2011 - Wahnsinn im BlackBurner


By Toml - Posted on 25 November 2011

Es ist vielleicht doch ganz gut, seinen Enzyklopedia-Eintrag ein paar Tage wirken zu lassen, dann weiß man, ob man aus der noch vorhandenen Euphorie heraus schreibt, oder ob es wirklich gut war. Jetzt, da Kommentare von allen Ecken gekommen sind - sogar Rob, der Betreiber vom BlackBurner hat geschrieben – weiß ich, dass es wirklich sehr geil gewesen sein muss. Man weiß ja, das ich live vor allem aus dem Stammhirn spiele.

Aber von Anfang an. Rob hat uns ja schon zwei Wochen vorher die Möglichkeiten seines Clubs gezeigt. Eine schöne Bühne mit Lichttraversen und eine sehr brauchbare PA. Und – wir kommen unserem Ziel „Bar auf der Bühne“ immer näher – eine Bar neben der Bühne. Was besonders geil ist, denn dann versammeln sich schon mal viele um die Stage herum, der Getränkenachschub ist dann gesichert. Leider hat er noch keinen Hausmischer, so dass wir uns um den Sound selbst kümmern mussten. Daher fing der Samstag schon ziemlich früh an. Nichts ist blöder, als wenn Dir unter solchen Bedingungen die Zeit ausgeht. Alle sind genervt, der Sound ist kacke und die Leute kommen nicht wieder. Ziel war es also, ganz bewusst ein schönes Ausrufezeichen zu setzen, auch soundtechnisch.

Ich war also schon um 10 Uhr beim Winny, um unsere Mikro- und Boxenkabel zu putzen und das komplette Gesangs- und Abnehmgelumpe zu sortieren, damit wir ja nichts vergessen. Wolfi hatte ähnliches Geraffel mit seinem Klopfwerk, zumal er es noch putzen und neu befellen wollte. So dauerte die ganze Aktion (Abbau, Hochschleppen, Tetrisspielen im Bus mit den Teilen, Raum durchkehren) doch bis 13:30. Man will es nicht glauben.

Gottseidank konnte uns Rob einen Lift in den ersten Stock anbieten, so mussten die Jungs das schwere Gerödel nicht in den ersten Stock schleppen. Dann als erstes schon mal die Hiobsbotschaften: Rob liegt mit Migräne im Bett und das Mischpult steht neben der Bühne (eigentlich sollte das Teil ja dort stehen, wo es gemeinhin zu stehen hat: An der Spitze des gedachten Dreiecks zwischen den Boxen und eben dem Mischpult). Der Techniker, der da war, erklärte mir kurz die Kanäle und ich war dann erstmal eine Zeitlang beschäftigt, dieses mir völlig unbekannte Pult kennen zu lernen und zu prüfen. Auch deswegen bin ich froh, dass wir genug Zeit eingeplant hatten. Mit neuen Equipment guten Sound zu produzieren ist entweder unmöglich oder dauert sehr lange.

Irgendwann kamen auch die Jungs von Thought Police, unserer Vorband vorbei. Ich hatte am Vorabend noch mit dem Gitarristen Max telefoniert, im Ergebnis mussten sie zweimal aus Ebersberg herfahren, weil sie mit eigenem Schlagzeug kommen mussten. Nachdem bei einem Gig der Schlagzeuger der Vorband mal Wolfis ca. 200 Euro teure Triggerfelle beulig gedroschen hatte und es natürlich danach nicht war, ist Wolfis Schlagzeug sakrosankt – absolut verständlich in meinen Augen. Für zwei Schlagzeuge war die Bühne aber ein bisschen eng, so stand das Set von Thought Police links auf der Bühne, was ein eher ungewöhnlicher Anblick war, aber es ging leider nicht anders. Respekt vor den Jungs, dass sie zu keiner Zeit darüber irgendwie maulten, sie sagten einfach „Okay“ und zogen an. Kennt man auch anders.

Zuerst mal war aber unser Soundcheck dran. Es war ziemlich schwierig, alles korrekt einzupegeln, wenn man permanent zwischen Mischpult und vor der Bühne hin und her rennt. So konzentrierte ich mich erstmal darauf, dass der Grundsound, der von der Bühne kommt, passt, bevor ich mich daran machte, über die PA noch die wichtigen Frequenzen zu verstärken. Gut, dass Michi, Winny und Holli die Gitarren weitestgehend selbst übernahmen, so dass ich am Ende bei ihnen nur noch Lautstärken und hohe Frequenzen angleichen lassen musste. Die von Rob zur Verfügung gestellte PA erwies sich dann als ziemlich geiles Teil, mit dem ich im Ergebnis dann einen recht brauchbaren Sound zusammenstellen konnte. Zumal ich, eingedenk der letzten Auftritte, diesmal keine Kompromisse bezüglich der Lautstärke machte, so das alles klar rüberkam und wir uns auf der Bühne endlich mal alle hörten. Schwieriger war da schon der Wolfi ins Krachen zu bringen, seine Watttonnen lieferten erstmal nur ein müdes Geplotte, ohne Bauch und Körper. Da ich mich mit seinem Zeug nicht auskenne (und das auch gar nicht will), kamen wir erst nach gefühlten zwei Stunden zu einem brauchbaren, nach drei Stunden zu einem guten Ergebnis. Insgesamt hatten wir um 6 Uhr einen richtig schönen Sound auf und vor der Bühne. Wie wir das gemacht haben, weiß ich leider nicht mehr, so dass die Lessons Learned diesmal ausblieben, aber das nächste Mal weiß ich wenigstens, was wir nicht mehr machen.

