1994 - Speichersdorf!


By Winny - Posted on 14 Mai 2009

Einen der Chaotischsten Auftritte die wir jemals gespielt haben war mit Sicherheit auf einem Bikerfest in der Fränkischen Schweiz. Der Michi hat gemeint, es währe 1993 gewesen, aber da wir mit dem Roten Ford Sierra dort hochgefahren sind, muss es 1994 gewesen sein, denn 1993 hatte ich noch einen Blauen Kadett als Firmenwagen. Zu diesem Gig kamen wir wie die Jungfrau zum Kinde. Die Band Sigwarts, die wir auf dem Monsters of Chiemgau kennen gelernt hatten, suchte für einen Gig noch eine Vorband, und da wir gerade nichts besseres zu tun hatten, und als Vorband auch nicht unser ganzes Equipment mitschleppen mussten, sagten wir uns, warum nicht, wird bestimmt lustig.

Kohle gabs natürlich wieder mal keine, aber Benzingeld und frei Essen und Trinken war abgemacht worden. Also organisierte ich aus meiner Arbeit einen Ford Sierra Caravan mit Anhänger, in den wir unsere Äxte und Verstärker unterbringen konnten. Denn in meinen kleinen Toyota Corolla hätte ich gerade mal mein Topteil und Meine Klampfe reingebracht, und dann hätte außer mir niemand mehr Reingepasst.

Also packte sich der ganze Haufen in die Autos, damals waren wir noch zu Viert, das heißt: Michi, Carsten, Blubby und Ich. Es war Freitagnachmittag, weil wir ja alle vorher noch Arbeiten mussten, und wir hofften, den Auftrittsort noch am frühen Abend zu erreichen. Natürlich führte der Weg erst mal zum nächsten Getränkemarkt, denn die Fahrt würde ziemlich lang werden, da muste man schon genug Bölkstoff dabeihaben. Denn keiner hatte Lust, Bier oder Jim Beam Cola an der Autobahnraststätte zu kaufen. Wir sind ja nicht Rockefeller!

Auf der Autobahn ging es einigermaßen vorwärts, und es war eigentlich das Übliche, wie immer bei uns, viel Bier, viel Metal im Radio, und Viel Gegröle, und meine übliche harsche Kritik am Unvermögen der anderen Verkehrsteilnehmer. Warum in Dreiteufelsnahmen, muss der Langsamste Fahrer auf der ganzen Autobahn eigentlich immer ganz Links Fahren? Für diese Sorte Verkehrsteilnehmer müsste eigentlich die Prügelstrafe eingeführt werden! Die gute alte Bastonade, also 50 Stockhiebe auf die Nackten Fusssohlen, würden solchen Leuten sicher ein bisschen mehr Verständnis für das richtige Verhalten im Straßenverkehr beibringen. Ich finde es schon ein bisschen seltsam, wenn ich mich Strafbar mache, wenn ich so einem Ehrenamtlichen Stauführer aus Überzeugung, die Lichthupe gebe, um diesem Vollfurz klarzumachen, dass er nicht Alleine auf der Straße ist, während er ohne größere Probleme zu erwarten, 500 anderen Verkehrsteilnehmern die Zeit stehlen kann.

Ich kriege auch immer einen dicken Hals, wenn von `Drängleropfern´ gesprochen wird! Was heißt hier bitte Opfer? Um zu einem sogenannten `Opfer´zu werden, muss man erst mal Täter sein! In der StVO steht ganz klar: „auf mehrspurigen Autobahnen herrscht Rechsfahrgebot! Die Mittlere und Linke Spur sind NUR zum Überholen von langsameren Fahrzeugen zu benutzen, und nach Beendigung des Überholvorgangs umgehend wieder zu verlassen und für den Rückwärtigen, schnelleren Verkehr freizugeben!

