1992 - Bassistencasting


By Winny - Posted on 07 Juni 2009

Es war damals irgendwann nach Peters Ausscheiden, ob wir ihn jetzt Rausgeworfen haben oder er von selbst aufgehört hat, hmmm? Ich bin mir nicht so ganz sicher, wenn ich nur nicht so Vergesslich wäre. Aber ist ja eigentlich auch egal. Auf jeden fall waren wir auf der Suche nach einem Bassisten.

Das gestaltete sich nämlich gar nicht so leicht wie man vielleicht glauben mag, denn Bassisten sind ein rares Gut. Und gute Bassisten, nach so was suchten wir nämlich, waren und sind schwerer zu finden als die Berühmte Nadel im Heuhaufen.

Es gibt nämlich nicht so viele Leute die sich dem erlernen des Viersaiters verschrieben haben. Dem Jungmetaller/Rocker fallen natürlich in erster Linie die Gitarristen ins Auge ( und das tut weh, das kann ich euch sagen ) bei mir wars ja auch nicht anders. Einige wollen auch den Nachbarn so richtig aufs Schwein gehen und kaufen sich ein Schlagzeug, aber der Großteil legt sich erstmal eine Gitarre zu und macht mit der ersten 200 Mark Gibson SG und einem 5 Watt Würfel daheim vorm Spiegel einen auf Agnus Young, und freut sich wie ein Gummischnitzel. Auf die Idee Bass spielen zu lernen kommen nur die wenigsten.

Das liegt vieleicht auch daran, das die meisten Bassisten in ihren Bands, wenn sie nicht auch noch der Sänger sind, von einigen Ausnahmen mal abgesehen, ein ziemliches Mauerblümchendasein fristen.Wenn man denn wirklich einen Menschen findet der Bass spielt, dann sind es meistens nur gescheiterte Gitarristen, die denken mit Vier Saiten wäre es doch viel leichter. Ist es auch, wenn man an das eigene Talent keine zu hohen Ansprüche stellt. Wenn einer einfach nur Lernfaul ist, aber ein gutes Gehör für Takt und Rhythmus hat, kann derjenige auch mit wenig Aufwand einigermaßen die Grundtöne mitspielen ohne Negativ aufzufallen. Aber wenn der Betreffende mit dem Musikgehör eines Wutzhunters gestraft ist, (ihr wisst schon unser erster „Drummer“ ) dann kann man ihn in einer Band nicht brauchen. Denn die Rhytmussektion, also Bass und Schlagzeug sind das Fundament einer Band, wenn die nicht richtig zusammen spielen, dann können die Gitarristen und der Sänger noch so gut sein, es wird sich trotzdem immer Scheiße anhören.

Und so kamen wir auf die Ruhmreiche Idee, in allen Musikgeschäften Zettel aufzuhängen, in denen wir kundtaten, das wir einen Versierten Bassisten suchen und Interessenten sich unter der Nummer blablabla... melden könnten. Wir wollten uns dann aus dem Ansturm an Topbassisten den wir in unserer Grenzenlosen Naivität erwarteten, den geeignetsten Kandidaten herauscasten.

Wir hatten die Anzeige durchaus mit viel Selbstbewustsein formuliert: Semiprofessionelle, ( eine sehr beliebte Formulierung bei Größenwahnsinnigen Provinzbands, was an sich ja der größte Schwachsinn ist den es gibt, denn entweder ist man Professionell oder nicht, „semi“ gibt’s da nicht) Engagierte Metalband aus dem Raum Rosenheim sucht guten Bassisten mit amtlichem Equipment, bitte keine Anfänger, Songmaterial und Proberaum vorhanden bitte melden bei.... und so weiter. Hatte sich was mit Ansturm! Wochenlang warteten wir sehnlichst, das sich endlich mal jemand auf das Gesuch meldete. Und tatsächlich, als wir die Hoffnung schon fast aufgegeben hatten, kam wirklich ein Anruf von einem Typen, der sich für den Bassistenjob bewerben wollte. Schnell wurden wir uns einig, dass er gleich am Freitag zum Vorspielen vorbeikommen würde. Am Telefon hatte sich das Ganze schon mal nicht schlecht angehört. Er spielte schon ziemlich lange Bass, und hatte nach seiner Aussage auch schon sehr viel Banderfahrung, also genau das, was wir brauchten.