Thought Police hatten dann noch ca. eine Stunde für ihren Soundcheck, leider war deren Bassdrum kaum zu hören, weil zu viele Decken in der Trommel vor sich hin vegetierten, aber im Hinblick auf die wenige Zeit mussten wir es so lassen. Der Rest passte und so konnten wir dem Ganzen relativ entspannt ins Auge sehen.

Um kurz vor neun legten Thought Police dann los. Viele Fans der Band waren am Start und pogten vor der Bühne herum, die Band selbst stand dem in nichts nach und lieferten einen astreinen Set aus vielen schnellen Stücken, die alle sehr angenehm nach den frühen Slayer klangen. Für das, dass das ihr zweiter Auftritt war, allerhöchsten Respekt. Sehr geil fand ich auch die Idee mit dem Fußball im Publikum, was den Mob erst so richtig zum toben brachte. Interessant fand ich dann aber doch die Tatsache, dass der alte Spruch: "Wer schneller spielt, ist schneller fertig" auch hier Bestand hatte. Die Jungs legten ein dermaßenes Tempo vor, dass die eingeplante Spielzeit von 45 Minuten schon nach 25 Minuten zuende war. Inklusive einer Zugabe! Da hat sich wohl wer gegenseitig hochgepusht... Wenn das wirklich so ist, möchte ich die Stücke in der Originalgeschwindigkeit nicht hören. Jungs, bleibt so schnell, das kommt extrem gut rüber! Schöner Auftritt!

Rob kam dann doch irgendwann an, meinte nur lapidar: Metal heilt, setzte sich kurz vor die Boxen und war danach wie ausgewechselt. Migräne heilen durch Metal. Wenn das keine Revolution in der Schmerzforschung ist, dann weiß ich auch nicht. Jedenfalls: Schonmal vielen Dank an Dich und Deine Jungs an dieser Stelle. So komfortabel sind wir noch in keinem Club aufgenommen wirden: Jeder noch so krude Wunsch wurde uns erfüllt, es war immer gut zum Essen und trinken gesorgt und alle waren absolut zuvorkommend. Ja, wir kommen sehr gerne zurück! Valeria baute mir in der Zwischenzeit noch einen schönen Dreizackbart mit der Hilfe von Zuckerwasser (bestell mal an der Bar ein Schnapsglas voller Wasser und zwei Würfel Zucker drin und du wirst in verständnislose Augen blicken), so dass mein Äußeres der Würde des Tages angepasst war, wir aßen noch fleißig unsere Pizza und dann konnte es auch schon losgehen.

Extra für diesen Abend hatte ich uns ein neues Intro zurechtgezimmert. Das alte (aus Life of Brian) war etwas zu kurz, also habe ich noch den Anfang von Spinal Taps Stonehenge vorangestellt und die Brüche zwischen den Teilen mit viel Donner, Wind, Regen, Wolfsgeheul, Bomben und unnötigen Explosionen zugekleistert. Dazu noch eine Bassspur für beide Songs eingespielt (und such Dir mal die Bassspur von Live of Brians Intro, da krisse Plack), weil beide Originalversion sehr, sehr dünn waren. 70er Jahre halt. Aber es hat sich gelohnt. Durch die Verlängerung unseres Intros auf über zwei Minuten konnten wir vor dem Bühnengang noch kurz letzte Details besprechen, abklatschen und in aller Ruhe die Stage mit dem Masskrug über dem Kopf gehalten betreten. Dieser Einlauf ist legendär und wird uns wohl unsere komplette Karriere begleiten. So genial. Und ich glaube, der Wirt freut sich auch darüber, denn jeder Zusauer im Publikum sagt an der Bar angesichts unsere Geißhuldigung: "Ich will auch sowas, was die da haben...". Im Ergebnis haben wir es wieder mal geschafft, dass unsere Zuschauer den Wirt leertrinken. Das war im Blackout genau so: Beim ersten Auftritt von uns unterschätzen die Wirte gerne, was eine gute Werbung für Geißeleinteile alles ausmacht. Das nächste Mal weißt Du es, Rob: Wenn wir spielen, brauchst Du viel dunkles Bier, viel Cola und viel Cognac. Und natürlich viele Krüge. Dann musst Du auch nicht um 23:00 Uhr nochmal zur Tanke. Wir haben es Dir ja gesagt...