Wer natürlich auf diese Regeln scheißt, braucht sich dann auch nicht zu wundern, wenn ihm der Obligatorische 7er BMW mit Lichthupe einen Meter hinterm Kofferraum hängt. Das ist zwar auch nicht die feine Englische Art, aber man kann sich durchaus in den Geschäftsmann hineindenken, der wie ein Gehetztes Vieh von einem Termin zum anderen rennt, weil der Arsch von Kunde der Meinung ist: „mir doch egal ob der Vertreter für den Kram den ich brauche, gerade in München ist, der hat in 3 Stunden bei mir in Hamburg zu sein, oder ich kaufe meinen Scheiß woanders!“ Und dann Hetzt sich das Arme Schwein einen ab, um doch noch irgendwie das Unmögliche möglich zu machen, und den Termin doch zumindest annähernd noch einzuhalten, Dann zuckelt Opa Kaschunke gemütlich mit seinem scheiß Heizölferarri mit strich 75 Sachen auf der Linken Spur der A9, und hinter ihm staut es sich schon 20 Kilometer bis zum Kreuz München/Süd, und der Vertreter hinter ihm frisst gerade vor Wut den Filter seiner Zigarette, und ihm fallen mit Sicherheit 50 Wege ein diesen verdammten Friedhofsdeserteur, der eigentlich schon lange Tot, aber nur zu Faul zum umfallen ist, langsam, genüsslich und äußerst Schmerzhaft von dieser Welt in die nächste zu Befördern.

Ich bin Heute nicht mehr der Typ, der dem Vorausfahrenden bis auf einen halben Meter hinten auffährt, das kostet mir einfach zuviel Geld, aber über diese Möchtegernoberlehrer, die meinen, keiner hat schneller zu fahren als sie, kann ich mich immer noch furchtbar aufregen. Denn es gibt genug Leute die eben nicht die Zeit haben, sich gemütlich die Gegend anzusehen, sondern die Autobahn dafür nützen wofür sie auch gedacht wurde, nämlich Schnell von Punkt A zu Punkt B zu kommen, und nicht zum Spazierenfahren! Und wenn Jemand partout nicht schneller fahren will als 100 Sachen, warum fährt er dann nicht gleich auf der Landstraße? Was will der Arsch dann auf der Autobahn? Schleicher und Schnarcher die permanent die Linke Spur auf der Autobahn besetzen sollten dieselben Strafen bekommen wie Raser und Drängler, dann wären die Straßen schnell wieder viel sicherer, und auch viel Angenehmer zu befahren.

Aber nach einigen Stunden Fahrt und ziemlicher Sucherei, weil unsere Karte nicht gerade detailliert war, haben wir unser Ziel, das Clubhaus der Speichersdorfer Biker dann doch noch erreicht. Hundemüde Luden wir den ganzen Krempel aus dem Anhänger, den man nicht absperren konnte, um ihn in dem Clubhaus erst mal zwischenzulagern, denn Aufbauen würden wir erst Morgen Vormittag.

Dann haben wir uns erst mal unter die Menge gemischt, um noch ein paar kühle Blonde zu zischen. Unglaublich was da für Pseudos herumliefen. Wir schauten ein paar Älteren Semestern zu wie sie mit einem dicken BMW angefahren kamen, selbigen ein bisschen abseits hinter ein Gebüsch Parkten, in voller Motorradmontur ausstiegen, sich Motorradhelme über die Ellbogen hängten, das Auto verriegelten und ins Bierzelt gingen. Wir standen da wie Bestellt und nicht abgeholt und Beobachteten das Schauspiel mit offenem Mund, und fragten uns erst einmal Kopfschüttelnd, was zum Teufel das denn bitte darstellen soll, bevor wir vor Lachen auf der Stelle zusammenbrachen!Wir folgten dem seltsamen Pärchen neugierig, und hörten dann zu, wie sie einem Jedem erzählten,dass ihnen der Hintern von der langen Fahrt auf dem Bike weh tat, und was sie doch für harte Rocker sind. Was für jämmerliche Loser!

Und dann waren da noch die anderen Spastis, die ihre Bikes auf dem Anhänger bis 3 Kilometer vor das Dorf kutschierten, um dann das letzte Stück Stilgerecht auf ihren Harley´s zurückzulegen. Ich meine, wenn ich mit dem Auto auf ein Treffen fahre, dann fahre ich eben mit dem Auto hin! Geht niemand was an, und ist sicher auch jedem egal. Aber dann so eine armselige Show abzuziehen, und so zu tun als wäre man mit dem Bike da, ist einfach nur noch Oberpeinlich!

