2009-06-18: Das Caveman-Studio ist fertig


By Toml - Posted on 18 Juni 2009

Nachdem wir unsere letzten beiden CDs in fremden Studios abgemischt haben, und wir mit dem Ergebnis nie zu 100% zufrieden waren, wollen wir es diesmal wissen und alles selbst machen. Aufgenommen haben wir ohnehin schon alles was ging in den diversen Proberäumen bzw. bei mir zu Hause, warum also nicht gleich Nägel mit Köpfen machen und das Ganze ins heimatliche Arbeitszimmer verlegen. Dazu braucht es eigentlich nicht viel. Viele Menschen meinen, ein Studio muss mit vielen teuren und neumodischen Schnickschnack ausgerüstet sein, möglichst viele Lichter müssen blinken und alles soll schön unübersichtlich sein. Womöglich stimmt das sogar, wenn man davon ausgeht, dass man als Studiotechniker jede Woche neue Bands hineinbekommt, die wenig bis keine Ahnung von Arangement und sauberem Spielen haben und als erstes die Frage stellen, welcher Pitcher, oder welcher Drum- oder Gitarrenquantisierer in dem entsprechenden Studio vorhanden ist. Ich bin der Meinung, dass die besten Scheiben diejenigen sind, die den Originalsound der Band möglichst wenig verändern, als einzige Effekte den Equalizer, einen Reverb, eventuell etwas Delay und natürlich einen Kompresor benutzen, dafür aber gründlich und sauber eingespielt wurden. es ist ein Irrglaube, dass durch technischen Einfluss der Gesamtsound der CD besser wird, er wird nur beliebiger und austauschbarer. Leider lernt man das erst nach einigen Jahren und vielen blauen Nasen bzw. heftiger Kritiken, die wir ja im letzten Jahr einstecken musten - und zwar absolut zu Recht.

Aus diesem Grund machte ich mich daran, mein Homestudio zu einem echten Kleinod auszubauen, dort Geld zu investieren, wo man es hört und braucht, dafür dort Geld zu sparen, wo es sinnlos ist und von keinem Menschen wirklich gebraucht wird. Gitarrenpitcher und Taktbereiniger kommen mir beispielsweise nicht ins Haus! Hier zählt noch echte Handarbeit und wenn es drei Tage braucht, einen Song auf der Gitarre sauber zu spielen oder einen Refrain korrekt einzusingen, dann dauert es eben drei Tage. Erste Lektion von Rules: Nur nicht hetzen!

Mein Caveman-Studio besteht eigentlich nur aus vier Modulen, die richtig Geld kosten: Einem schnellen Computer (das muss sein), einer vernünftigen Soundkarte, zwei Paar Monitorboxen (ein Paar sehr gute, um Feinheiten rauszuhören, ein paar Mini-Heimanlagen-Boxen, um den Sound so anzuhören, wie er bei Otto Normalmettler aus den Boxen quillt.) und drei guten Mikrophonen zum Aufnehmen von Gitarre und Gesang. Hinzu kommt noch unser Bandaufnahmegerät, was wir uns schon für die Rules-Produktion zugelegt haben und das immer noch ein amtliches Teil ist. Bisschen schwer zu bedienen, aber dennoch saugeil! Nun kan es also los gehen.

Das Schlagzeug nehmen wir, wie auch bei Rules, direkt von Wolfis D4, das heißt, eigentlich nun von Wolfis DM-5, da sein D4 ja unserem feuchten Raumklima zum Opfer gefallen ist. Ich weiß noch nicht genau, wie ich es in der Praxis mache, das muss ich noch aufprobieren, mein Favorit ist aber das Einschleifen des D4 über ein MIDI-Modul in den Computer für den Kesselsatz sowie das direkte Aufnehmen der Becken und zusätzlich noch der Snare, um entscheiden zu können, ob nun die Kunst- oder die Natursnare besser klingt. Wahrscheinlich wird's de Natursnare, sag ich mal. Damit entfällt zwar die Möglichkeit, das Schlagzeug als Ganzes zu quantisieren, aber das ist bei Wolfi eigentlich eh nicht nötig, da er die einzelnen Teile immer sehr sauber spielt - jedenfalls wurde bei Rules das Schlagzeugspiel nicht kritisiert und bis auf den Sound bin ich immer noch sehr einverstanden mit dem, was er da geklopft hat. Einzelne Keselverklopfer kann man aber graderutschen, und mehr brauchen wir auch nicht.