Mit genügend Bier Ausgerüstet und voll freudiger Erwartung, trafen wir uns dann am Freitag im Proberaum bei mir im Keller. Selbst unser Blubby, der eigentlich Grundsätzlich immer zu spät kam, war damals ungewohnt pünktlich aufgekreuzt.

Nach ein bisschen Warten klingelte es dann auch tatsächlich an der Tür, wir hatten schon befürchtet er würde nicht kommen, weil er sich schon etwas verspätet hatte, und ich dachte so bei mir, das kann ja lustig werden, wenn das jetzt schon so anfängt, denn einer, also der Blubber, der immer zu spät kommt, reicht eigentlich schon. Als wir den Typen dann sahen, waren wir dann schon etwas Irritiert, denn er sah gelinde gesagt etwas Unspektakulär aus, wenn nicht böse gesagt Langweilig. Sein Gesichtsausdruck war eher müde, also nicht wie man erwarten würde gespannt auf das was ihn erwarten würde, und er versprühte eher das Flair von eingeschlafenen Füßen. Was vielleicht auch daran lag, das er, wie ich später noch herausfinden sollte, so dermaßen stoned war, das er fast in den Keller hinabschweben konnte.

Er trug Klamotten, wie wenn er gerade einen Altkleiderconainer ausgeräumt hätte, fettige verfilzte Haare, die verdächtig nach kleinen krabbelnden Bewohnern aussahen, und verströmte einen Körpergeruch, dass ich schon fast angefangen hätte zu Singen: „Walter ist wieder da“ Ziemliche Belustigung rief auch sein Bassverstärker hervor, der so winzig war, das man wirklich Angst haben musste, aus Versehen daraufzutreten. Aber wir dachten uns nichts weiter dabei, denn es war unserer Meinung nach sein Übungsverstärker, denn wenn jemand schon Jahre in verschiedenen Bands gespielt hat, dann hatte er doch sicher einen Amtlichen Verstärker zu Hause stehen, und nur keine Lust, das Riesenteil nur zu einem Vorspielen mitzuschleppen.

Als erstes setzten wir uns mal zusammen und quatschten ein bisschen, so wer er war, wo er herkam, und wo er schon überall gespielt hatte, welche Musik er sich denn anhört, und so weiter und so fort. Dann erstaunte er uns doch ein bisschen, als er sagte, Jetzt brauch ich erst mal was zu Rauchen, nach dem ganzen Stress, und sich erst mal ungeniert ein Dreiblatt-Tütchen drehte und es sich bei mir im Keller anstecken wollte. Ich sagte ihm, wenn er einen Rauchen will, dann soll er das bitte draußen auf der Straße machen. Denn schließlich wohnte ich mit meinen Eltern im selben Haus, da kam es nicht so gut, wenn der ganze Keller, der zwar zur Hälfte mir gehört, aber auch von meinen Eltern genutzt wird nach Dope stinkt,und ich hatte einfach keinen Bock, irgendwann mal Ärger mit den Bullen zu bekommen, wenn mir der Typ hier Drogen ins Haus schleppt.

Ich meine, ich bin ja auch kein Heiliger, und habe auch schon mal das eine oder andere Tütchen geraucht, aber in meiner Butze will ich das Zeug nicht haben, denn ich gehöre zu dem Typ Mensch, wenn ich bei Rot über die Straße gehe, dann steht garantiert nicht nur ein Polizist da und schaut mir zu, sondern es sind mindestens Zwei! Und der Strafzettel ist mir sicher. Ich habe in dieser Beziehung nun mal das Pech gepachtet, und wenn ich etwas mache, das die grenzen der Legalität überschreitet, selbst wenn es noch so ein unbedeutender Scheiß ist, dann habe ich immer das Pech das mir der falsche dabei zusieht. Aber Okay, daran sollte es nicht scheitern. Denn in der damaligen Rosenheimer Musikszene Kifften eigentlich fast alle, und einen Musiker zu treffen der kein Shit raucht wäre unwahrscheinlicher gewesen als vom Blitz getroffen zu werden.