Der Großteil waren aber Gottseidank doch ganz normale Biker die auch selbst mit ihren Kisten angereist waren. Da waren auch ein paar richtig schöne Böcke dabei, und auch ein Paar Seltenheiten, vor denen sich die Interessierte Schar Motorradbegeisterter drängte. An eine Karre kann ich mich noch erinnern, das war eine recht lustige Begebenheit. Es war eine Kawasaki Z 1300 Voyager, ein riesiger, Überdimensionaler Kübel, von der Größe her in etwa vergleichbar mit einer Honda Gold Wing. Einige Leute standen sehr Beeidruckt vor dem Eisenhaufen, und fachsimpelten eher uninformiert über das Teil, das heißt sie laberten einen Schwachsinn, das einem übel wurde.

Ich interessiere mich eigentlich nicht allzusehr für solche Riesenpötte, aber zu diesem Modell hatte ich erst vor kurzem einen Bericht in der Motorrad-Zeitschrift im Wartezimmer vom Arzt gelesen und konnte mich an das meiste noch gut erinnern. Also dachte ich mir, jetzt machst du dich mal so richtig wichtig, das wird ein Heidenspaß, und fing mit einem halbstündigen Vortrag über sämtliche Technische Daten dieser Maschine an, so wie er auch im Testbericht stand, bei dem alle Anwesenden andächtig lauschten, und meine Bandkollegen mit offenem Mund daneben standen: also das Teil wiegt genau 485 Kilo, hat 6 Zylinder und 140 PS , leider keinen Rückwärtsgang, was beim Herumschieben sehr störend sein kann, das Cassettendeck hat kein Dolby, und der Brodcomputer zeigt den Durchschnittsverbrauch nur in Meilen an, und wenn man ihn nicht extra ausschaltet, ist am nächsten Tag die Batterie leer, und der Schminkspiegel im Topcase ist leider unbeleuchtet, und was mir sonst noch alles an unqualifiziertem Schwachsinn, und angelesenem Halbwissen eingefallen ist. Die Menge verging fast vor Ehrfurcht vor meinem vermeindlichen Expertenvortrag, und als ich dann endlich zum Labern aufhörte um mir eine Zigarette anzustecken, fragte einer der Umstehenden ehrfürchtig: „Was fährst dann du für eine Maschine?“ Ich antwortete grinsend : „eine Hai 50“ fragend starrte mich die versammelte Mannschaft an „was ist das denn?“ „eine Zündapp Hai 50! das ist die Geländeversion der CS 50! und damit brachen der Michi und der Blubber die direkt daneben standen erst mal vor Lachen zusammen und wälzten sich fast am Boden, und die Technikbegeisterten schauten noch belämmerter drein als zuvor „aber jetzt brauch ich erst mal ein Bier, man sieht sich“ und damit ließ ich die verdatterte Gesellschaft stehen wie Lord Nelson im Regen, und bog ums Eck, wo ich mich erst mal kranklachte.

Wir blieben noch ein Weilchen auf dem Treffen, das über das ganze Wochenende ging, verzogen uns dann doch ungewöhnnlich früh in unsere Schlafsäcke, weil ein jeder Hundemüde und erledigt war, außerdem wollten wir am nächsten Tag ja einigermaßen fit sein. Wir sollten mit der ganzen Aufbauaction schon am Vormittag anfangen, weil ab Mittag das Fest schon weiterging.

Aber wir hatten die Rechnung ohne die dritte Band, die außer uns noch spielen sollte gemacht. Kaum das wir uns zur vermeintlichen Ruhe gebettet hatten, fingen die auch schon an, auf dem Gang vor dem Zimmer in dem wir Pennen wollten, einen Joint nach dem anderen kreisen zu lassen, und nebenbei noch so eine art grottoide Akustikgitarrensession zu starten. Begleitet wurde das ganze von einem Betrunkenenchor, der so übel war, dass es einem die Plomben aus den Zähnen zu sprengen drohte. Da war Holli´s Interpretation von Blind Guardian´s Lord of the Ring, die er um 6.30 früh Strunzbesoffen im Blackout zum besten gab, und die die Traudl veranlasste umgehend die Kneipe zu schließen und uns nach Hause zu schicken, noch fast Engelsgleicher Gesang dagegen.