Zwei Stunden Spielzeit wollen gefüllt sein, und so hatten wir für diesen Abend einen guten Mix aus unserem Katalog und schönen Covers zusammengestellt. Langweilig soll es ja nicht werden, also trampelten wir erstmal mit Blood, The Oooaaargh of Braaaaa, Revenge und Key of Slavery auf die mittlerweile 200 Zuschauer los, bevor wir mit Death Metal War Machine von Debauchery ein erstes Highlight setzten. Für den nächsten Auftritt wünsche ich mir nur, dass ein paar mehr Leute mitsingen. Als Tipp: Gebt mal bei YouTube Misheard Lyrics Debauchery ein und lernt den Text der Nummer. Mein Wunsch ist es, dass irgendwann mal alle Zuschauer "Jodel-Leute Doof!" singen. Die Nummer selbst ist saugeil, feinster Death'n'Roll. Ich musste zwar am Anfang ein bisschen Überzeugungsarbeit im Proberaum  leisten, aber das musste ich ja bei Pokerface auch und mittlerweile gehen die Dinger ab wie Schmids Katze.

Sehr bald war dann auch schon Master of Puppets fällig, mit dem Ziel, auch den letzten Zuhörer noch von der Bar vor die Bühne zu locken. Hat auch funktioniert, leider nicht vollständig, denn an diesem Abend brauchten wir doch gut und gerne 45 Minuten, um das Publikum richtig anzuheizen. Eigentlich ein guter Wert dafür, dass uns viele nicht kannten. Und fällt auch bei zwei Stunden Spielzeit nicht wirklich ins Gewicht. Ich denke mal, dass die Toberei beim nächsten Gig im Blackburner wesentlich früher los geht. Mittlerweile bringen wir so gut wie jeden Saal irgendwann zum Kochen.

Nach gut einer Stunde dann mein zweites persönliches Highlight: Evelyn von Volbeat. Ich durfte die Stimme singen, die normalerweise Barney Greenway von Napalm Death bzw - live - Lars Göran von Entombed (auch eine meiner absoluten Lieblingsbands) singt. Dazu musste ich mir in den letzten Monaten eine komplett neue Gesangstechnik draufschaffen. Das Ergebnis vielen Experimentierens und Verwerfens war ein recht amtliches Abbild eines guten Death Metal-Sängers, was dem Stück sicher keine Schande gemacht hat. Zudem konnte ich mit Winnys Bühnenmikro noch schön über die Bühne rennen, um das Ganze auch optisch nach vorne zu bringen. Gelohnt hat sich die Mühe auf jeden Fall, ich habe zwar nicht viel von den Reaktionen gesehen, war komplett in meiner eigenen Welt, aber was mit im Nachhinein erzählt wirde, mus es gut angekommen sein.

Erfreulich war auch, dass unsere eigenen Stücke nicht abfielen, teilweise sogar echte Glanzlichter setzten. Bei Swordtime oder Warcry habe ich von der Bühne aus viele Leute mitbangen sehen. Und was mich besonders gefreut hat: Sogar Rob ging dermaßen steil, dass es schon nicht mehr feierlich war. Ich habe noch nie in meinem Leben erlebt, dass der Clubbetreiber selbst in der ersten Reihe steht und mitschädelt. Wahnsinn im BlackBurner.

Unseren Set beschlossen wir mit unserer neuen Kultnummer Pokerface. Danach war es natürlich unmöglich, aufzuhören, wir hatten die Leute sehr gut angeheizt und sollten sie nun fertig machen. Das gelang uns leider zu gut, nach Balls, Highway, Yellow, Fata, Ace und unserer Bandhymne 10 Halbe Bier wollten wir wie geplant aufhören, durften aber nicht. Also schoben wir noch (ungeprobt) Whiskey und Metal Heart hinterher. Auch dann gaben die Leite noch keine Ruhe. Daher beendete unser Phantom Lord von der Magma-CD endgültig den Abend. in meinen Augen hätte es die letzte Nummer nicht mehr gebraucht, denn für einen Rausschmeißer ist die Nummer eigentlich viel zu schade, aber okay, dann sollte es halt so sein.

Komplett im Arsch nach fast zweieinhalb Stunden Spielzeit verzogen wir uns erstmal nach hinten, dann an die Bar, bevor wir so um 3 Uhr das Auto volluden und um halb 5 dann endgültig die Segel strichen. Als Gesamtbewertung kann ich an dieser Stelle Michis Gruß an Rob unkommentiert stehen lassen: Es war ein saugeiler Abend, hat sich wirklich gelohnt, die Schlepperei. Allen Dank nochmal an Rob und seine Crew. Kann mich nicht errinnern, daß ein Veranstallter sich mal so um die Band gekümmert hat. Vom feinsten! Dank auch an alle, die da waren und mitgefeiert haben. Ihr seid die Besten!

Bild von Toml

So, Jungs, dann kommt mal rüber mit den Stories. Ich kann ja nur meine Perspektive schildern, bin gespannt, was Euch noch so alles passiert ist...

Bild von Holli

Meine Story ist drin, hab ne untergeordnete Buchseite erstellt!
Vom Rest erwarte auch ich einen Bericht!!! UND Kommentare zu den Bildern!
 
Servus midnand!