In der Beziehung waren wir Biertrinker, die im Jahr vielleicht pro Nase ein bis zwei Joints rauchten, und sich lieber nur mit Bier, Goaßnmaß, Wodka, und Bacardi-Cola zu schütteten, wahrhaft Exoten.Aber von dem her war das trotzdem nicht so das Problem. Das gestaltete sich woanders. Metal war eigentlich nicht so sein Ding, aber er meinte er könne sich das schon drauf schaffen, kein Problem, alles easy. Da wurde ich dann doch ein bisschen Skeptisch, denn um Metal spielen zu können, also diese Musik gut spielen zu können, sollte sie einem zumindest gefallen, ich hatte wirklich keine Lust mit einem Typen zusammenzuspielen, der nur lustlos seine Läufe runterspielt, und der mit der Mucke die wir machten nichts am Hut hatte. Aber nun gut dachten wir, schauen wir uns erst mal an, ob er überhaupt vernünftig spielen kann. Er sagte zwar, das er gut wäre, aber das glaubte ich seit damals beim Wutz keinem mehr ungeprüft, denn schließlich erweckte der ja auch verbal den Anschein, das er auf dem Schlagzeug Gene Hoglan das Fürchten hätte lehren können, und danach stellte sich heraus, dass er nur heiße Luft von sich gegeben hatte.

Also setzte er seinen Mini-Würfel von einem Bassverstärker in Gang, und wir jammten erst mal ein bisschen, natürlich mit soweit wie möglich heruntergedrehten Verstärkern, denn sonst hätte man von dem Bassverstärkerchen nicht das geringste gehört. Ich war sogar angenehm überrascht, der Typ wusste sogar richtig gut mit seinem Bass umzugehen, und ich dachte mir, scheiß darauf, ob er jetzt Metal Fan ist oder nicht, so gut wie der ist könnte das sogar hinhauen, der bräuchte sich vom Spielkönnen her nicht mal hinterm Toml verstecken, und der ist der beste Bassist den ich kenne. Ich sagte dann dass mir das recht gut gefällt, und dass ich ihn gerne mal auf seinem großen Verstärker hören würde, das müsste gut kommen. Worauf er mich entgeistert anschaute, und fragte: welcher große Verstärker? Ich habe keinen anderen. Willst du mich verarschen? fragte ich ihn, du wirst doch nicht mit diesem Spielzeug in einer Band gespielt haben, das Teil ist ja selbst für Volksmusik zu klein! In den anderen Bands habe ich schon einen Verstärker gehabt sagte er, aber den habe ich verkaufen müssen, weil ich keinen Platz mehr dafür gehabt habe, ich wohne nämlich in meinem Auto. Ich dachte eigentlich, das ich im Proberaum einziehen kann, und wenn wir mit den Auftritten genug eingenommen haben, kann ich mir ja wieder einen kaufen.

Nach dieser Ansage standen wir wirklich, um jetzt mal Wolfis Worte zu nehmen, da wie die Teletubbies beim Staatsexamen! Wie, du willst bei mir im Keller Hausen? Wie stellst du dir das vor? Mariuhanaparties in meiner Werkstatt? Und in den Rosenbeeten meiner Mutter baust du dir dann deinen Stoff an? Sag mal hast du einen an der Waffel? Das kommt ja gar nicht in Frage! Während die anderen sich feixend abwandten und der Blubber in seiner gewohnt „feinfühligen“ Art laut loslachte erklärte ich dem Typ, das das vollkommen unmöglich ist, weil ich erstens kein Obdachlosenasyl oder eine Hippiekommune hier gründen will, und zweitens meine Mutter ihn spätestens morgen von den Bullen aus der Hütte zerren lassen würden, und dabei käme er noch gut weg, denn mein Vater würde ihn schätzungsweise gleich mit dem Axtstiel vom Grundstück treiben, so dass der Notarzt ihn gleich draußen auf der Straße zusammenkratzen könnte. Und so kamen wir dann schnell zu dem Schluss dass das mit Sicherheit nichts werden würde, und schickten ihn wieder nach hause in sein Auto.

To be continued

Bild von Toml

Hi Winny,

saugeil, die Story kannte ich ja noch gar nicht in dieser Ausführlichkeit.

Stay Trashtalking,

Toml