Die Typen sahen aus wie Hippies, die zur Einkleidung einen Altkleidercontainer geplündert hatten, und sollten am nächsten Tag als Opener vor uns spielen. Als ich eine Zeitlang unfreiwillig ihren jämmerlichen versuchen, so etwas ähnliches wie einen Bluessong zu spielen zugehört hatte, dachte ich bei mir: „oh mein Gott, wenn die morgen so eine Scheiße vor ca 1000 Bikern abliefern, dann Lynchen die sie gleich noch auf der Bühne!“.

Am Anfang fanden wir ihre klägliche Musikdarbietung ja noch ganz Amüsant, und man hörte im Dunklen Zimmer noch das eine oder andere leise Gelächter, aber nach ca. einer Stunde ( was so ungefähr gefühlten drei Stunden entsprach ) hatten wir dann doch ziemlich die Schnauze voll! Vor allem, weil sie die ganze Zeit nur das eine Lied spielten, welches aber nicht besser, sondern eher immer noch falscher gespielt wurde. Einzelnes Fluchen und Schimpfen wurde im Raum laut, und der Erste erhob sich, um noch! Höflich anzufragen, ob sie nicht ein bisschen leiser sein könnten, weil hier ein paar Leute versuchen zu Schlafen.

Die Verringerung des Lärms hielt aber keine fünf Minuten an, und das Krakeelen wurde dann noch lauter und noch schräger ( falls das überhaupt noch möglich war ). Als Steigerung des ganzen fanden diese Scheißidioten es dann anscheinend noch besonders Lustig, alle fünf Minuten die Tür aufzureißen und in das Zimmer zu laufen, um uns noch zusätzlich auf das Schwein zu gehen. So richtig typisch Hippie, immer schön Provozieren und wenn man sein Gegenüber dann so lange gepiesackt hat, dass der Ausrastet und man ein paar aufs Maul bekommt dann ist man selbst ja nie Schuld, Gell? Dann sind alle anderen gewalttätig und Primitiv, aber dass Provokation auch eine Form von Gewalt ist, auf die Idee kommen diese Pseudointellektuellen Müslifresser natürlich nie! Als die Tür wieder mal aufging, schoß der Blubby wie von der Tarantel gestochen und mit einem lauten „ Gruzifix, jetz glangts“ aus seinem Schlafsack rannte zur Tür und packte den erstbesten am Kragen und schrie ihn erbost an: „der Nächste der zu der Tür reikimmt, dem schlag´i an Schädl ei!“ Ich war auch aufgestanden, und mittlerweile auch schon mehr als wütend, und als ich die übliche Antwort einer dieser Schießbudenfiguren hörte: „Hey Mann, was seid ihr denn so Stressig drauf?“ antwortete ich nur kochend vor Wut: „ wenn i von euch nochamoi was hear, kommt nimma der raus, sondern I, und i red net lang , sonder schlag glei zua, und gnade Gott dem ersten den i zwischen meine Finga kriag, der hot nix mehr zum Lacha! Und jetz is a Rua, sonst Staubts!“

Diese Aktion hat anscheinend dann doch was geholfen, denn nach ein bisschen Gemurre wurde es dann doch zumindest so leise, das man hätte schlafen können, das Problem war nur, wenn man mich ein paar mal hintereinander aus dem Schlaf reißt, kann ich dann nicht mehr einschlafen, egal wie Müde ich auch bin. Und so bekam ich mit, wie sich die Tür bewegte, und spannte mich schon, um aufzuspringen und denjenigen der hereinkommen wollte wie ein Tollwütiger Hund anzufallen, sauer genug war ich inzwischen, als ich draußen hörte, wie einer rief: „ nicht die Tür aufmachen und da reingehen, das sind voll die Psychos, die bringen dich um“ Worauf ich schon fast wieder Lachen musste, und ich hörte von draußen den Bassist der Sigwarts sagen: „I geh do rei zum Schlaffa, weil de andern unt´n Schnarchan wia de Grizzlybären, i mach ja a ned so an Scheißlärm wia es Debben“.
Irgendwann, es war dann sicher schon 4 Uhr durch bin ich dann doch noch eingeschlafen, und wie ich es gewohnt bin, natürlich um 6 Uhr in der Früh schon wieder Aufgewacht.

