richtig klar und tu das bis heute nicht. Ich kann gerade mal aus den # und b die Tonart rauslesen, Dur von Moll unterscheiden und letztendlich die richtige Lage finden und etwas einigermaßen vernünftiges dazu spielen. Im Prinzip reicht diese Grundlage auch, wenn man es drauf anlegt, Songs zu begleiten und das harmonische Gerüst einer Band zu tragen. Melodieführung und Solospiel ist allerdings damit leider nicht drin, weswegen ich mich dann auch zwangsläufig darauf beschränkte, zu begleiten. Das kann ich allerdings recht gut. Mein Vorteil ist, das ich schon sehr früh zu singen begonnen hatte und in der Schule in allen möglichen Chören und Dreigesängen aufschlug. Für meine Art des Komponierens ist das eigentlich eine ziemlich gute Kombination, ich kann die Melodie singen und die Begleitung über das Instrument zusammenstellen. Winny macht es auch nicht anders, der ist darin fast noch besser als ich.

Naja, gut, ich schweife ab. Die Idee mit der Band fand ich damals ziemlich geil. Meine erste und einzige Band vor Phantom Lord war ja vor einigen Wochen ziemlich enttäuschend in die Brüche gegangen. Mit Wolfgang, Max und Christian spielte ich damals in einer Kapelle mit dem absolut unrerirdischen Namen Ignition - keine Ahnung wer auf den Scheiß gekommen ist. Max und Wolfgang waren damals bereits richtig geil auf ihren Instrumenten. Es ist zwar nicht mein Sound, aber wenn der Gitarrist das Solo von Rosanna (Toto, Steve Lukather) fehlerfrei und absolut authentisch zum LP-Playback runterzockt, dann hat das eine nicht unbestreitbare Qualität. Ich war im Vergleich dazu eher scheiße, also musste ich irgendwann gehen. Schlimm war's nicht, die Musik war eh nicht so mein Fall (Toto, Saga, Queen, Bla), aber die erste Band ist für einen jungen Menschen meistens die intensivste Erfahrung. Gut, für mich nicht, es gibt ja Phantom Lord. Oder zumindest ging es an diesem Abend los.

Wir beide stellten nämlich ziemlich schnell fest, dass wir den gleichen Musikgeschmack haben. Bis auf ein paar kleine Unterschiede hörten wir den gleichen Sound (Winny fuhr damals ziemlich auf Possessed ab, die ich bis heute zwar kultig und wichtig, aber nicht wirklich gut finde.) und so war das Fundament für die Musik, die wir irgendwann mal machen wollten, bereits gelegt - und wenn ich ehrlich bin: Diese eher implizit geschaffene Vereinbarung hat sich bis heute gehalten. Immer noch kanst Du heute jedes beliebige Lied nehmen, es durch den Phantom Lord-Durchlauferhitzer schicken und hinten kommt ein Song mit dem typischen Lordischen Klang heraus. Hört Euch mal live "House of the Rising Sun" an, dann wisst Ihr, was ich meine. Ich habe immer noch die Hypothese, dass wir sogar "Mama" von Heintje nach Phantom Lord klingen lassen könnten, sollten wir je eine Kneifzange finden, die groß genug ist, dass wir dieses Machwerk angreifen würden. Bäääääh.

Wenn uns übrigens damals, 1986, irgendein Mensch gesagt hätte, dass dieses schreiende  rhombenförmige Baby da drüben  irgendwann einmal unser Gitarrist werden würde, hätten wir ihm wahrscheinlich den Vogel gezeigt...

 

Bild von RoofDamage

echt gut geschrieben, da bleibt man dabei, auch wenns echt noch viel zu lesen ist..

aber was ist eigentlich rhombenförmig? ^^

Bild von Toml

Eine Raute oder Rhombus ist ein ebenes Viereck, bei dem alle vier Seiten gleich lang und paarweise parallel sind. Mehr steht hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Rhombus

Bild von RoofDamage

groteske vorstellung, so auszusehen...

Bild von Winny

Viel habe ich nicht zu berichtigen, nur: Scholzei fuhr keinen Manta, sondern einen abgefuckten Bonbonblauen Opel Kadett B. Manta fuhren der Kronest, der Bauern Charlie, der Werner ( Gredi ) und natürlich Ich. Der heute Mantabesessene Daxei fuhr damals noch Mofa, und dann erst mal seinen Ford Fiesta. Manta gabs für ihn erst viel später. Und der Stingrayvorgänger hieß OKAY.

Bild von Toml

Hi Winny,

merci Dir, ich habe es gleich ausgebessert. Bis gleich,

Toml

Bild von Holli

"An unserem Tisch saßen noch ein par andere Leute, von denen"
 "und dan ging's los. Unsere Themen waren"

Bild von Toml

Hi Holli,
merci. Meine Tastarut nimmt meine schnellen Anschläge manchmal nicht so, wie sie soll. Blöde Tastarut.
Stay pattgrdeth!