04: Obey the Carpenter


By Toml - Posted on 25 Januar 2012

Von Toml

Dieses Lied war ursprünglich mal ein Wunsch von Werner (Ja, genau, der Werner, der sich mal für kurze Zeit bei uns als Manager versuchen konnte. Dazu schreib ich mal lieber nichts.). Vor ca. zweieinhalb Jahren haben wir aus dieser Idee einen Song erstellt, der uns allerdings schnell nicht mehr gefallen hatte: Er war, wie Michi es gestern so richtig ausdrückte, ziemlich gezwungen. Mich hat vor allem gestört, dass er keine vernünftige Steigerung hatte, also z.B. keinen Refrain oder etwas, was den Charakter dieses Liedes ausmacht. Also beschlossen wir, das ganze Lied neu zu schreiben. Holli kam beim herumdaddeln auf einen schönen Riff, der das Ganze deutlich besser einleitet, als das ursprüngliche Geschrabbel. Michi setzte noch einen schönen Sololick drüber und die Grundidee des Ganzen war geboren. Danach kam allerdings der Auftritt und diverse Urläube dazwischen, so dass wir diese Idee erstmal auf Eis legten. Michi nahm mir noch den Gitarrenriff und diverse Licks dazu auf und sendete es mir per E-Mail. Ich machte mich nun daran, das Ganze in ein Lied umzumodeln.

Damals kam endlich das letzte Trum von meinem neuen Studio ins Haus geflattert. Um das Ganze mal auszuprobieren und neue Erfahrungen zu sammeln, setzte ich mich also hin und komponierte aus dem vorhandenen Material einen neuen Song, der das ursprüngliche "The Door on the Upper Arm" meines Erachtens um Längen schlägt. Meine Art, sowas zu machen, ist eigentlich ganz einfach: Ich nehme auf, was ich habe, mische es ab und brenne es auf CD. Bei meiner nächsten Autofahrt wandertr das Ganze in den CD-Player und ich versuche, eine vernünftige Gesangsline sowie eine Fortsetzung des aufgenommenen Krams zu finden. Die eigentliche kognitive Leistung dabei ist nicht das Finden von Text und Melodie, sondern das neue Zeug bis nach Hause nicht zu vergessen. Danach geht's sofort ins Studio, um die Ideen aufzunehmen. So entsteht nach und nach eine neue Phantom-Lord Nummer. Winny macht es eigentlich genauso. Ich möchte nicht wissen, wie viele gute Ideen schon auf den Straßen und Autobahnen zwischen Rosenheim und München liegen. Egal. Mittlerweile habe ich ein iPhone und tu mich deutlich leichter...

Blöderweise stellte ich nach Beendigung der Aufnahmen fest, dass der alte Text überhaupt nicht mehr zu dem neuen Zeug passt. Das heißt also: Text ändern. Zunächst probierte ich noch ein wenig an den alten Lyrics herum, kam aber sehr schnell darauf, dass hier einfach nichts mehr zu machen ist. Also musste ein neuer Text her. Und wenn man schon dabei ist, kann man gleich auch das Thema ein bisschen variieren, denn zu den neuen Riffs passt Werners "Heldengeschichte" definitiv nicht dazu. Das Ganze ist eigentlich eher eine Pantera-Prong-Nummer, wie ich sie liebe: Absolut groovige Rhythmusarbeit, Riffs, die nur aus 2-3 Tönen bestehen, aber schön mit der Bass-Schlagzeugabteilung mitknacken und ein akustischer Vulkanausbruch als Refrain. Also muss textlich eher eine Splatternummer her...

Ziemlich schnell kam die Idee auf, unseren Michi mal textmäßig zu verewigen. Michi ist ja seit einiger Zeit unser Obei, sein Samerberger Hausname. Was dazu führt, dass wir jedes Lied, in dem das Wort "Obey" vorkommt, etwas falsch in der Aussprache gestalten ("O-Bei your Master" oder "O-Bei your depraved commander"). Michi nimmt's mit Humor und hat ebenso seien Spaß dabei (siehe die Thunderbulls-Photos). Also war der neue Titel sehr schnell auf der Welt: Obey the Carpenter - Gehorche dem Schreiner (Michi ist Schreiner). Und wenn man es mit Komma schreibt, kann man dieses Lied auch "Obei, the Carpenter" (Obei, der Schreiner) nennen. Birgit sagte mir gestern zwar, dass "carpenter" eigentlich Zimmerer heißt, aber Leo sagt mir genau das Gegenteil, also bleibt's bei Carpenter, zumal "Obey the Cabinet Maker" echt nicht klingt. Textlich geht es darum, dass Michi einen Baum fällt und sich daraus eine Eckbank und einen neuen Tisch baut - das Ganze unter bösartigster Beschimpfung der hinterhältigen Dreckspflanze! Hört sich absolut heavy an und war eigentlich recht schnell fertig - ich denke, dass ich für den Text nicht mehr als eine Stunde gebraucht habe.

Als ich danach vom Computer aufblickte, war von "The Door on the Upper Arm" nicht mir viel übrig. Mich stört's nicht, ich mochte die Nummer eigentlich nie so richtig (den Text schon, der war recht lustig) und ich hoffe, Werner wird's überleben. Lieber keine Huldigung als eine schlechte. Dafür haben wir jetzt eine wunderschöne und rhythmisch sehr interesante Death'n'Roll-Nummer, die unsere CD sicherlich schmückt...