Mißmutig und mit verkniffenen Augen ging ich erst mal eine Rauchen, und Schaute mir das Gelände erst mal im Licht des beginnenden Tages an. Es war wirklich kein kleines Bikertreffen, sondern ein Riesengelände, und ein gar nicht mal so kleines Bierzelt in der Mitte in dem auch der Auftritt stattfinden sollte. Als ich in die Bude zurückkam, waren von den Sigwarts auch schon welche wach, und so beschlossen wir, uns erst mal einen anständigen Kaffee zu machen, denn an Schlafen war auch nicht mehr zu denken.

Dann kam das nächste Problem, das sich ein Kurzhaariger warscheinlich gar nicht vorstellen kann, das Haarewaschen!  Da wir ja wie erwähnt am Tag vorher alle direkt nach der Arbeit losgefahren waren, hatte natürlich jeder dreckige, filzige Haare, und stank wie ein Wasserbüffel. Ich kam ja auch direkt von der Baustelle, und war als Dachdecker dementsprechend dreckig und verschwitzt. Am Tag vorher war uns das egal, da kamen wir ja erst Abends an, und wollten uns ja eigentlich nur kurz die Bühne anschauen, und nicht groß Party machen. Aber zum Auftritt wollten wir dann doch einigermaßen Zivilisiert ausschauen, und nicht müffeln wie Fozzybear nach dem Winterschlaf. Dann kams: Dusche? Fehlanzeige! das einzige fließende Wasser, das aufzutreiben war, mündete in ein Kaffeetassengroßes Waschbecken im Clubhaus der Biker, und war natürlich auch noch kalt! Schweinekalt sogar! wir mutmaßten ernsthaft, ob die Quelle, mit der die hiesige Wasserversorgung gespeist wurde, irgendwo in einem Permafrostgebiet liegt. Wasch du dir mal übernächtigt, und mit Kater in der Birne in der eiskalten Plörre die langen Zotteln! viel Spaß dann auch!

Der Aufbau am Vormittag lief dann auch ziemlich unspektakulär, und relativ relaxt ab, zumindest für uns. Die Hippies hatten wir dann auch um ca. 7.00 Uhr mit den Worten aus den Schlafsäcken geholt „ He! Aufsteh! ihr brauchts net moana, das mir ois alloa aufbaun, do mechts fei sche midhelfa“ uns war allen klar, das die Typen zu nichts zu gebrauchen waren, aber die Sigwarts hatten wegen der Nächtlichen Gesangsdarbietung dieser Pfeifen ungefähr genau so viel Schlaf abbekommen wie wir, und so dachten wir alle einstimmig, das wir DIE nicht bis Mittag schlafen lassen, Strafe muss sein!