Für die Gitarren habe ich uns zwei gute Shure SM-57 gekauft, die Dinger sind nach wie vor die besten Mikros, um Gitaren aufzunehmen. Allerdings müssen wir grade bei den Gitarren echt pingelig mit dem Sound sein. Ich hab mal den Vorschlag gemacht, dass sich jeder Gitarrist einen Sack voll Sounds zusammenstelt, die er ausprobieren möchte und diese sich so aufschreibt, dass er sie wieder herstellen kann. Wir nehmen dann alle Sounds mit verschiedenen Mikrophoneinstellungen auf, so dass wir auf ca. 15 Kombinationen pro Nase kommen. Dann mach ich eine CD von dem Ganzen, bring diese beim nächsten Mal mit zum Proben und wir suchen unsere Lieblingssounds aus. Wie sagt Winny so schön: Ich weiß schon, warum Bands wie Metallica an die 100 Amps und Gitarren im Studio haben: Man muss einfach so lange probieren, bis der Sound passt. Digitale Nachbearbeitung ist Scheiße - ich seh das genau so. 100% Zustimmung von mir gibt es auch für diesen Kommentar von Winny: "Natürlich müssen wir bei der richtigen Aufnahme darauf achten, und das noch viel mehr als bei der Rules, dass wir keinerlei Timingschwankungen produzieren. Denn erst durch Präzision, vor allem bei den Anschlägen, entsteht der Druck, der einen geilen Gitarrensound ausmacht. Das wird zwar nervig werden, (vor allem für mich gschlamperte Sau) aber leider unumgänglich! Das selbe gilt natürlich für alle anderen Instrumente auch. Den größten Fehler den wir begehen können, ist, bei einer Spur, die nicht ganz hundertprozentig ist, zu sagen: "Basst scho!". Keine Kompromisse mehr, so wie auf der Rules. Jetzt haben wir die Möglichkeit allen zu beweisen das wir es besser machen können, und das werden wir auch!" Touché.

Der Gesang war einer der Hauptkritikpunkte der Rules. Auch hier gilt gliches in Grün: Zeit lassen, anstrengen, kritisch sein und lieber noch einmal mehr aufnehmen als zu sagen "naja, für den Hausgebrauch tut es das schon...". Außerdem habe ich beschlossen, die hohen Sachen bei dieser neuen CD größtenteils zu lassen. Es klingt zwar halbwegs okay, aber das reicht mir nicht mehr. Also beschränke ich mich auf meine Stärken und lasse meine Schwächen weg. Und was ich kann, ist Brüllen und Grunten, bis die Rübe raucht. Hier spricht das Goldkehlchen!

So, jetzt ist es bald halb sechs und Winny kommt zur Studiobesichtigung. Ich meld mich wieder, sobald es was Neues gibt..

Bild von Winny

Tja, so langsam geht´s dann auch mal los. Gestern haben wir das Schlagzeug für die ersten Guide-Spuren aufgenommen, und bei dem Durstigen Wetter ist uns doch tatsächlich das Saufzeug ausgegangen! war dann doch nichts mit länger sitzenbleiben und Saufen. Dafür haben wir jetzt schon mal Wolfis Schlagzeug verkabelt, so dass wir mit der Pre - Production schon mal loslegen können. Naja, dafür habe ich Heute wenigstens keinen Kater, hat auch seine Vorteile.

Greez Winny

 

Bild von schurl

Sach ma hat der Graf von AAAAAAA wieder zum singen angefangen???

Bild von Winny

So, meine Fotos sind nun auch drin, viel Spaß beim Gucken

Stay fotogen