Und so geisterten diese Black Crow Typen (den Sound wollten sie ungefähr machen, aber es hörte sich eher an wie Helge Schneider nach dem 10en Bier) wie die Zombies mit verquollenen Blutunterlaufenen Augen und fahler Gesichtshaut zwischen uns umher, und wurden zu allerlei Sinnfreien Tätigkeiten herangezogen bei denen ein normaler Mensch, der in der Nacht NICHT 5 Joints geraucht hat, nach spätestens fünf Minuten den guten alten Götz von Berlichingen zitiert, und sich verpinkelt hätte. Die Sigwarts-Techniker überboten sich gegenseitig im ausdenken von unsinnigen, aber doch mit schwerer Schlepperei verbundenen Arbeiten so wie zum Beispiel: Do, he zu Zipfe, nimm amoi de Monitorbox, und trog´s auf de andare Seit´n von da Bühne, während der andere Techniker ihn mit den Worten empfing: wos soi I denn jetz do damit? Trog de hintre zu Schlagzeig du Gloife, während der Schlagzeuger ihn mit den Worten: seits ihr jetz olle Damisch worn? De braucht doch vorn da Sänger! Schleich di mit deim Glump! Wieder zum Teufel jagte, und der Arme Kerl sich mit der Schweren Box in der Hand verwirrt in der Bühnenmitte im Kreis drehte und vorsichtig fragte: Hallo? Du sag mir doch bitte mal einer wo die hin soll? wär das okay für euch? Die wird ganz schön schwer! Ich erbarmte mich dann, nachdem ich mich hinter einem Boxenstapel erst mal ausgelacht hatte, mit den Worten: was bist denn du für a Musiker? wo schtellt ma denn so a Monitorbox hi? natülich vorn an Bühnenrand du Schnarcher! Und so Scheuchte sie jeder, dem irgendetwas einfiel durch die Gegend, und es war wirklich erstaunlich, das die nicht gepeilt haben das sie total verarscht wurden.

Ich lies mir auch meine Zenterschwere Laneybox zwei mal sinnlos durch den Raum tragen, das waren sie mir für die unfreiwillig durchwachte Nacht schuldig, und dachte mir, still in mich hineinlächelnd: die Klingonen haben doch recht, Rache ist ein Gericht, das am besten Kalt serviert wird.

Nachdem wir mit dem aufbauen und dem Soundcheck fertig waren, war erst noch ein bisschen ausruhen angesagt, unser Zorn auf die Nächtlichen Ruhestörer war auch verraucht, und wir hatten dann eigentlich noch viel Spaß mit denen. Langsam wurde es dann auch Abend, und der Auftritt nahte. Ich war immer noch ein bisschen skeptisch was unsere Vorband betraf, obwohl sie sich beim Soundceck, wo sie dann auch nicht mehr Zugeraucht waren, wesentlich besser angehört hatten, als in der Nacht vor unserer Tür.

Biker sind ein gänzlich anderes Publikum als man es auf einem normalen Gig gewohnt ist. Großartige Reaktionen aus dem Publikum darf man nicht erwarten. Für den Besucher eines Motorradtreffens ist die Musik nur untermalendes Nebenbei. Passt die Mucke, dann sieht man es daran dass nichts Passiert, passt sie nicht, dann kann man unter Umständen Probleme bekommen. Denn die meisten sind auf solchen Treffen ziemlich betrunken, und es sind immer auch die richtige Menge an Typen dabei, die nach dem 6ten Bier anfangen Streit zu suchen. Und wenn man durch mangelnde Qualität, oder die falsche Songauswahl die Aufmerksamkeit solcher Zeitgenossen erweckt, kann es schnell Passieren, das man als Musiker zum Ziel der Schlechten Laune wird, oder sie es einfach nur lustig finden, leere Flaschen auf die Bühne zu werfen, und den Rest des Publikums aufzuhetzen es ihnen gleich zu tun.

Und es kam, wie es kommen musste! Sie legten sehr ambitioniert mit ihrem Crossover/Easy listening sound los und das Gemurre im Publikum fing schon beim ersten Song an. Dann machten sie den größten Fehler, den man in so einer Situation machen kann, sie versuchten das ohnehin schon genervte Publikum zum mitzumachen zu animieren! Damit störten sie die Ruhe an den Biertischen endgültig, und die ersten Pfiffe und Buhrufe tönten durch das Zelt. Hätte es, wenn sie einfach normal weitergespielt hätten, vielleicht noch gutgehen können, denn sie hatten ja sowieso nur eine gute halbe Stunde Spielzeit, so forderte das Publikum jetzt natürlich sofortiges Aufhören, und drohten damit, das ganze Zelt abzureißen, wenn die nicht sofort das Spielen aufhören! Meine Befürchtungen hatten sich bewahrheitet. Hatte ich insgeheim gehofft, das Publikum würde sie einfach nur mit Nichtachtung strafen, so wurden die Proteste so vehement, das sie tatsächlich zum spielen aufhören mussten, um den Ausbruch von Gewalttätigkeiten zu verhindern. Es war ja eigentlich absehbar, ich konnte die Sigwarts nicht verstehen, wie kann man nur eine Hippieband aus Oberbayern als support act mit auf ein Bikerfest ins tiefste Frankenland nehmen, das muss ja schief gehen. Diese Band war dort so deplatziert, wie wenn man eine Schwarze Frauenrechtlerin als Unterhaltungsprogramm auf dem Jahrestreffen des KuKluxClans auftreten hätte lassen.

Aber so sehr wir uns in der Nacht über diese Typen geärgert hatten, so eine Behandlung hatten sie nicht verdient! Der Volker, seines Zeichens Chef bei den Sigwarts, sagte zu uns, wenn die sich so aufführen dann spielen wir nur ein paar lieder und hören dann auf, so geht’s ja auch nicht! Wir gingen, doof wie wir waren auch sofort darauf ein, aber ich glaube allerdings im Nachhinein, dass es ihm nicht um die andere Band ging, sondern darum sich im Vergleich mit uns nicht zu blamieren. Denn schon beim Soundcheck war abzusehen dass unsere Songauswahl im Vergleich mit ihnen die deutlich gefälligere war, und sie uns auch musikalisch nicht das Wasser reichen konnten. Der Bassist war zwar ziemlich gut, aber der Gitarrist (oder hatten sie zwei? Ich kann mich nur noch an einen erinnern) war zwar technisch nicht schlecht, spielte aber eher Lustlos seinen Kram herunter. Und der Volker der als Drummer auch den Leadgesang machte zeigte bei schnelleren oder Höheren Passagen doch deutliche Defizite, beides geht einfach nicht zusammen. Selbst ein Phil Collins der ein Begnadeter Schlagzeuger ist und auch super Singt, macht live nie beides zusammen. Vielleicht ging es aber auch nur darum, das sie für sich einfach mehr Spielzeit rausschinden wollten, ich weiß es nicht.

Also waren wir dran! Früher als gedacht, enterten wir die Bühne. Wir hatten uns natürlich nachdem wir die Einladung zu diesem Auftritt bekommen hatten schon mit der Auswahl der Songs beschäftigt, und hatten uns darauf geeinigt an diesem Abend größtenteils Covernummern zu spielen. Denn das würde bei so einer Veranstaltung dann doch am besten ankommen. Nach der Reaktion des Publikums auf unsere Vorband, war uns aber dann doch ein bisschen mulmig geworden, aber wir dachten das wird schon klappen, bei der Songauswahl: Burning von Accept, Wild thing, Ace of Spades, und so weiter dürfte das doch eigentlich kein Problem geben. Und so legten wir gleich voll Stoff los, und das Publikum beruhigte sich schnell wieder, und einzelne gingen sogar sofort mit!

Das lief ja besser wie erwartet, nach dem Auftritt der anderen Band waren die Erwartungen anscheinend nicht mehr so hoch, und wir konnten sehr schnell überzeugen. Die Menge ging sogar so gut mit, dass bei Burning das Halbe Bierzelt mitsang. Wir hatten den Geschmack offenbar genau getroffen, und fanden es Schade, dass wir nach Sechs Liedern schon wieder aufhören mussten. Das Publikum und der Veranstalter waren dann auch dementsprechend angefressen, als wir nach einer knappen halben Stunde schon wieder aufhörten. Aber was soll man als Vorband machen, wenn dich der Headliner nicht mehr weiterspielen lässt? Hätten wir einfach weitergemacht, wäre sicherlich schnell ein ominöses Technikproblem aufgetaucht, das uns zum Aufhören gezwungen hätte, man kennt das ja. Schließlich saß ja der Hiwi vom Headliner hinterm Mischpult Und so war der Auftritt schon vorbei, bevor meine Stimmbänder überhaupt warm werden konnten. Ich fragte mich nur, für was sie uns eigentlich mitgenommen haben, denn für den kurzen Gig war der Aufwand, und die weite Fahrerei einfach zu viel.

Dann nach einer längeren Umbaupause, wir waren jetzt auch ein bisschen angefressen, und ließen uns extra ein bisschen mehr Zeit, startete dann Sigwarts. Sie spielten natürlich viel mehr als nur ein paar Lieder, so wie wir es eigentlich ausgemacht hatten, denn schließlich waren ja sie es, die gesagt hatten das ALLE weniger spielen sollten, aber das schien sie auf einmal nicht mehr zu kümmern, sowas aber auch, warum Überrascht mich das jetzt nicht, dachte ich mir, war ja klar. Wir holten uns erst mal was zum Saufen, Während der Daxei, der auch anwesend war, weil er ja damals in Schwandorf eine Freundin hatte und so auf dem weg vorbeischaute, vorne an der Bühne schon ein bisschen angetrunken herumkrakeelte und lautstark forderte das sie aufhören sollten und uns wieder spielen lassen sollten, was wir mit einem Breiten Grinsen auf den Gesichtern und viel Genugtuung verfolgten. Unser sehr geschätzter Nathaniel ( Daxeis Künstlernahme bei Mortuus Infradaemoni ) bereicherte den ganzen Auftritt der Sigwarts mit Kritischen Kommentaren die er in jeder Spielpause auch lautstark auf die Bühne rief, so dass die Mienen der Akteure dort oben sich langsam aber sicher verfinsterten. Und ich schätze, sie hätten ihm irgendwann eine Bierflasche draufgeworfen, wenn er nicht in der Zwischenzeit ein paar ähnlich Alkoholisierte Mitstreiter gefunden hätte, denen es zwar egal war wer dort spielte, die es aber lustig fanden, die Band dort oben zu Ärgern. Ein paar andere fanden das Spektakel anscheinen auch sehr Lustig, und stachelten den Daxei zu immer noch derberen Beleidigungen und Zwischenrufen in Richtung der Bühne an. ER lief an diesem Abend wirklich zur höchstform auf, und selbst Dieter Bohlen währe vor Neid erblasst, wenn er die bösartigen Kommentare vom Daxei gehört hätte.

Wir feierten dann trotz allem noch bis tief in die Nacht hinein, und ließen uns unseren Spaß nicht verderben. Wir hakten den Auftritt dann unter dem Motto ab: Wieder um eine Erfahrung reicher! was solls, dann war´s halt ein Schöner Bandausflug.

 

Bild von RoofDamage

Hach, das kann ich mir mittlerweile auch sehr lebhaft vorstellen... der am sinnlosen Rumstänkern, und alle andern Dimpfen machen mit. Sehr köstlich^^

Bild von Toml

Hi Winny,

Dir wird mit dieser Seite die Ehre zuteil, die tausendste (in Zahlen: 1000) Seite in unserem Webangebot erstellt zu haben (eine Seite ist entweder ein Bild oder eine Inhaltsseite). Guck mal in die Adressleiste. Ech nich schlech, das Ganze. Es wächst und gedeiht.

Bild von Winny

Wieder ein Kapitel durch! hab noch ein paar Ergänzungen eingefügt, ein bisschen was dazugeschrieben, und jetzt passts.

Toml wenn du Bock hast, kannst du es ja noch mal im MS Word korrigieren, weil mein Open Office ist leider Legastheniker, wenn ich das so mache wie dieses Programm meint, dann wird das Kisuaheli, oder ein Bantu-Dialekt, aber kein verständliches Deutsch!

Bild von Michi

Schaut so aus, als wärest du Krankgeschrieben, was ja auch kein Wunder ist. Bin Froh, das es nicht schlimmer gekommen ist, hatte ja schon schiß, das du dir was gebrochen haßt. Auf diesem wege wünschen Birgit, die Kinder und ich dir gute Besserung und schon dich, so gut es geht. Der Speichersdorf-Bericht ist ja mal wieder erste Sahne, mein Frauchen und ich ham uns weggeschmissen vor lachen, einfach Klasse. Hat doch was gutes, wenn du zu hause sitzt und schreiben kannst. Halt die Ohren steif, wir sehen uns.
 
Stay was immer du willst.